Längst überfällig? Kanada bekommt geschlechtsneutrale Nationalhymne

Das kanadische Frauen-Eishockeyteam singt die Nationalhymne bei der Medaillenverleihung 2014 in Sotschi (Bild: AP Photo/Mark Humphrey)

Immer wieder kommen Gender-Diskussionen auf, wenn es um offizielle Titel oder auch die Nationalhymne eines Landes geht. Kanada will damit nun Schluss machen und beschließt offiziell eine geschlechtsneutrale Hymne.

Es ist eine kleine Revolution: Am Mittwochabend kanadischer Zeit verabschiedete der Senat in Ottawa eine entsprechende Gesetzesänderung. Bisher hieß es “True patriot love in all thy sons command” (Erwecke Vaterlandsliebe in all deinen Söhnen). Nun soll die Passage geschlechtsneutral ausgedrückt werden und damit alle Bewohner des Landes ansprechen. Im Zukunft soll dann nur noch “in all of us command” (in uns allen) gesungen werden.

Auf Twitter schrieb Premierminister Justin Trudeau: “Maurils Gesetzesentwurf, der ‘O Canada’ genderneutral machen soll, wurde heute vom Senat angenommen – ein weiterer positiver Schritt in Richtung Gender-Gleichheit.”

Die Nationalhymne wurde 1908 von Dichter Robert Stanley Weir komponiert. Im Original war die nun als veraltet abgestrafte Passage nicht enthalten. Sie wurde nach dem Ersten Weltkrieg hinzugefügt, um an die gefallenen Soldaten zu erinnern.

“Ich bin sehr, sehr glücklich”, zitiert der TV-Sender CBC Senatorin Frances Lankin nach Bekanntwerden des Senatsbeschlusses. Sie hatte die Initiative zur geschlechtsneutralen Nationalhymne entscheidend unterstützt. Obwohl es nur eine Änderung bei zwei kleinen Wörtern gab, seien die Wirkung und das Zeichen, das man damit setze, enorm.

Vom neuen Text der Nationalhymne sind allerdings nicht alle begeistert. So schrieb ein Twitter-User: “Ich werde weiter ‘all thy sons’ singen, um die Männer zu ehren, die im Ersten Weltkrieg kämpften.” Für dieses Statement hagelte es viel Kritik, denn: “2.500 kanadische Frauen dienten während des Ersten Weltkriegs in Übersee als Krankenschwestern und mehr als 40 starben bei der Ausübung ihrer Pflicht. Warum sollte man ihren Dienst und ihr Opfer nicht auch anerkennen?”