Politiker sorgen sich angesichts steigender Corona-Zahlen um Kinder und Jugendliche

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Schüler in einer Schule in Bonn

Angesichts erneut steigender Corona-Infektionszahlen sorgen sich viele Politiker um die Sicherheit von Kindern und Jugendlichen. Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht (SPD) plädierte in der "Welt am Sonntag" für die Beibehaltung der Maskenpflicht an den Schulen. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) wandte sich gegen erneute Schulschließungen. Politiker mehrerer Parteien mahnten derweil generell eine Rückkehr zur Normalität an.

"Stundenlanges Maskentragen in den Klassenräumen ist sehr belastend, aber noch notwendig, um einen sicheren Schulbetrieb zu gewährleisten", sagte Lambrecht. Ein sicherer Regelbetrieb an den Schulen habe oberste Priorität. Gerade Kinder in schwierigen Lebensverhältnissen hätten durch den Distanzunterricht viele Nachteile erlitten. "Präsenzunterricht für alle Kinder ist deshalb besonders wichtig und hilft, entstandene Defizite aufzuholen, damit die Schere nicht noch weiter auseinandergeht", sagte Lambrecht, die auch Justizministerin ist.

Schäuble sprach sich in der "Bild am Sonntag" dafür aus, die gesellschaftlichen Folgeschäden von Schulschließungen stärker zu beachten. "Kitas, Schulen und Unis zu schließen, ist alles andere als harmlos", sagte der Bundestagspräsident. "Die Einschränkungen für die Kinder und Jugendlichen sind massiv."

"Man sollte Jüngere impfen, wenn sie es wollen", sagte Schäuble. "Wenn wir es durch Impfungen der 12- bis 17-Jährigen schaffen, dass wir Einschränkungen im Schulbetrieb vermeiden, dann ist das ein gewichtiges Argument." Bevor es zu Schließungen komme, sollten in geschlossenen Räumen weiter Masken getragen werden. "Für mich wäre es entsetzlich, wenn wir wieder zu einem Lockdown kämen, der die Jüngsten trifft."

SPD-Chefin Saskia Esken mahnte in den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Wir dürfen nicht noch mehr Zeit verlieren in dem Irrglauben, Kinder und Jugendliche seien nicht gefährdet." Durch den fehlenden Impfschutz seien die Infektionszahlen bei Kindern und Jugendlichen doppelt so hoch wie in der Altersgruppe der über 50-Jährigen.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt warnte in den Funke-Zeitungen: "Wir laufen mit Ansage in einen zweiten Corona-Herbst, und wieder unternimmt die Bundesregierung viel zu wenig, um Kitas und Schulen zu sichern." Sie forderte einen "Kita- und Schulgipfel" von Bund, Ländern und Fachleuten.

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) machte sich grundsätzlich für Lockerungen der Einschränkungen stark, wenn der Impffortschritt dies zulässt. "Verfassungsrechtlich dürfen wir erhebliche Grundrechtseingriffe nur so lange vornehmen, wie dies erforderlich ist, um unser Gesundheitssystem vor Überforderung zu schützen", sagte Hans der "Welt am Sonntag". Wenn alle ein Impfangebot erhalten hätten und die Vakzine vor schweren Verläufen schützten, müssten die Maßnahmen schrittweise zurückgenommen werden.

FDP-Chef Christian Lindner sagte dem Blatt, eine "Normalisierung des gesellschaftlichen Lebens" sei "verantwortbar und geboten". Es sei völlig richtig, die Maskenpflicht weitgehend aufzuheben und nur in den wirklich sensiblen Bereichen aufrechtzuerhalten, wie den Bussen und Bahnen.

Zur Vorsicht mahnte hingegen Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU): "Zunächst sollten wir zumindest drei Monate abwarten, denn dann wissen wir besser, welche Auswirkungen die Delta-Variante und die Reiserückkehrer haben."

jp/cax

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