Nach Landung letzten Air-Berlin-Fliegers übernimmt Easyjet Teil von Berlin-Geschäft

Nach der Landung des letzten Air-Berlin-Fliegers hat die britische Billig-Fluggesellschaft Easyjet die Übernahme noch verbliebener Teile der Pleite-Airline bekanntgegeben. Demnach will Easyjet Teile des Flugbetriebs von Berlin-Tegel weiterführen

Wenige Stunden nach der Landung des letzten Air-Berlin-Fliegers am späten Freitagabend hat die britische Billig-Fluggesellschaft Easyjet die Übernahme noch verbliebener Teile der Pleite-Airline bekanntgegeben. Demnach will Easyjet Teile des Geschäfts von Air Berlin am Flughafen Berlin-Tegel weiterführen. Experten erwarten dadurch einen dämpfenden Effekt auf die Flugpreise.

Easyjet teilte mit, die Einigung mit Air Berlin umfasse die Übernahme von 25 geleasten A-320-Flugzeugen sowie der Start- und Landerechte für Tegel. Dafür will die britische Gesellschaft Air Berlin 40 Millionen Euro zahlen. Zudem will Easyjet rund tausend Air-Berlin-Mitarbeitern neue Jobs anbieten. Ziel sei es, zum "führenden Kurzstreckenanbieter in Tegel" zu werden und von dort Flüge innerhalb Deutschlands sowie zu Zielen im europäischen Ausland anzubieten. Bislang bedient die britische Linie nur den Berliner Flughafen Schönefeld.

Die Teilübernahme müsse noch von den Regulierungsbehörden genehmigt werden, erklärte Easyjet. Im Winter solle zunächst ein begrenztes Flugangebot von Tegel aus betrieben werden, das im Sommer dann ausgeweitet werde. Zu Details, für welche Strecken es künftig Angebote geben soll, äußerte sich Easyjet auf Anfrage zunächst nicht.

Damit seien jetzt "sämtliche Bieterverhandlungen erfolgreich abgeschlossen", erklärte Air Berln. Insgesamt seien nun für etwa 80 Prozent der Air-Berlin-Mitarbeiter Anschlussbeschäftigungen gefunden worden. "Wir freuen uns sehr über das positive Verhandlungsergebnis mit Easyjet", erklärte der Generalbevollmächtigte für Air Berlin, Frank Kebekus. Von einem "großen Erfolg" sprach auch Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann.

Die Gewerkschaft Verdi begrüßte die Pläne von Easyjet. "Es ist eine gute Nachricht, dass nun auch Easyjet einen Teil der insolventen Air Berlin kauft, weil damit rund tausend Arbeitsplätze gesichert werden können", erklärte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle. Easyjet wolle offenbar bisherige Air-Berlin-Mitarbeiter nach beschleunigten Bewerbungsverfahren vorrangig einstellen. "Das gibt sehr vielen Beschäftigten von Air Berlin eine reelle Chance."

Um den Einstieg von Easyjet zu erleichtern, wird nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" durch die insolvente Air Berlin noch eine neue Tochtergesellschaft Air Berlin Aviation GmbH gegründet. Ziel sei es, "im Bieterverfahren mehr Flexibilität zu schaffen", hieß es demnach von Seiten von Air Berlin.

In der Nacht zu Samstag war der letzte Air-Berlin-Flug in Tegel gelandet. Die aus München kommende Maschine flog vor der Landung eine herzförmige Ehrenrunde über der Hauptstadt. Die bankrotte Airline stellte damit nach fast 40 Jahren den Betrieb ein. Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Große Teile des Unternehmens sollen von der Lufthansa übernommen werden.

Dies hatte Befürchtungen geweckt, wegen einer Monopolstellung der Lufthansa auf einigen Strecken könnten die Ticketpreise steigen. "Dass Easyjet jetzt insbesondere am Standort Berlin-Tegel Jets und Personal übernimmt, ist zumindest für die Berlin-Strecken sicher gut", sagte nun der frühere Präsident der Monopolkommission, Justus Haucap, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Lufthansa-Chef Carsten Spohr bemühte sich, Bedenken wegen drohender Preissteigerungen entgegenzutreten. Der langjährige Trend zu sinkenden Ticketpreisen "wird sich sicher nicht umkehren", sagte er der "Bild am Sonntag".