Ladepunkte am Arbeitsplatz und bis zu 370 Euro "geschenkt": Das ändert sich 2022 für die Fahrer von E-Autos

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Auch das Unternehmen Ionity, an dem VW, Daimler und BMW beteiligt sind, baut 2022 mehr Ladesäulen.
Auch das Unternehmen Ionity, an dem VW, Daimler und BMW beteiligt sind, baut 2022 mehr Ladesäulen.

Die vergangenen Monate unterstreichen hierzulande den Durchbruch der E-Mobilität, was man vor allem an den Zulassungszahlen sieht. Während sich E-Autos in den vorherigen Jahren nur in vergleichsweise homöopathischen Dosen verkauft haben, wurden allein 2021 rund 350.000 batterieelektrisch angetriebene Autos an die Kundschaft hierzulande ausgeliefert.

Dies wäre eine Steigerung von 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit liegt die Bundesrepublik bei den weltweiten Zulassungszahlen reiner E-Autos mittlerweile hinter China und den USA auf Platz drei. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des in Bergisch Gladbach ansässigen "Center of Automotive Management" (CAM).

Die Innovationsprämie wird verlängert

Im kommenden Jahr dürften noch deutlich mehr Autofahrer den Umstieg wagen. Das Institut geht für 2022 von 450.000 rein elektrischen Neuzulassungen aus. Und dies liegt nicht nur an dem immer größer werdenden Modellangebot, sondern allem voran an der Verlängerung der staatlichen sogenannten bInnovationsprämie.

Robert Habeck, der neue Wirtschaftsminister der Grünen, hat bekannt gegeben, dass reine E-Autos bis mindestens Ende 2022 mit Steuergeldern gefördert werden sollen. Ursprünglich war die Umweltprämie bis zum 31. Dezember 2021 befristet. 2023 soll das Förderprogramm jedoch auf den Prüfstand kommen.

Höhere Hürden für Plug-in-Hybride

Auch der Kauf von Plug-in-Hybriden wird weiterhin mit bis zu 6750 Euro bezuschusst, allerdings ist die neue Ampel-Regierung den Autos mit den zwei Herzen gegenüber bei weitem nicht so freundlich eingestellt, wie die große Koalition. Die aufladbaren Hybride waren in Verruf geraten, weil viele Besitzer nur sehr selten elektrisch unterwegs sind. So kommen sie zwar in den Genuss der steuerlichen Vorteile. Wenn es aber um die Emissionen geht, ist so niemandem geholfen.

Deshalb hat die neue Regierung die für die Förderung nötigen Voraussetzungen etwas heraufgeschraubt. Zukünftig bekommen Käufer eines Plug-in-Hybrids nur noch Geld vom Staat, wenn das Fahrzeug über eine rein elektrische Reichweite von mindestens 60 Kilometern verfügt und pro Kilometer höchstens 50 Gramm CO2 emittiert. Bisher mussten die Autos mit einer Batterieladung lediglich 40 Kilometer schaffen.

Mit der THG-Quote springen bis zu 370 Euro raus

Bei den reinen E-Autos gibt es ebenfalls eine wichtige Neuerung. Sie werden auch in den kommenden zwölf Monaten mit bis zu 9750 Euro aus dem Steuertopf bezuschusst, die Eigentümer batteriebetriebener Fahrzeuge können mit ihren Autos zukünftig aber sogar Geld verdienen.

Im Rahmen der "Treibhausgasminderungsquote" (THG-Quote) können sie das mit ihren lokal emissionslosen PKW eingesparte CO2 neuerdings über private Anbieter an Mineralölkonzerne verkaufen. Diese müssen ihren Ausstoß in den kommenden Jahren deutlich senken und setzen dabei auch verstärkt auf diese Art des Emissionshandels.

Die Autoeigentümer müssen den Anbietern nur ihre Kontaktdaten sowie ein Foto des Fahrzeugscheins übermitteln. Diese registrieren das Auto anschließend beim Bundesumweltamt und verkaufen die CO2-Einsparungen der angemeldeten Fahrzeuge gebündelt an einschlägige Konzerne wie Shell oder BP. Für die Fahrer eines Elektroautos springen so jährlich, je nach Anbieter, zwischen 250 und 370 Euro raus. Die Prämie soll sich bis 2030 jährlich erhöht werden.

Der Staat möchte die Tankstellenbetreiber mit dieser Quote auch dazu bewegen, mehr Ladesäulen für E-Autos anstatt Zapfsäulen aufzustellen. Dies ist auch bitter nötig, Deutschland hängt bei der Ladeinfrastruktur nämlich immer noch hinterher. 2020 kamen hierzulande auf eine öffentliche Ladesäule statistisch 9,2 E-Autos. Mit diesem Verhältnis lag die Bundesrepublik im vergangenen Jahr auf Platz drei einer internationalen Rangliste, die von dem Beratungsunternehmen Berylls herausgegeben wurde.

Arbeitgeber sollen ihrer Belegschaft Ladepunkte bieten

2021 ist Deutschland um eine Platzierung abgerutscht. Mittlerweile kommen auf einen Ladepunkt nämlich 11,2 E-Fahrzeuge. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur kommt nicht mit dem rasanten Anstieg der Neuzulassungen mit. Um zu verhindern, dass den frisch umgestiegenen Elektroautofahrern auf dem Heimweg von der Arbeit der Saft ausgeht, hat das Bundesverkehrsministerium noch unter der Führung von Andreas Scheuer mit der Förderung einer gewerblichen Ladeinfrastruktur begonnen.

So soll den Arbeitgebern ein Anreiz gegeben werden, den Mitarbeitern eine Lademöglichkeit für ihre E-Autos zur Verfügung zu stellen. Diese soll eine Ladeleistung von bis zu 22 Kilowatt bieten. Seit dem 23. November können die Anträge für die Förderung gestellt werden. Das Ministerium bezuschusst den Ausbau mit 70 Prozent der förderfähigen Ausgaben, pro Ladepunkt sind es wie bei Wallboxen höchstens 900 Euro. Die Fördertöpfe für die heimischen Ladepunkte sind derzeit ausgeschöpft, dürften 2022 aber wieder gefüllt werden. Für Ende nächsten Jahres wird deutschlandweit mit 78.651 öffentlich zugänglichen Ladepunkten gerechnet.

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