Lange Schlangen bei Parlamentswahl in Myanmar

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Wählerinnen in Myanmar zeigen ihre tintenblauen Finger
Wählerinnen in Myanmar zeigen ihre tintenblauen Finger

Lange Schlangen bei der Wahl in Myanmar: Am Sonntag haben die Bürger in dem südostasiatischen Land ein neues Parlament gewählt. Beobachter erwarten, dass die De-facto-Regierungschefin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi mit ihrer Nationalen Liga für Demokratie (NLD) an der Macht bleibt. Es sind erst die zweiten Wahlen seit dem Ende der knapp fünf Jahrzehnte andauernden Militärherrschaft in dem Land. Das Ergebnis wird in einigen Tagen erwartet. 

Die Abstimmung wurde von der Corona-Pandemie überschattet. Weil Myanmar eines der am schlimmsten von der Gesundheitskrise betroffenen Länder Südostasiens ist, hatte es Forderungen nach einer Verschiebung der Wahl gegeben. Dies lehnte die Regierung ab.

Suu Kyi hatte die 37 Millionen Wahlberechtigten dazu aufgerufen, ihre Angst vor dem Coronavirus zu überwinden und abzustimmen. "Ich habe absolut keine Angst, Covid-19 zu bekommen, sagte die 27-jährige Wählerin Khine Zar Chi. "Mir ist es egal, wenn ich für Mutter Suu sterbe." 

"Ich habe meine Vorbehalte", sagte hingegen der 23-jährige Lehrer Hnin Wut Yee der Nachrichtenagentur AFP über die Hygieneregeln beim Abstimmungsprozess. Vor den Wahllokalen, in denen Maskenpflicht galt, bildeten sich lange Schlangen. Die Abstandsregelungen wurden nicht immer eingehalten.

Die Reputation von Suu Kyi ist in Myanmar ungebrochen hoch. Die Nobelpreisträgerin lebte während der Militärherrschaft in Myanmar 15 Jahre im Hausarrest. 2015 gewann ihre Partei dann die ersten freien Wahlen mit klarem Vorsprung. Suu Kyi wurde zur De-facto-Regierungschefin, der Einfluss des Militärs in dem südostasiatischen Land ist jedoch weiterhin groß. 

Die Hoffnungen in die heute 75-Jährige waren immens, sie sollte Myanmar in eine neue Ära der Freiheit führen. Doch das Bild der Freiheitskämpferin bekam schnell Risse: Seit 2017 überschattet die Rohingya-Krise das Land. 

Mehr als 800.000 Rohingya wurden nach koordinierten Attacken des Militärs aus dem mehrheitlich buddhistischen Myanmar vertrieben und flohen ins benachbarte Bangladesch. In den Flüchtlingslagern dort herrschen katastrophale Zustände. Alle 600.000 in Myanmar verbliebenen Rohingya haben keine Staatsbürgerschaft und dürfen daher nicht wählen.

sip/mkü