Löws Himmelsstürmer jubeln auf dem Confed-Cup-Thron

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Kapitän Draxler führt das DFB-Team zum Confed-Cup-Gewinn

Erfolgstrainer Joachim Löw stemmte strahlend den goldenen Pokal in die Höhe, seine jungen Himmelsstürmer schossen im Konfetti-Regen fast ungläubig ihre Sieger-Selfies. Als das anfangs verlachte deutsche Perspektivteam seinen märchenhaften Ritt durch den Confederations Cup mit dem historischen ersten Titel gekrönt hatte, war der Jubel gewaltig. Deutschland gewann das WM-Vorspiel durch ein 1:0 (1:0) im Finale gegen Chile - in einem Jahr soll der erneute WM-Coup folgen.

"Das ist eine absolute Freude. Wir haben drei Wochen lang eine unglaubliche Leistung gezeigt und auch heute um jeden Meter gekämpft", sagte Löw im ZDF-Interview: "Ich bin megastolz auf alle. So ein Finale ist etwas Magisches." Kapitän Julian Draxler, zum besten Spieler des Turniers gekürt, freute sich "endlich, endlich auf den verdienten Urlaub. Und wir nehmen sogar noch einen Pokal mit."

Pünktlich zur ersten Ehrenrunde stiegen die Feuerwerksraketen neben dem Stadion in St. Petersburg hoch - daheim jubelten die geschonten Stars mit. "Wie geil ist das denn?", twitterte Mats Hummels Sekunden nach dem Abpfiff. "Das ist wirklich wunderbar!", schrieb Mesut Özil, Benedikt Höwedes nannte die deutsche Mannschaft "Testsieger". DFL-Präsident Reinhard Rauball gratulierte zu einem "weiteren großartigen Erfolg".

Im heißblütigen Endspiel hielt das erstaunlich reife deutsche Team dem Ansturm der Chilenen in einer Abwehrschlacht stand und triumphierte durch das goldene Tor von Lars Stindl (20.). Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) feierte nach dem EM-Titel der U21 am Freitag seinen zweiten Turniersieg innerhalb von 48 Stunden.

Die WM-Generalprobe in Russland war besonders für den Bundestrainer ein Erfolg auf der ganzen Linie. Auf der Suche nach den Weltmeistern von morgen empfahlen sich Löw im Turnierverlauf vor allem die dreifachen Torschützen Stindl, Leon Goretzka und Timo Werner, der vor dem Siegtreffer clever seinem Gegenspieler den Ball stibitzte.

Der auch im Endspiel sichere Torhüter Marc-André ter Stegen ist nun die klare Nummer zwei hinter Manuel Neuer. Es gilt, 2018 einen "Fluch" zu bannen: Noch nie gewann ein Confed-Cup-Sieger die folgende WM. "Es ist ja schön, Regeln zu brechen", sagte Manager Oliver Bierhoff.

Der letzte Schritt zum 8,6 Kilogramm schweren und 40 cm hohen Goldpokal war ein knallhartes Stück Arbeit. Chile überrannte die deutsche Elf 25 Minuten lang förmlich, unter dem Weltklasse-Pressing des Südamerikameisters erzitterte die diesmal von Shkodran Mustafi angeführte Abwehr. Doch wie im Gruppenspiel (1:1) zehn Tage zuvor befreite sich der Nachwuchs der Weltmeister und schnappte sich den Cup im 15. Länderspiel der Saison ohne Niederlage nicht unverdient. Das hatte der Mannschaft ohne alle Superstars wohl niemand zugetraut.

Löw lobte die Chilenen vorab als "stärksten Gegner", der zugleich die "taktisch flexibelste Mannschaft der Welt" aufbiete. Und eine der kampfstärksten: Nicht von ungefähr twitterte der erneut äußerst aggressive Bayern-Star Arturo Vidal vor dem Finale ein blutiges Schlachtengemälde.

Der Weltranglistenvierte setzte auf seine bekannte Überfalltaktik. In der fünften Minute musste ter Stegen mit dem Fuß gegen Vidal retten, Antonio Rüdiger war gegen den Leverkusener Charles Aranguiz zu spät angekommen. Chile machte enormen Druck auf den Ballführenden und spielte nach Ballgewinnen steil in die Spitze.

Doch: Die erste deutsche Chance saß. Der frühere Hamburger Marcelo Diaz träumte am Strafraum und ließ sich den Ball von Werner abluchsen, der auf Stindl querlegte - 1:0. Eine Minute zuvor hatte ter Stegen noch Kopf und Kragen riskieren müssen, um das 0:1 zu verhindern (19.).

Ab der 30. Minute befreite sich die DFB-Elf allmählich aus der eisernen Klammer. Die besten deutschen Chancen hatten Goretzka (36./45.) und mehrfach Draxler (40./55.), für den das Turnier eine Art Anführer-Seminar war.

Chile ließ vor 57.268 Zuschauern nach und wurde zunehmend unfair: Gonzalo Jara hätte für einen Ellbogencheck an Werners Kinn Rot sehen können (65.). Nach der 70. Minute geriet die deutsche Mannschaft noch mehrmals in höchste Not, unter anderem schoss Angelo Sagal (84.) aus kurzer Distanz aus dem Gewühl über das leere Tor.