Land unter in Monza: Vettel droht Heim-Debakel

Sebastian Vettel fuhr im Qualifying von Monza nur hinterher

Nicht was Sebastian Vettel nach dem Qualifying zum Großen Preis von Italien (ab 14 Uhr im LIVETICKER auf SPORT1) sagte, sondern wie er es tat, sprach Bände.

"Ich weiß nicht, woran es gelegen hat. Wenn ich es wüsste, würde ich es sagen. Anscheinend hat ein bisschen Speed gefehlt. Mit dem Ergebnis bin ich nicht zufrieden, das ist auch keine Überraschung", diktierte der WM-Führende den Journalisten einsilbig und angefressen in die Blöcke.

Eine Strategie für das Rennen am Sonntag gebe es noch nicht. "Wir haben jetzt über Nacht ja noch etwas Zeit, uns das anzuschauen", sagte der viermalige Weltmeister genervt.

Marko: "Hätte Ferrari stärker erwartet"

Die größte Qualifying-Schlappe der Saison nagte gewaltig am 30-Jährigen. Ausgerechnet bei Ferraris Heimspiel auf der Highspeed-Strecke in Monza bricht das große Rätselraten, fast schon Panik aus. Die Roten fahren hinterher - und wissen nicht einmal, wieso.

Nicht nur die Italiener wirkten ratlos, sondern sogar die Konkurrenz. "Ferrari ist unerwartet weit hinten. Ich hatte eigentlich erwartet, dass sie im Regen stärker sind. Aber so wird morgen auf der Strecke eben einiges geboten sein", mutmaßte Red Bulls Motorsport-Chef Helmut Marko und streute damit noch Salz in Vettels Wunde.

Nicht nur, dass Vettels größter WM-Konkurrent Lewis Hamilton bei der Hängepartie im italienischen Regen seine aktuelle Dominanz mit Leichtigkeit unter Beweis stellte, den Deutschen um sage und schreibe 2,5 Sekunden distanzierte und mit der 69. Pole Position seiner Karriere Michael Schumachers Bestmarke knackte.


Youngster deklassieren Vettel

Auch die Youngster der Szene führten den Ferrari-Piloten bei schwierigsten äußeren Bedingungen regelrecht vor. Der 19-jährige Max Verstappen raste unbeschwert über die klitschnasse Strecke, lag bis zu Hamiltons letzter Runde auf Pole-Kurs, nur um später lapidar festzustellen: "Am Anfang bin ich viel rum gerutscht. Mit dem zweiten Platz bin ich aber sehr glücklich."

Noch ein Jahr jünger als der Niederländer ist Williams-Pilot Lance Stroll. Und auch der tanzte dem WM-Führenden Vettel in der Regenschlacht in Monza auf der Nase herum.

Mehr als eine Sekunde Vorsprung fuhr der kanadische Teenager in Q3 auf den Deutschen heraus, landete am Ende auf Platz vier und wird beim Rennen am Sonntag aufgrund der Strafversetzungen der beiden Red-Bull-Piloten sogar neben Hamilton aus der ersten Reihe starten.

"Lance hat einen phantastischen Job gemacht. Wir sind alle freudig von ihm überrascht. Er hat diesen Test seiner Fähigkeiten mit Bravour bestanden. Mit 18 Jahren neben Lewis Hamilton aus der ersten Startreihe zu starten, das ist unglaublich für ihn", konnte Paddy Lowe, der technische Direktor bei Williams, das Glück von Stroll und seinem Rennstall kaum fassen.

Wettervorhersage macht Vettel Hoffnung

Und mit Esteban Ocon von Force India stahl sogar noch ein drittes Super-Talent Vettel bei Ferraris Heim-GP die Show. Der 20-jährige Franzose steuerte seinen Mittelklasse-Boliden durch den Dauerregen auf Platz fünf, vor Hamiltons Edelhelfer Valtteri Bottas und dem Ferrari-Duo.

Dass der Ferrari im Regen nur bedingt konkurrenzfähig ist, hat Vettel nun schmerzhaft erfahren müssen. Die Wettervorhersage für Sonntag macht der Scuderia aber zumindest ein wenig Hoffnung.

Am Sonntag werden in der Lombardei trockene Verhältnisse und milde Temperaturen bis zu 25 Grad erwartet. Deshalb, und weil sich der 30-Jährige seiner außergewöhnlichen Racing-Qualitäten durchaus bewusst ist, gibt sich Vettel auch trotz der Blamage im Qualifying kämpferisch:

"Wir haben ein gutes Auto, von daher müssen wir keine Angst haben. Morgen können wir viel Boden gutmachen. Wir wissen, dass das Auto schnell ist, und man kann hier gut überholen. Es sollte ein spaßiges Rennen werden."