Langer Kündigungsschutz für neue Privatkundensparte

Bis Mitte 2018 werden Postbank und das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank verschmolzen. Wie viele Jobs das kosten wird, ist unklar. Aber für Mitarbeiter gibt es einen sehr langen Kündigungsschutz.


Die Zusammenlegung der Postbank und der Privatkundensparte der Deutschen Bank nimmt Konturen an. Bis Mitte 2018 sollen die beiden bislang rechtlich unabhängigen Institute zu einer juristischen Einheit verschmolzen werden und eine gemeinsame Zentrale haben, wie die Bank am Donnerstag mitteilte.

Die „Deutsche Privat- und Firmenkundenbank“ wäre nach Bilanzsumme das fünftgrößte deutsche Kreditinstitut. Unter dem Dach der neuen Privatkundenbank wird Ende 2018 außerdem eine neue Digitalbank entstehen. „Im Mittelpunkt des Angebots wird ein kostenfreies Konto stehen, das einen einfachen und schnellen Zugang zu digitalen Marktplätzen bietet“, kündigte die Bank an.


Mit der Zusammenlegung von Postbank und dem Privatkundengeschäft will die Deutsche Bank rund 900 Millionen Euro an Kosten einsparen, etwa durch den Abbau von Doppelarbeiten oder die Nutzung einer gemeinsamen Infrastruktur. Wie viele der zusammen 31.000 Arbeitsplätze das kosten wird ist unklar. Mit den Gewerkschaften hat sich die Bank aber bereits jetzt schon auf einen Kündigungsschutz bis Mitte 2021 geeinigt.

Dieser Kündigungsschutz gilt nicht nur für die Beschäftigten der jetzigen Postbank, für die die Gewerkschaften Verdi und DBV ursprünglich Tarifgespräche geführt hatten. Die Vereinbarung gilt für alle Beschäftigten der gemeinsamen Privatkundensparte der Deutschen Bank. Das sieht eine Eckpunktevereinbarung vor, die die Bank mit den Gewerkschaften abgeschlossen hat.

Vier Verhandlungsrunden lang hatten die Gewerkschaften Verdi und DBV mit der Postbank verhandelt. Das war möglich, weil bei der Postbank ein Tarifvertrag ausgelaufen war, der auch einen Kündigungsschutz enthielt. Die Gewerkschaften hatten für eine Verlängerung gekämpft. Verdi hatte die Verhandlungen mit zahlreichen Warnstreiks im ganzen Bundesgebiet flankiert und mit unbefristeten Streiks gedroht, sollten die Gespräche scheitern.

Die Bank will mit ihrem Schritt Kosten senken, etwa indem Doppelarbeiten künftig vermieden werden. Zwar wird es auch künftig beide Marken geben – sowohl die Deutsche Bank, als auch die Postbank. Doch die IT-Systeme und die Arbeitsprozesse werden vereinheitlich. Außerdem soll künftig immer jeweils nur eine Einheit Produkte, seien es Derivate oder Konsumentenkredite, für beide Marken herstellen. Wertpapiergeschäfte könnten dann eher aus der Deutschen Bank kommen. Das ähnelt den Plattformstrategien der Automobilhersteller, die in unterschiedliche Automarken oft die gleichen technischen Komponenten verbauen.


Anders als um die Jahrtausendwende bedeutet die Zwei-Marken-Strategie diesmal aber nicht, dass Kunden gegen ihren Willen der einen oder der anderen Marke zugeordnet werden. Damals behielt die Deutsche Bank nur ihre vermögenderen Kunden und schob alle anderen ihrer Tochter Deutsche Bank 24 unter.

Von der Zusammenlegung der Privatkundensparten sind auch die Bauspar-Töchter beider Institute betroffen: Voraussichtlich im Jahr 2019 sollen die Postbank-Tochter BHW sowie die Deutsche Bank Bauspar zusammengelegt werden. Die Traditionsbank Sal. Oppenheim wird dagegen zerschlagen und im Verlauf des Jahres 2018 als Marke verschwinden.

Das institutionelle Geschäft, das vor allem für seine quantitative, regelbasierte Aktienanlage bekannt ist, wird der Deutsche-Bank-Fondstochter Deutsche Asset Management zugeschlagen. Das Geschäft mit der Beratung vermögender Kunden soll zukünftig zur Wealth-Management-Sparte des Privatkundengeschäfts gehören.