Löws Sturmpuzzle: Werner, Gomez oder doch Plan C?

Florian Plettenberg, Jochen Stutzky, Onur Özdamar
Mario Gomez oder Timo Werner: Auf wen setzt Joachim Löw im Sturm?

Timo Werner war für die WM-Generalprobe heute gegen Saudi-Arabien (ab 19.30 Uhr im LIVETICKER) fest für die Startelf vorgesehen. Weil sich der Leipziger jedoch gestern im Abschlusstraining in Eppan leicht verletzte, steht sein Einsatz auf der Kippe. Für ihn könnte Mario Gomez in die Startelf rutschen.

Einfluss auf den WM-Plan von Bundestrainer Joachim Löw dürfte ein Werner-Ausfall jedoch nicht haben. Der pfeilschnelle Stürmer ist in der DFB-Elf fest vorgesehen, soll mit seinem Tempo und seiner Abschlussstärke in der deutschen Offensive wirbeln. Dass er das kann, bewies er diese Saison eindrucksvoll bei RB Leipzig. 21 Tore in 45 Pflichtspielen erzielte der 22-Jährige in diese Saison, bei der Nationalelf gelangen ihm bislang sieben Treffer in 13 Länderspielen. Eine Quote, die den europäischen Topklubs nicht entgangen ist.

Nach der WM zu den Bayern?

Längst steht Werner auf der Einkaufsliste der ganz Großen, auch Gerüchte um einen Sommer-Wechsel zum FC Bayern reißen nicht ab. Nach dem Österreich-Test machte der gebürtige Stuttgarter im Gespräch mit SPORT1 jedoch deutlich, sich mit dem Rekordmeister, wenn überhaupt, erst nach der WM beschäftigen zu wollen. Vorher will er bei der WM durchstarten.

Als perfekter Stürmer sieht Werner sich allerdings selbst noch nicht. Und in der Tat hat er mitunter dann Schwierigkeiten sich in Szene zu setzen, wenn er auf  defensive, tiefagierende Gegner trifft - und davon wird es bei der WM einige geben.

Klose lobt seinen früheren Konkurrenten

Als Werner-Ersatz steht Mario Gomez bereits. Der 32-jährige Routinier des VfB Stuttgart setzte sich zuvor schon gegen Bayerns Sandro Wagner durch und auch für Kader-Überraschung Nils Petersen gab es kein Vorbeikommen an Gomez. "Körperlich bin ich in einem sehr guten Zustand. Mental auch. Ich habe eine gute Rückrunde mit Stuttgart hinter mir und private, emotionale Erlebnisse. Jetzt will ich meine Mannschaftskollegen und auch die Fans mitreißen", sagt Gomez.

In Eppan sah man ihn zusammen mit Söhnchen Levi (3 Wochen) und Frau Carina den Kinderwagen durch die Gassen schieben. Anschieben soll Gomez (74 Länderspiele/31 Tore) nun vor allem die jungen Spieler im deutschen WM-Kader. "Er ist entschlossen. Er weiß, was er kann und was er machen muss, um erfolgreich zu sein", sagt Klose.


Löw und sein Trainerteam schätzen Gomez‘ Erfahrung, seine Kaltschnäuzigkeit vorm Tor. Von unschätzbarem Wert für die junge, deutsche Elf ist zudem die Lockerheit des Stuttgarters. Gomez muss sich nicht mehr beweisen und sich nicht mehr unter Druck setzen. "Ich kann für mich viel besser kanalisieren, was für mich wichtig ist und was nicht und was ich brauche, um in einer guten Form zu sein. Das sind alles Dinge, die du mit 32 viel besser einschätzen kannst, als mit 25", beschreibt er seinen Reifeprozess.

Zudem ist er ein gänzlich anderer Stürmertyp als Werner. Gomez gilt als klassischer Mittelstürmer, als Brecher im Strafraum. Gomez ist kopfballstark, nicht mehr der Schnellste, dafür aber effizient. Er brilliert durch ein gutes Stellungsspiel, wenngleich seine Bewegungen nicht immer so elegant wirken. Fraglich ist dennoch, ob er dem Team auf allerhöchstem Niveau noch helfen kann.

Müller und Reus als Optionen

In der Hinterhand hat Löw aber noch zwei andere Optionen. Zum einen Thomas Müller. Zehn Tore bei Weltmeisterschaften sprechen für den Bayern-Schlacks. Klar ist aber auch: Als freie Radikale auf der Außenbahn ist der Raumflüsterer für das Team noch wertvoller als im Sturmzentrum.

Eine weitere Sturm-Option ist Marco Reus. Der Dortmunder könnte für Löw zur Allzweckwaffe werden. Eigentlich ist der Rechtsfuß mit seinem Tempo auf dem Flügel eingeplant, doch auch als Spielmacher oder als hängender Stürmer ist Reus denkbar.