Löst dieses Talent Klopps größtes Problem?

Martin Hoffmann
·Lesedauer: 3 Min.

Vor einem Jahr war es noch Kidderminster.

In dem 55.000-Einwohner-Ort in der Grafschaft Worcestershire - Partnerstadt von Husum in Nordfriesland - spielte ein Junge namens Rhys Williams.

Geschickt vom großen FC Liverpool, um bei den örtlichen Kidderminster Harriers in der Sechsten Liga einen Umweg in der Ausbildung zu gehen.

Das 19 Jahre alte Abwehrtalent sollte mal eine andere Erfahrung machen bei der Vorbereitung auf die Karriere als Profi unter Jürgen Klopp in der Premier und Champions League, Duelle gegen Spennymoor Town und Farsley Celtic, Amateurfußball an der Basis als Kurve im geradlinigen Marsch durch die Akademiejahrgänge. Eine Kurve, die sich nun im Nachhinein als Steilkurve entpuppt.

Die Karriere von Rhys Williams beim englischen Meister kommt früher in Gang als gedacht, durch die Abwehrnot nach der schweren Verletzung von Virgil van Dijk - verschlimmert durch den Ausfall von Fabinho am Dienstag, der frühestens nach der nächsten Länderspielpause zurück erwartet wird - rückt der Teenager in den Fokus. Mehr als zuletzt ohnehin schon.

Rhys Williams beim FC Liverpool in den Fokus gerückt

Der U19-Nationalspieler aus dem nordwestenglischen Preston hat in dieser Saison die ersten Schritte unter Klopp gemacht, bekam Einsätze im Carabao Cup, feierte sein Champions-League-Debüt in Amsterdam - als Last-Minute-Joker beim 1:0-Auswärtssieg über Ajax.

Der Einsatz als Fabinho-Ersatz gegen Midtjylland war so nicht geplant. Er zeigt, dass Williams' Talent nun früh gefordert ist, um die in der Defensive der "Reds" aufgerissenen Lücken zu füllen.

Das Zutrauen von Klopp und Kollegen hat er, nach Angaben der Daily Mail halten sie bei Liverpool "unheimlich viel" von dem 1,90 Meter großen Jungen, den sie im Sommer mit einem Fünf-Jahres-Vertrag ausgestattet haben.

Die Art und Weise, wie er sich bei seinem Gastspiel in der rauen Welt des Amateurfußballs schlug, trug dazu bei.

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"Das ist Virgil van Dijk, der sich verkleidet hat"

"Man kann hier echt den Arsch versohlt bekommen von Spielern, denen egal ist, wo du herkommst", blickte Kidderminster-Coach Russell Penn jüngst im Liverpool Echo auf den Leih-Deal zurück: "Ich glaube, Rhys hat das hier schnell verstanden und darum war er hier sehr respektiert."

Hinter dem "Babygesicht" von Williams stecke schon ein ganzer Kerl, lobte Penn. Rückschläge wie eine gebrochene Nase, eine Gehirnerschütterung und eine Drei-Spiele-Sperre nach einer Roten Karte habe er weggesteckt und sich blendend eingefügt: "Du wirst hier ein bisschen schneller erwachsen."

Die Anlagen, die Williams ohnehin schon mitgebracht hätte, seien ein Thema für sich: "Er ist hier angekommen und du hast dir gedacht: Oh mein Gott, das ist Virgil van Dijk, der sich verkleidet hat."

Jürgen Klopp hofft, dass Williams am Druck wächst

Was Klopp am Dienstag von van Dijks jungem Wiedergänger gesehen hat, gefiel ihm nach eigenen Angaben auch sehr gut.

Williams leistete seinen Beitrag dazu, dass Torhüter Alisson bei dem 2:0-Erfolg ohne Gegentor blieb. "Rhys war in keiner einzigen problematischen Situation, er hat ein wirklich gutes Spiel gespielt", lobte der Coach.

Der frühere BVB-Trainer ließ dennoch durchblicken, dass er Williams gerne noch ein bisschen vom größeren Rampenlicht ferngehalten hätte: "Das einzige Problem ist jetzt, dass wir noch vier Tage bis zum Spiel in West Ham haben und nun jeden Tag ein Artikel über ihn erscheinen wird." Nun müsse Williams halt eben "beweisen, dass er auch damit umgehen kann".

Weitere Talente in der Hinterhand

Alternativen mit mehr Erfahrung hat Klopp für die kommende Partie womöglich nicht, zumal auch der Einsatz des sich von einer Muskelverletzung erholenden Ex-Schalkers Joel Matip in Frage steht.

Ansonsten hätte Klopp noch das niederländische Talent Sepp van den Berg (18), den noch jüngeren Franzosen Billy Koumetio (17) und den zweimal an den VfB Stuttgart verliehenen Nathaniel Phillips (23).

In den Champions-League-Kader hatte Klopp nur Williams berufen. Das in Liga 6 gestählte Talent ist offenbar das, dem er den schnellsten Sprung zutraut.