Lambrecht: Deutschland gibt sieben Panzerhaubitzen 2000 an Ukraine ab

Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (AFP/Armend NIMANI) (Armend NIMANI)

Deutschland will sieben Panzerhaubitzen 2000 an die Ukraine abgeben. Das kündigte Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) am Freitag während ihres Besuchs in der Slowakei an. Die Ausbildung ukrainischer Soldaten dafür soll nächste Woche in Deutschland beginnen.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums handelt es sich nicht um Geschütze, die derzeit in der Bundeswehr der aktiven Truppe zur Verfügung stehen, sondern um Haubitzen, die derzeit in der Heeresinstandsetzung repariert werden. Sie sollen eine bereits angekündigte Lieferung der Niederlande von fünf Panzerhaubitzen 2000 an die Ukraine ergänzen.

Einen genauen Termin für die Lieferungen aus Deutschland nannte das Bundesverteidigungsministerium zunächst nicht. "Sobald die Instandsetzung abgeschlossen ist, können sie abgegeben werden", sagte ein Sprecher lediglich.

Er wies darauf hin, dass eigentlich auch die Bundeswehr selbst die Geschütze für die Landes- und Bündnisverteidigung dringend benötige. Gleichzeitig solle aber die Ukraine "so wirkungsvoll wie möglich" unterstützt werden, da gelte es "eine entsprechende Balance zu wahren". Mittelfristig solle die Bundeswehr für die Lieferungen einen Ersatz erhalten.

Es gehe um weitere "Solidarität gegenüber der Ukraine, die diesen brutalen Angriffskrieg zu erleiden hat", sagte Lambrecht auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem slowakischen Verteidigungsminister Jaroslav Nad und ihrer niederländischen Kollegin Kajsa Ollongren. Daher wolle Deutschland gemeinsam mit den Niederlanden dazu beitragen, "dass sie mit Panzerhaubitzen 2000 in Zukunft kämpfen kann".

Die Ausbildung ukrainischer Soldaten soll laut Verteidigungsministerium in der Bundeswehr-Artillerieschule Idar-Oberstein erfolgen. Sie solle mit Rücksicht auf die Lage in der Ukraine "möglichst zügig" ablaufen, sagte der Ministeriumssprecher in Berlin. Normalerweise dauere eine solche Ausbildung 40 Tage, bei entsprechenden Vorkenntnissen seien aber Verkürzungen möglich.

Die "Bild"-Zeitung hatte am Donnerstag berichtet, die in der Instandsetzung befindlichen deutschen Haubitzen sollten bis Ende Juni einsatzbereit sein. Die Bundeswehr verfügt über insgesamt rund hundert Haubitzen 2000, von denen allerdings nur 40 derzeit einsatzbereit seien.

Lambrecht bekräftigte bei ihrem Besuch in der Slowakei darüber hinaus auch die Bereitschaft zu einem sogenannten Ringtausch. Dabei würden osteuropäische Staaten etwa Kampfpanzer sowjetischer Bauart liefern, die dem ukrainischen Militär vertraut sind und Deutschland im Gegenzug die Streitkräfte der liefernden Staaten seinerseits mit entsprechenden Waffenlieferungen unterstützen. Deutschland sei "mit sehr vielen Verbündeten im Gespräch, was wir noch liefern können", sagte Lambrecht.

In Zusammenarbeit mit der Slowakei wurde dieses Verfahren bereits angewandt. Das Land hat der Ukraine S300-Flugabwehrsysteme geliefert, dafür wurde eine Patriot-Einheit der Bundeswehr in die Slowakei entsandt, um dort die Luftverteidigung sicherzustellen. Auch die Niederlande erklärten sich bereit, ein Patriot-Luftabwehrsystem an die Slowakei abzugeben.

Der slowakische Verteidigungsminister Jaroslav Nad dankte Lambrecht und Ollongren für ihre "hervorragende Unterstützung bei der Erhöhung unserer Verteidigungsfähigkeit" durch die Verlegung der Patriot-Raketen.

Der Grünen-Europapolitiker Anton Hofreiter begrüßte die Entscheidung der Bundesregierung zur Lieferung der Panzerhaubitzen. Zusätzlich solle Deutschland aber "auch Leopard 1-Panzer und Marder liefern und einen Ringtausch mit Tschechien und Polen organisieren", sagte er dem TV-Sender "Welt". Zudem sollten Anträge der Industrie für direkte Lieferungen "von Leopard 1 und Marder schnell genehmigt werden".

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) rief allerdings dazu auf, die Hilfe für die Ukraine nicht auf das Thema Waffenlieferungen zu verengen. "Die Waffenlieferungen sind wichtig, aber keineswegs alles“, sagte Faeser im Interview der Frankfurter Rundschau (Samstagsausgabe). Sie warnte davor, "heißspornig" zu sein. "Es geht nicht darum, sich gegenseitig zu überbieten, sondern darum, das Richtige zu tun."

jp/cne

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