Ist die Last auf Doncic zu groß?

Julian Agardi
·Lesedauer: 4 Min.

Luka Doncic kann es nicht fassen.

Niedergeschlagen und mit hochrotem Kopf kniet der 21 Jahre alte Slowene auf dem Boden des American Airlines Centers in Dallas und schlägt vor Wut mehrfach mit den Fäusten aufs Parkett.

Soeben hatte der Point Guard der Dallas Mavericks die Riesen-Chance auf den Ausgleich gegen die Portland Trail Blazers. Doch sein offener Dreier in letzter Sekunde landete nur am Ring und sprang anschließend von dort ins Seitenaus. Unmittelbar nach dieser Szene ertönte die Sirene, die Pleite gegen den Fünften der Western Conference war besiegelt - und Doncic der tragische Held eines engen NBA-Duells. (Spielplan der NBA-Saison 2020/21)

Luka Doncic: "Das geht auf mich"

Mit 118:121 zog Dallas gegen die Trail Blazers knapp den Kürzeren. Und obwohl sich Doncic mit 44 Punkten in bestechender Form präsentierte, lud er die Schuld an der bitteren Niederlage nach Spielschluss voll und ganz auf sich.

"Ich dachte, er würde reingehen, aber er sprang raus, also war ich enttäuscht. Das geht auf mich. Ich hätte treffen sollen", haderte der 2,01 Meter große Doncic. Der zwischenzeitliche Aufschwung der Mavericks scheint somit vorerst gestoppt. Für das Team von Head Coach Rick Carlisle war es die erste Niederlage nach zuletzt vier Siegen in Folge.

Im Westen belegt Dallas aktuell mit Platz zehn einen Rang, der am Ende nicht für die Teilnahme an den Playoffs berechtigen würde. Und die chronische Schwäche gegen die Spitzenteams der Liga könnte sich für die Texaner zu einem ernsthaften Problem entwickeln. Gegen die aktuellen Top-5-Mannschaften gelang den Mavs in der laufenden Spielzeit erst ein Sieg (124:112 gegen die Indiana Pacers). (Tabellen der NBA)

Deswegen drängt sich verstärkt die Frage auf: Wie gut sind die Mavs in dieser Saison wirklich?

Ist die Last auf Doncic zu groß?

Die Spieler der Mavericks sind im Schnitt zwar nicht unterdurchschnittlich jung. Die Mannschaft ist im Kern allerdings noch ziemlich unerfahren.

Der einzige Akteur mit größerer Playoff-Erfahrung ist James Johnson. Mit Toronto erreichte er 2016 unter anderem das Finale der Eastern Conference. Der Rest durfte diesbezüglich noch nicht allzu viele Erfahrungen sammeln. Der aktuelle Mavericks-Kader kommt insgesamt auf lediglich 74 Playoff-Spiele.

Zum Vergleich: Bei den Denver Nuggets, einem Konkurrenten der Mavs um die begehrten Plätze, kommen mit Paul Millsap, Nikola Jokic und Jamal Murray schon allein drei Spieler zusammen auf 186 Playoff-Einsätze.

Bezeichnend dafür ist, dass mit Luka Doncic die große Hoffnung der Mavs auf einem 21-Jährigen liegt. Doch ist die Last, die ihm aufgeschultert wird, noch eine Nummer zu groß für den talentierten Slowenen?

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Richardson noch keine Verstärkung

Aufgrund der überraschend starken Vorsaison waren die Erwartungen an ihn vor der laufenden Spielzeit hoch – möglicherweise zu hoch. In den ersten Monaten gelang es Doncic oftmals noch nicht, das Spiel der Texaner erfolgreich zu prägen.

Und weil er in Dallas jetzt der unumstrittene Star und Anführer der Mannschaft ist, ist der Erfolg des Teams eng gebunden an seine Leistungen. Spielt Doncic stark, kann er das Team mitreißen. Erwischt der Point Guard aber einen schwächeren Tag, sinken auch die Chancen der Mavericks auf einen Sieg drastisch.

Bei den Mavs lernt der junge Doncic gegenwärtig, was es heißt, ein Führungsspieler in der NBA zu sein. Nur wie viel Zeit bleibt ihm und den Mavs zum Lernen, ohne die Chancen auf eine Playoff-Teilnahme zu verspielen?

Hinzu kommt, dass auch der vor der Saison zurückgekehrte Josh Richardson bislang noch deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Die Defense, die schon 2019/20 die größte Baustelle der Mavs war, ist auch dieses Jahr noch nicht stabil. Und so halten sich die Gerüchte hartnäckig, vor der Trade-Deadline könne bei den Mavericks noch einmal etwas passieren.

Geht Porzingis zu den Boston Celtics?

Zuletzt war in den USA darüber spekuliert worden, dass Kristaps Porzingis die Franchise in Richtung Boston Celtics verlassen könnte und im Gegenzug mit Kemba Walker, Payton Pritchard und Robert Williams drei neue Spieler zu den Mavs stoßen könnten. Vor allem Walker, der als ausgezeichneter Schütze gilt, könnte Doncic etwas entlasten und viel punkten.

Pritchard (23 Jahre) und Williams (23 Jahre) sind junge und grundlegend solide Spieler, die sich bei den Mavs in den kommenden Jahren noch weiterentwickeln und verbessern könnten. Ob es zu diesem Deal kommen wird, wird sich spätestens im kommenden Monat entscheiden. Durch den verspäteten Saisonstart ist die Trade Deadline in diesem Jahr am 25. März.

Bis dahin wollen die Mavs auch im Kampf um die Playoff-Plätze nachlegen. Die knappe 118:121-Pleite gegen Portland soll nur ein Ausrutscher gewesen sein. Denn die Hoffnung ist groß, dass es nach den zuvor vier siegreichen Spielen am Stück jetzt erstmal beständig nach oben geht. (Alles Wichtiger zur NBA)

Entscheidend dafür wird sein, dass Anführer Luka Doncic Konstanz in seinen guten Leistungen findet – und dass die Mavericks es schaffen, ihre Schwäche gegen die Top-5-Teams der Divisions abzulegen.