Langweilige Bundesliga: Müller und Co. schlagen Alarm

Kerry Hau
Langweilige Bundesliga: Thomas Hitzlsperger, Thomas Müller und Uwe Hünemeier (v.l.) schlagen Alarm

Ein Meister mit über 20 Punkten Vorsprung, ausbleibender Erfolg in Europa, zähe spielerische Kost: Am Wochenende endet eine enttäuschende Saison für das Image der Bundesliga. 

Während die Dominanz des FC Bayern immer größer wird, sinkt das Niveau der restlichen Mannschaften. Dass das der Konkurrenzfähigkeit und der Attraktivität des deutschen Profifußballs schadet, wissen sie mittlerweile sogar beim Titelabonnenten aus München.

"Das letzte Jahr war unterdurchschnittlich und nicht das, was sich der deutsche Fußball-Fan und auch nicht die Verantwortlichen wünschen", sagte Thomas Müller bei der Präsentation des neuen Bayern-Trikots am Dienstag.

"Im Sinne des Wettbewerbs bedauernswert"

Seit 2013 thronen Weltmeister Müller und seine Kollegen unantastbar an der Spitze. Im DFB-Pokal konnten nur der VfL Wolfsburg (2015) und Borussia Dortmund (2017) den Bayern ein Bein stellen.

"Das ist im Sinne des Wettbewerbs bedauernswert", befand der frühere Nationalspieler Thomas Hitzlsperger zuletzt in der Süddeutschen Zeitung. Ein Wettbewerb habe "keinen Reiz", wenn nur ein Teilnehmer auf zählbaren Erfolg hoffen dürfe.


Das ist zwar nicht nur in Deutschland der Fall. Die italienische Liga wird seit Jahren von Juventus Turin dominiert, die französische bis auf eine Ausnahme in der vergangenen Saison von Paris Saint-Germain. In Spanien und vor allem in England herrscht aber deutlich mehr Brisanz.

Höhere Leistungsdichte in England und Spanien

Wenngleich der FC Barcelona und Manchester City vergleichsweise früh Meister geworden sind, gehen sie nicht automatisch als haushohe Favoriten in die neue Spielzeit. Dafür ist die Leistungsdichte in diesen Ligen viel zu hoch.

"In allen Mannschaften der Premier League ist die individuelle Qualität größer als in der Bundesliga - mit Ausnahme des FC Bayern", sagte England-Legionär Uwe Hünemeier vor kurzem im SPORT1-Interview.

Hünemeier spielt derzeit noch bei Brighton & Hove Albion. Im Sommer kehrt er nach Deutschland zurück, bei Zweitliga-Aufsteiger SC Paderborn hat er einen Zweijahresvertrag unterschrieben.

"Bevor ich nach England ging, habe ich gesagt, dass die Bundesliga auf einem hohen Niveau ist. Aber sie tut sich extrem schwer, dem Tempo der Premier League zu folgen", so sein Fazit.

Hitzlsperger wünscht sich Investoren

Doch woran liegt das? "Letztendlich schießt Geld Tore", glaubt Hünemeier. Durch die weitaus höheren TV-Gelder besäßen englische Vereine "viel mehr Möglichkeiten, um gute Spieler für etwas schlechtere Klubs zu kaufen."

Brighton habe als Aufsteiger allein schon Spieler für 15 bis 20 Millionen Euro verpflichten können. "Solche Möglichkeiten haben Augsburg oder Freiburg gar nicht."

Hitzlsperger stünde daher einer Aufhebung der 50+1-Regel und einer Zulassung von Investorenmodellen positiv gegenüber.

"Viele Funktionäre würden sich gerne öffnen. Sie fürchten aber den Unmut der Fans. Teile der Fans sind skeptisch, haben Angst vor Eigentümern, die mangels Identifikation und Wissen den Verein in den Ruin treiben. Ich kann beide Positionen nachvollziehen."

Die Sorge, dass jemand den Verein übernehme und dann herunterwirtschafte, sei "nicht aus der Luft gegriffen. Gleichzeitig wissen wir, dass wir Geld auftreiben müssen, wenn wir international mitspielen wollen."

Müller will zurück ins Jahr 2013

Das diesjährige deutsche Versagen in den europäischen Wettbewerben ist aber weniger finanziellen Problemen geschuldet, scheiterten Hertha BSC, die TSG Hoffenheim und Borussia Dortmund schließlich nicht an Schwergewichten, sondern an Underdogs wie Östersund, Razgrad oder Salzburg.


Bayern-Kapitän Müller möchte die vergleichsweise begrenzten wirtschaftlichen Mittel deshalb nicht als Ausrede für den Absturz der Liga verstanden wissen.

"Wir wollen uns wieder steigen. Wenn ich zurückdenke an 2013, da gab es ein deutsches Champions-League-Finale. Der ganze deutsche Fußball war stolz drauf, die europäische Spitze zu stellen. Da wollen wir wieder hin."

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