Labour-Chef Corbyn erklärt Bereitschaft zu Regierungsübernahme in London

Corbyn bei seiner Schlussrede auf dem Labour-Parteitag

Der Vorsitzende der britischen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, hat der konservativen Regierung von Premierministerin Theresa May den Kampf angesagt. In seiner Rede zum Abschluss des Parteitags am Mittwoch in Brighton sagte der Oppositionschef, Labour sei bereit, die Regierung zu übernehmen und eine "neue fortschrittliche Verbindung zu Europa aufzubauen".

Corbyn kündigte an, dass Labour gegen soziale Ungleichheit vorgehen, das System der öffentlichen Gesundheitsfürsorge konsolidieren und sich der Herausforderung der Vollautomatisierung in der Arbeitswelt stellen wolle.

Heftige Kritik übte Corbyn an Mays Politik zum Ausstieg aus der Europäischen Union. Die Tories handelten in ihrem eigenen Interesse anstatt das "bestmögliche Abkommen" für das Vereinigte Königreich zu erzielen. Niemals sei dem "nationalen Interesse" in einer derartig wichtigen Frage so schlecht gedient worden.

Das Durcheinander der Konservativen beim Brexit sei allein Grund genug für ihren Abtritt, fügte Corbyn hinzu. Seine eigene Partei ist allerdings über den Brexit ebenfalls zerstritten. Der Parteitag beschloss, einen der Streitpunkte gar nicht erst zu behandeln: Die Frage, ob Großbritannien nach dem Ausscheiden aus der EU weiterhin Zugang zum Europäischen Binnenmarkt haben soll oder nicht.

Premierministerin May steht unter Druck, seit sie bei einer von ihr einberufenen Neuwahl des Parlaments am 8. Juni die absolute Mehrheit verloren hat. Sie stützt ihre Minderheitsregierung seitdem auf die zehn Abgeordneten der erzkonservativen nordirischen Democratic Unionist Party (DUP).

Labour hatte bei der Wahl 30 Parlamentssitze hinzugewonnen. Der innerparteilich vom rechten Flügel um den ehemaligen Premierminister Tony Blair angefeindete Corbyn konnte dadurch seine Position festigen.