Deutschland will Polen mit Patriot-Abwehrsystem unterstützen

Deutschland will Polen nach dem Raketeneinschlag an der Grenze zur Ukraine mit dem Raketenabwehrsystem des Typs Patriot unterstützen. "Polen ist unser Freund, Verbündeter und als Nachbar der Ukraine besonders exponiert", erklärte Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) am Montag in Berlin. Sie sei mit ihrem polnischen Kollegen Mariusz Blaszczak übereingekommen, "Patriot-Flugabwehrsysteme nach Polen zu schicken und bei der Absicherung des polnischen Luftraums mit Eurofightern zu unterstützen".

Die Details würden nun von den Fachleuten gemeinsam ausgearbeitet, erklärte Lambrecht nach einem Gespräch mit Blaszczak. Der polnische Verteidigungsminister zeigte sich erfreut über die Vereinbarung und schlug vor, das Abwehrsystem an der Grenze zur Ukraine zu stationieren. "Ich begrüße das Angebot der deutschen Verteidigungsministerin", schrieb Blaszczak im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Das Patriot-Raketensystem dient der Abwehr von Flugzeugen, ballistischen Raketen und Marschflugkörpern. Es basiert auf einem Zusammenspiel mehrerer Radargeräte, die Informationen über herannahende Flugkörper an Lenkflugkörper weitergeben; diese sollen das Geschoss dann in der Luft zerstören.

Lambrecht forderte in der "Rheinischen Post" und dem Bonner "General-Anzeiger" vom Montag mit Blick auf den Raketeneinschlag vom 15. November, die Luftverteidigung in der Nato besser aufzustellen. Der Einschlag auf der polnischen Seite der Grenze zur Ukraine war nach Auffassung der Nato und Polens wahrscheinlich durch eine ukrainische Flugabwehrrakete verursacht worden.

Eine Stärkung der Luftverteidigung sei "besonders mit Blick auf die Nato-Partner wie Polen, die Slowakei und die baltischen Staaten, die direkt an Russland und die Ukraine angrenzen", erforderlich, sagte Lambrecht den Zeitungen. Zugleich gelte: "Es ist unsere oberste Verantwortung, dass die Nato keine Kriegspartei wird. Dafür müssen wir allzeit kühlen Kopf bewahren."

Bereits in der vergangenen Woche hatte das Verteidigungsministerium der polnischen Regierung angeboten, den Schutz des Luftraums mit Patrouillenflügen deutscher Eurofighter-Flugzeuge zu unterstützen. Mit den Eurofightern und mit Patriot-Luftverteidigungssystemen unterstützt Deutschland bereits die Slowakei. "Die Präsenz dort wollen wir bis Ende 2023 verlängern, eventuell sogar noch darüber hinaus", sagte Lambrecht.

Die Ministerin betonte in dem Interview, dass sich Deutschland grundsätzlich für einen möglichen Angriff von außen wappnen müsse. "Wir müssen vorbereitet sein, Deutschland und das Bündnisgebiet zu verteidigen", sagte sie. Die Bundeswehr könne als Nato-Partnerin die Landesverteidigung im Ernstfall sicherstellen. Sie sei eine Bündnisarmee: "Sie würde Deutschland nie ganz allein verteidigen müssen, sondern hätte immer unsere Alliierten an ihrer Seite."

Lambrecht betonte zugleich: "Wir können und müssen besser werden in allen Bereichen. Insbesondere bei der Luftverteidigung. Da bestehen Lücken in Europa." Sie sei sehr froh über das 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen für die Bundeswehr, mit dem Gerät gekauft und Projekte umgesetzt werden könnten. Sie mahnte zugleich: "Die 100 Milliarden Euro alleine werden es nicht richten."

cha/lan