Läuft die Zeit für den Phlegmatiker beim BVB ab?

Lukas von Hoyer
·Lesedauer: 3 Min.
Läuft die Zeit für den Phlegmatiker beim BVB ab?
Läuft die Zeit für den Phlegmatiker beim BVB ab?

Rund drei Wochen ist es nun her - da schien es, als würde der Phlegmatiker bei Borussia Dortmund doch noch durchstarten.

Julian Brandt hatte sich unter Trainer Edin Terzic endlich zu einem Spieler entwickelt, der häufiger auf dem Rasen stand als auf der Ersatzbank zu schmoren. Am 13. März traf der Offensivspieler dann beim 2:0-Sieg gegen Hertha BSC zum wichtigen 1:0. Ein verspäteter Durchbruch - so die Hoffnung.

Brandt konnte endlich in regelmäßigen Abständen abliefern und nicht nur von Zeit zu Zeit sein großes Talent aufblitzen lassen. Unter Terzic durfte der 24-Jährige endlich häufiger auf seiner Lieblingsposition auf der Zehn hinter der einzigen Spitze ran.

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Vergessen schien der enttäuschende Start von Brandt. Doch nun ist wieder alles anders - und Brandt muss sich so langsam fühlen, als befinde er sich auf einer Achterbahnfahrt. Derzeitiger Trend: abwärts.

BVB und Brandt ein dauerhaftes Missverständnis?

Die Saison 2020/21 startete für Brandt alles anderes als gut. Vor dem Jahreswechsel stand er nur in zehn von 22 Pflichtspielen in der Startelf und absolvierte lediglich zwei davon über die volle Distanz. Enttäuschend nach einer durchaus stärkeren Rückrunde 2019/20 unter Lucien Favre.

In dieser Saison steuerte der 35-malige deutsche Nationalspieler zwei Scorerpunkte bei. Verdammt wenig für einen Spieler, der im Sommer 2019 für 25 Millionen Euro von Bayer Leverkusen kam. (SERVICE: Alles zur Bundesliga)

Seit seinem Treffer gegen die Hertha wurde Brandt beim 2:2 in Köln nach einer enttäuschenden Performance in der Halbzeit ausgewechselt. Zuvor hatte er Mitspieler Erling Haaland wegen seiner Fehlpässe ein ums andere Mal in Rage gebracht.

Bei der 1:2-Pleite beim so wichtigen Spiel gegen Eintracht Frankfurt bekam Brandt dann nicht mehr das Vertrauen des Trainers - und blieb 90 Minuten auf der Ersatzbank. (Die Gründe für Dortmunds Misere)

Im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League nun der Tiefpunkt: Terzic gab Brandt wieder keine einzige Minute Einsatzzeit und zog ihm sogar Nachwuchsspieler Ansgar Knauff vor.

Die Frage drängt sich auf: War Brandts kurzer Aufschwung nur ein kurzes Auflodern in einem dauerhaften Missverständnis?

Die Europameisterschaft in weiter Ferne

"Er muss die nächste Hürde überspringen", hatte Bundestrainer Joachim Löw vor einigen Wochen klargemacht. Kurz schien es so aus, als könnte Brandt die Hürde nehmen. Nun scheint die Europameisterschaft allerdings in weiter Ferne zu sein.

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Löw nominierte einen seiner früheren Lieblingsschüler zuletzt nicht - und es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich das zur EM noch ändern sollte.

Brandts Schwachstelle ist vor allem sein Defensivverhalten, das mangelhafte Pressing und die Zweikampfführung. Hinzu kommen teils katastrophale Fehlpässe.

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Gehen Brandt und Dortmund getrennte Wege?

Vielleicht ein Vorteil für Brandt: Im Sommer werden in Dortmund die Karten neu gemischt. Für Terzic wird dann Marco Rose, der aus Gladbach kommt, übernehmen.

Doch auch in dieser Chance liegt ein großes Problem: Roses Art, Fußball spielen zu lassen, zeichnet sich durch eben jene Merkmale aus, mit denen Brandt seine Schwächen hat. Für einen offensiven Freigeist, der wenig mitarbeiten muss, ist in Roses System kein Platz.

Aus diesem Grund gilt Brandt als einer der ersten Streichkandidaten im Sommer. Schon im Januar war über einen Abschied spekuliert worden, die Borussia wollte den gebürtigen Bremer aber nicht abgeben - und Brandt wollte auch nicht weg.

im Sommer dürfte sich der BVB dann mögliche Angebote anhören. Für eine passende Summe rund um den Betrag, den Dortmund 2019 nach Leverkusen überwiesen hat, dürfte Brandt womöglich gehen.