Langlauf-Staffel nach Böhlers Fehlstart ohne Chance - Björgen bricht Rekorde

Langlauf-Staffel nach Böhlers Fehlstart ohne Chance - Björgen bricht Rekorde

Stefanie Böhler war nach ihrem fatalen Fehlstart untröstlich, Andreas Schlütter zuckte enttäuscht mit den Schultern: Die deutschen Skilangläuferinnen haben ihre größte Chance auf eine Olympia-Medaille klar verpasst. In der Staffel über 4x5 km belegte das DSV-Quartett beim Zittersieg Norwegens um Rekordfrau Marit Björgen nur den sechsten Platz und musste das schlechteste Ergebnis seit 1994 verkraften. 
"Es tut mir leid, dass ich Katha so einen Rückstand mitgegeben habe. Ich habe alles riskiert, aber es hat nicht sein sollen", sagte die 36 Jahre alte Böhler, die als Startläuferin früh den Kontakt zur Spitze verlor. Im Ziel lagen Böhler (Ibach), Katharina Hennig (Oberwiesenthal), Victoria Carl (Zella-Mehlis) und Sandra Ringwald (Schonach) 1:49,4 Minuten hinter Norwegen. Zu Bronze fehlte dem deutschen Vierer mehr als eine Minute.
Der deutsche Langlauf-Chef Schlütter rang sich ein gequältes Lächeln ab. "Das Ergebnis ist okay. Der Start war nicht so gut, am Ende müssen wir mit Platz sechs zufrieden sein. Wir arbeiten daran, dass das mit der Startposition wieder besser wird", sagte Schlütter. Schon bei der WM 2017 in Lahti waren die deutschen Träume gleich zu Beginn geplatzt, damals war Hennig eingebrochen.
Am Ende stand sogar das schlechteste Olympia-Ergebnis einer deutschen Frauen-Staffel seit 24 Jahren - in 1994 in Lillehammer war erst gar kein Team am Start gewesen. "Ich war heute sehr nervös vor dem Rennen. Nicht, weil es unbedingt Olympia ist, sondern weil ich gewusst habe, dass ich auf meine Form gerade nicht so vertrauen kann", sagte Böhler. Silber ging an Schweden, Bronze an das Team der Olympischen Athleten aus Russland (OAR).
Björgen, die kurz vor dem Ziel die Schwedin Stina Nilsson stehen ließ, knackte derweil mehrere Bestmarken: Als erste Wintersportlerin der Geschichte gewann sie zum siebten Mal Olympiagold, mit insgesamt 13 Medaillen zog sie zudem mit Rekordhalter und Landsmann Ole Einar Björndalen (Biathlon) gleich. Zudem ist sie mit 37 Jahren und 333 Tagen die zweitälteste Staffel-Olympiasiegerin nach der Russin Raissa Smetanina, die 1992 mit 39 Jahren Gold geholt hatte.
Die deutsche Frauen-Staffel, 2002 noch Olympiasieger, hatte bei den vergangenen vier Winterspielen in Folge eine Medaille geholt. In der Loipe wurde aber schnell klar, dass eine erneute Medaille außer Reichweite ist. Böhler übergab mit 51 Sekunden Rückstand nur auf Rang acht. Die 21 Jahre alte Hennig zeigte anschließend eine starke Vorstellung und hielt den Rückstand auf die Spitze konstant. Favorit Norwegen lag da mit 30 Sekunden Rückstand nur auf dem vierten Rang, startete aber eine Aufholjagd.
Carl fiel anschließend wieder auf den achten Rang zurück, der Rückstand war auf 1:20 Minuten angewachsen. Ringwald machte zumindest noch zwei Plätze gut. Dennoch drohen dem deutschen Team nun Winterspiele ohne eine einzige Langlauf-Medaille, zuletzt hatte es das 1998 gegeben. Die Männerstaffel am Sonntag (15.15 Uhr OZ/7.15 MEZ) hat nur Außenseiterchancen. 2014 hatte es für das deutsche Quartett um Böhler noch Bronze gegeben, es war die einzige deutsche Langlauf-Medaille der Spiele in Sotschi gewesen.