Der Lambo für die ganze Familie

„Everything is going to be alright“, steht in Neonröhren auf der Außenwand des einstöckigen Backsteingebäudes an der Woodward Avenue in Detroit. Es ist das Museum für zeitgenössische Kunst, und der Satz klingt, als wollte er hartgesottene Sportwagenfans besänftigen. Sie bekommen an diesem verschneiten Abend ein ganz ungewohntes Produkt aus dem Hause des italienischen Autoherstellers zu sehen: ein SUV mit dem wilden Stier aus Sant’Agata bei Bologna.

Rechts und links der Bühne warten, von halb durchsichtigen Vorhängen versteckt, gleich zwei Modelle des „Urus“ auf ihre Enthüllung. Die rhythmische Musik steigert sich, blitzartige Lichter durchzucken den Raum, der Vorhang verschwindet. „Was vor einem Jahr noch unmöglich schien, haben wir möglich gemacht“, jubelt Stefano Domenicali,Vorstandsvorsitzender von Lamborghini.

„Zum ersten Mal können die ganze Familie und Freunde den Lamborghini fahren“, freut sich der Italiener, der seit knapp zwei Jahren die VW-Tochter führt. Ähnlich wie Porsche vor fast zwei Jahrzehnten mit dem Cayenne in das SUV-Segment vorstieß, wagt nun auch Lamborghini den Schritt vom Zweisitzer zur Familienkutsche. Im Kofferraum ist Platz für drei Golftaschen – ein Frevel für so manchen harten Lamborghinifan.


„In der Innenstadt ist der Urus supercool. Auf dem Gelände leistungsstark wie man es von Lamborghini gewohnt ist“, wirbt Domenicali für das neue Auto. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 304 Stundenkilometern und einer Beschleunigung von 0 auf 100 in 3,6 Sekunden freuen sich die Italiener über das schnellste SUV der Welt.

Dass Lamborghini zum Volkswagen-Konzern gehört, davon ist hier in Detroit nichts zu sehen. Die geweißten Backsteinwände sind in den Farben der italienischen Flagge grün, weiß und rot bestrahlt. Zu essen gibt es Fusilli mit Pesto, Lasagne und Rucola-Ravioli. „Wir sind stolz, ein italienisches Unternehmen zu sein“, sagt der Lamborghini-CEO und schenkt der Konsulin in Detroit einen neuen Urus. „Ein Lamborghini, der zum ersten Mal auch Frauen ansprechen wird.“

Dass Lamborghini den hochgelegten Geländesportler in Detroit vorstellt, ist kein Zufall. Der US-Markt mache schon heute 33 Prozent des Umsatzes aus, erklärt Domenicali, „und die SUVs boomen hier.“ Doch eins macht er klar: Auch wenn sich Lamborghini mit einem SUV einem breiteren Markt öffnet, so soll das Auto, das ab 200.000 Euro zu haben ist, ein Luxus bleiben. „Wir werden immer weniger als die Nachfrage produzieren“, stellt der Vorstandsvorsitzende am Rande der Veranstaltung klar.

Für knallharte Supersportwagen-Fans dürfte es dennoch ein Schock sein. Für die legt der DJ des Abends einen Diana-Ross-Song auf: „Upside down“.