Lando Norris erklärt: Warum die Ingenieure die Fahrer "fernsteuern"

Norman Fischer
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"Szenario 7. Szenario 7. G3, G3. Einmal Überholknopf drücken. Szenario 8. Drücke und halte den Überholknopf jetzt. 5 Sekunden." - Die letzten beiden Runden von Lando Norris beim Saisonauftakt in Spielberg waren ein meisterhaftes Beispiel an Zusammenspiel zwischen Fahrer und Renningenieur, das letzten Endes in Platz drei mündete.

Es zeigt aber auch genau das, was viele kritisieren: Die Formel-1-Fahrer scheinen häufig von außen ferngesteuert zu werden und müssen nur das machen, was die Daten ihnen vorgeben. Auch Norris selbst würde sich lieber darauf konzentrieren, das Auto am Limit zu bewegen. Doch er weiß: Das ist in der heutigen Formel 1 einfach nicht möglich.

"Es gibt Dinge, die wir als Fahrer lieber nicht machen würden. Wir wollen nicht jedes Mal die Schalter am Lenkrad betätigen. Wir wollen nicht immer zwischen den Einstellungen herumwechseln", sagt der Brite gegenüber 'auto motor und sport'. Doch weil die Autos mittlerweile so kompliziert sind, brauche es ab und zu eben Anweisungen von den Ingenieuren. "Das ist nicht unsere Schuld."

"Machen sowieso schon 99,9 Prozent"

Doch während solche Hinweise nützlich sind, gibt es für andere Anweisungen durchaus Kritik. Etwa wenn den Piloten gesagt wird, wann sie pushen sollen und wann sie etwa Reifen schonen und Sprit sparen sollen. Das allerdings, betont Norris, sei im Grunde meist nur eine Wiederholung dessen, was der Fahrer ohnehin schon macht.

"Wir verbringen vor jedem Rennen Stunden mit den Ingenieuren, um ein Rennen zu planen. Wir haben also einen Plan im Kopf und wissen, was wir wann machen müssen - in welchem Rennteil, in welcher Runde", sagt er. "Wir machen bereits 99,9 Prozent von dem selbst, was uns die Ingenieure sagen."

Daran schließt sich aber ein weiterer häufiger Kritikpunkt an: Die Formel-1-Piloten fahren zu selten am Limit und sind zu häufig im Schongang unterwegs. Da ist etwas dran, findet der McLaren-Pilot. "Um heute in der Formel 1 zu gewinnen, reicht es nicht, schnell zu fahren", weiß er.

Aktuell häufig "Fake-Racing"

"Viele Fahrer wollen Gas geben, sich auf das Fahren konzentrieren. Wir wollen nicht die Vorderreifen schonen oder die Hinterreifen. Weil wir das in vielen anderen Kategorien nicht machen mussten. Und dort macht es Spaß zu fahren und zuzuschauen", sagt er. In der Formel 4 oder der Formel 3 etwa können die Fahrer das ganze Rennen über Vollgas geben.

Das würde Norris gerne in der Formel 1 ändern, doch dafür brauche es Fahrzeuge, die einander wieder besser folgen können. Fährt man derzeit hinter einem anderen Fahrzeug her, zerstört man sich im Grund die Reifen. "Das ruiniert das Racing", findet er.

Die daraus folgenden Überholmanöver würden dann nur zustande kommen, weil bei einigen Fahrern die Reifen einbrechen. "Aber das ist Fake-Racing", hadert er. "Wir wollen 100 Prozent geben, und dann gegeneinander fahren. Und nicht das Auto oder die Reifen auf eine bestimmte Art fahren, und dann kämpfen."

Das neue Reglement ab 2022 soll sich dieser Thematik annehmen.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.