"Lady Bird": Greta Gerwigs meisterliches Regiedebüt

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"Lady Bird": Greta Gerwigs meisterliches Regiedebüt

Das Regiedebüt von Greta Gerwig hat in der vergangenen Award-Season reichlich Staub aufgewirbelt und wurde mit viel Lob überschüttet. "Lady Bird" sollte wirklich niemand verpassen.

"Lady Bird" heißt das Regiedebüt von Schauspielerin Greta Gerwig (34, "Frances Ha"), das ab dem 19. April 2018 in den deutschen Kinos zu sehen ist. In der Hauptrolle brilliert Saoirse Ronan (24, "Brooklyn - Eine Liebe zwischen zwei Welten"), die für ihre Performance einen Golden Globe abstauben konnte und sogar für den Oscar nominiert wurde. Selten sorgt eine Coming-of-Age-Story für so viel Wirbel, noch dazu, wenn es sich dabei um einen Independent-Film handelt. Doch dieser kleine Streifen hat zu Recht die Herzen der Kritiker und Zuschauer erobert.

Das letzte Schuljahr

Der Alltag von Christine "Lady Bird" McPherson (Saoirse Ronan) im kalifornischen Sacramento besteht aus Highschool-Routine, Familientrouble und ersten ernüchternden Erfahrungen mit Jungs. Kein Wunder also, dass die 17-Jährige davon träumt, flügge zu werden. Im echten Leben rebelliert sie mit Leidenschaft und Dickköpfigkeit gegen die Enge in ihrem Elternhaus. Doch allzu leicht macht ihre Mutter Marion (Laurie Metcalf) dem eigenwilligen Teenager die Abnabelung nicht, und so ziehen beide zwischen Wut, Trotz und Resignation immer wieder sämtliche Gefühlsregister.

Spektakulär unspektakulär

Greta Gerwig schafft es in "Lady Bird" absolut realitätsnah, das Erwachsenwerden darzustellen. Die Schauspielerin setzt in ihrem Regiedebüt auf eine unaufgeregte Kameraführung. Zudem spiegelt der Plot ein klassisches letztes Schuljahr wider und handelt von alltagstauglichen Problemen, mit denen sich Teenager kurz vor dem Schulabschluss konfrontiert sehen. Die Darsteller glänzen durch ein eindringliches Spiel, das weder durch Spezialeffekte noch durch störende Musik beeinträchtigt wird. So entsteht ein rundum harmonisches Gesamtbild.

Saoirse Ronan erlebt dabei alle Emotionen eines Teenagers, durch die sich wohl so ziemlich jeder in seine eigene Jugend zurückversetzt fühlen dürfte. Da wären die Aufregung der ersten Gefühle für Jungs, der Herzschmerz der ersten Liebe, die Verwirrung um die Zukunft, die klassischen Auseinandersetzungen mit den Eltern oder auch der Alltag sowie die Rangeleien mit den Freunden. Wer ist ein echter Freund? Wem sollte man vertrauen? Wem kann man sein Herz schenken? Und ist es wirklich so leicht und befreiend, sich von zu Hause abzunabeln?

In "Roseanne"-Star Laurie Metcalf (62) als Mama Marion McPherson hat Ronan eine grandiose Szenenpartnerin. Auch sie wurde für einen Oscar nominiert. Die beiden gehen sich verbal an die Gurgel und es macht richtig Spaß ihnen dabei zuzusehen. Ebenso stark besetzt ist die Rolle von Julie Steffans, die Beanie Feldstein (24) verkörpert. Die kleine Schwester von Jonah Hill (34, "21 Jump Street") wird nach diesem Film jeder als beste Freundin haben wollen. Hollywoods heißester Newcomer Timothée Chalamet (22) hat eine Nebenrolle inne - doch im Gegensatz zu "Call Me by Your Name" zeigt er hier eine wenig romantische Seite, dafür aber seine Wandelbarkeit.

Fazit

Geradezu herrlich unspektakulär setzt Greta Gerwig "Lady Bird" in Szene, was ihrem Regiedebüt jede Menge Charme verleiht. Selten trifft ein Film übers Erwachsenwerden den Nagel so dermaßen auf den Kopf. Der Golden Globe als "Bester Film - Komödie oder Musical" war mehr als gerechtfertigt. "Lady Bird" ist ein kleines Meisterwerk.

Foto(s): Merie Wallace, courtesy of A24 / Universal Pictures International, Merie Wallace, courtesy of A24 / Universal Pictures International, Merie Wallace, courtesy of A24 / Universal Pictures International, Merie Wallace, courtesy of A24 / Universal Pictures International