Der lange Abschied


Dienstag Aufsichtsratssitzung beim Traktorenhersteller Fendt in Deutschland, Mittwoch Gespräche mit dem EU-Kommissar für Landwirtschaft, Phil Hogan, in Belgien, Donnerstag Rückflug in die USA zum Konzernsitz von Agco im Bundesstaat Georgia, Freitag Aufbruch nach Highlands, einem Erholungsörtchen in der Nähe von Atlanta, zum Familientreffen. Samstag Geburtstagsparty.

Die Woche von Martin Richenhagen zeigt: Mit 65 Jahren lässt der Vorstandschef des Landwirtschaftsmaschinenherstellers nicht nach. Im Gegenteil. Wo andere sich zur Ruhe setzen, da dreht er noch einmal auf – erst vor kurzem verlängerte der Verwaltungsrat seinen Arbeitsvertrag bis Ende 2020. „Ich fühle mich viel jünger“, sagt Richenhagen.

Die Entscheidung ist verständlich. Seit März 2004 leitet Richenhagen das Unternehmen und mehr als verdreifachte in der Zeit den Börsenwert auf derzeit 5,3 Milliarden Dollar. Erst vor wenigen Wochen würdigte ihn das US-Wirtschaftsmagazin Fortune im Rahmen des „Am meisten verehrten CEO“ in den USA. Den Titel gewann Jeff Bezos von Amazon, aber Richenhagen schlug sich nicht schlecht, erhielt so viel Zuspruch wie Satya Natella von Microsoft, Indra Nooyi von Pepsi oder Fred Smith von Fedex.

In den kommenden fünf Jahren hat Richenhagen noch einiges vor. Der gebürtige Kölner will den Marktanteil in den USA verdoppeln, in dem neuen Geschäftsfeld von „Precision Farming“ – bei dem mit digitalen Mitteln Bauern genauer

und besser säen, düngen oder ernten können – die Nummer Eins werden und im kommenden Herbst die neue Mähdrescher-Modellserie „Ideal“ bei Fendt, Challenger und Massey Ferguson einführen.

Ein weiteres zentrales Projekt: Einen Nachfolger finden. Der oder die wird von Agco kommen: Er habe „sehr gute Kandidaten“, sagte Richenhagen. In Frage kommen drei bis vier Manager, von denen sich Zwei bislang als am fähigsten abzeichnen. Der Clou: „Sie alle wissen es nicht“.