Labour-Abgeordneter wegen mutmaßlicher sexueller Belästigung suspendiert

Die Belästigungsvorwürfe gegen britische Politiker haben weitere Konsequenzen: Ein Abgeordneter der Labour-Partei wurde suspendiert, nachdem er eine junge Aktivistin bei einer Veranstaltung im Jahr 2014 sexuell belästigt haben soll

Die Belästigungsvorwürfe gegen britische Politiker haben weitere Konsequenzen: Die Labour-Partei suspendierte einen ihrer Abgeordneten, weil er eine junge Frau bei einer Veranstaltung im Jahr 2014 sexuell belästigt haben soll. Die 27-jährige Ava Etemadzadeh sagte der Zeitung "The Daily Telegraph", Kelvin Hopkins habe damals beim Verabschieden seinen Intimbereich gegen sie gepresst. Premierministerin Theresa May gab am Freitag einen neuen Verhaltenskodex zum Umgang mit derartigen Vorfällen heraus.

Nach der Parteiveranstaltung habe der heute 76-Jährige ihr außerdem unangemessene SMS-Nachrichten geschickt, sagte Etemadzadeh dem "Daily Telegraph". Darin habe er ihr Komplimente gemacht und hinzugeschrieben: "Wenn ich nur jung wäre!" Eine Beschwerde bei der Partei habe nichts gebracht, erzählte Etemadzadeh.

Die Labour-Abgeordnete Jess Phillips versicherte im britischen Radiosender BBC Radio 4 hingegen, die Angelegenheit sei "einwandfrei behandelt" worden. Über die Entscheidung, Hopkins daraufhin dennoch zu befördern, zeigte sich auch Phillips "ein wenig beunruhigt". Die Partei leitete neue Ermittlungen zu dem Vorfall ein.

Nachdem in den vergangenen Tagen eine Reihe von Missbrauchsvorwürfen gegen britische Politiker öffentlich geworden waren, gab Regierungschefin May einen neuen Verhaltenskodex heraus. Darin wird beispielsweise festgelegt, dass bei der Aufklärung von derartigen Vorwürfen eine unabhängige Person hinzugezogen werden muss. Darüber hinaus sollen eine Telefonverbindung für vertrauliche Mitteilungen und eine Adresse für elektronische Mitteilungen eingerichtet werden.

Die Vorwürfe gegen Hopkins könnten weitere Folgen nach sich ziehen: Hopkins ist ein guter Freund des Labour-Chefs Jeremy Corbyn, dieser hatte ihn vor seiner Wahlniederlage im Sommer als Teil seines Schattenkabinetts benannt. Der 76-Jährige ist nach Jared O'Mara bereits der zweite suspendierte Labour-Abgeordnete. O'Mara hatte vor einigen Jahren frauen- und schwulenfeindliche Aussagen im Internet veröffentlicht.

Ebenfalls wegen Belästigungsvorwürfen war am Mittwochabend der britische Verteidigungsminister Michael Fallon zurückgetreten. Fallon hatte zugegeben, im Jahr 2002 einer Journalistin bei einem Abendessen am Rande eines Tory-Parteitags die Hand aufs Knie gelegt zu haben. May lud die Parteichefs für Anfang kommender Woche zu einem Treffen ein, bei dem über die Belästigungsvorwürfe gesprochen werden soll.

Die Zeitung "The Sun" berichtete am Freitag von weiteren Vorwürfen: Die Tory-Politikerin Andrea Leadsom beschuldigte Fallon demnach, zwischen 2010 und 2012 ihr sowie anderen Abgeordneten gegenüber unangebrachte sexuelle Kommentare gemacht zu haben. Einem Bericht der Nachrichtenagentur PA zufolge, die sich auf Quellen aus dem Umfeld des Ex-Ministers bezog, weist Fallon diese Vorwürfe zurück.