Darum läuft es bei Bayern wieder

Martin Volkmar, Stefan Kumberger, Ivo Hrstic
Jupp Heynckes ist zurück beim FC Bayern - und mit ihm der Erfolg

Besser hätte das Comeback des Jahres kaum laufen können.

Zwei Siege, 8:0 Tore - erfolgreicher als Jupp Heynckes startete nur Legende Udo Lattek 1970 als Trainer beim FC Bayern (10:0 Tore).

"Jupp macht das sehr gut. Man hat den Eindruck, er sei nie richtig weg gewesen", sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge schon vor dem Spiel gegen Celtic Glasgow. 

Und nach dem lockeren 3:0 gegen die harmlosen Schotten fühlen sich viele schon an die Triple-Saison 2012/13 erinnert.

So weit ist es zwar noch nicht, dennoch haben die Münchner deutliche Schritte nach vorne gemacht.

SPORT1 nennt sieben Gründe für den Aufschwung unter dem neuen alten Chefcoach.

- Übung macht den Meister

Neben den intensiven Trainingseinheiten ist auch Heynckes' Akribie auffällig. So scheut sich der 72-Jährige auch nicht, den Millionären das 1x1 des Fußballs zu erklären.

"Coman nimmt jetzt den Kopf nach oben vor dem Flanken und schaut, wo der Spieler ist", erklärte er beispielsweise die verbesserten Vorlagen des Franzosen.

Und die Profis nehmen die klaren Anweisungen des Trainers dankbar an. "Ich finde, er hat eine ganz coole Ausstrahlung", sagte Joshua Kimmich.

"Wir haben viel Zug im Training gehabt. Es wird viel Wert auf Konzentration und die Bereitschaft gelegt, dass jeder Gas gibt."

Daher zeigt sich Heynckes auch zufrieden mit dem sichtbar verbesserten Engagement. "Im Moment spüre ich, dass die Mannschaft sehr motiviert ist und bereit ist, die Dinge umzusetzen, die wir im Trainerteam vorgeben", meinte er.

"Aber wenn man sehr erfolgreich sein muss, muss man einiges verändern. Und das braucht Zeit."

- Unzufriedenheit als Antrieb

Wie schon nach dem 5:0 gegen Freiburg versuchte Thomas Müller, jegliche Euphorie im Keim zu ersticken. "Es ist jetzt nicht alles Gold, was glänzt", sagte der Kapitän.

Heynckes fand in der Analyse sogar auffällig viel, was ihm nicht gefallen hatte. "Ich habe einige Fehler gesehen, die wir in Zukunft abstellen müssen - und an denen wir demnächst arbeiten werden", erklärte er.

"Wir müssen uns in vielen Bereichen noch verbessern, vor allem in der Rückwärtsbewegung sowie im Umschaltspiel von Defensive auf Offensive."

Jerome Boateng stimmte seinem Trainer zu: "Wir haben zu wenig Tore gemacht. Und wir verlieren zu schnell die Bälle und lassen dem Gegner zu viele Torchancen. Da müssen wir kritisch mit umgehen."


- Don Jupp verleiht Flügel

Die erfolgreichen Flügelzangen Alaba/Ribery und Lahm/Robben waren einer der Erfolgsgaranten für den Triple-Erfolg. Danach war das Spiel über außen vor allem unter Carlo Ancelotti fast zum Erliegen gekommen.

Gegen Glasgow zeigten Kimmich rechts und Kingsley Coman links, dass sie zusammen mit Robben und Alaba durchaus in die großen Fußstapfen treten können.

"Ich bin froh, dass der Trainer mir vertraut und ich mal mehrere Spiele machen kann. Das gibt mir Selbstvertrauen", erklärte Coman seine deutliche Formsteigerung.

Und der ebenfalls stark verbesserte Alaba meinte: "Man merkt, dass das Zusammenspiel mit Kingsley besser und besser wird. Er hat wirklich sehr, sehr viel Potenzial. Und ich glaube, ich bin auch wieder auf einem sehr guten Weg. "

- Kimmich ist der neue Lahm

Der 22-Jährige hat innerhalb weniger Wochen zumindest spielerisch das Vakuum nach dem Rücktritt von Phillip Lahm geschlossen. Defensiv aufmerksam, nach vorne sehr aktiv und immer torgefährlich - gegen Glasgow mit seiner Flanke vor dem 1:0 und dem Kopfball zum 2:0.

"Kimmich ist ein super Junge", lobte Heynckes. "Bei fast jedem Angriff ist er vorne, und hinten hält er seine Seite dicht."

Noch weiter ging Lothar Matthäus. "Er ist ein würdiger Nachfolger für Lahm und offensiv sogar noch ein bisschen besser", sagte der Ex-Bayern-Kapitän bei Sky:

"Er ist ein Musterprofi. Er macht alles selbstständig und weiß genau, was er zu tun hat. Kimmich hat eine ganz große Karriere vor sich."


- Es müllert wieder

Auch wenn es schwerere Gegner gibt, so ist beim Kapitän dank der vollen Rückendeckung durch den Trainer offenbar der Knoten geplatzt.

"Er hat sehr viel gearbeitet, war viel unterwegs, hat nach hinten Löcher gestopft - da habe ich wieder ein Stück weit den Thomas Müller gesehen, wie ich ihn hier kenne", meinte Heynckes.

Der 28-Jährige erzielte im 92. Champions-League-Spiel bereits seinen 40. Treffer und ist damit unangefochten der beste deutsche Torjäger in der Historie der Königsklasse.

Dennoch hält Müller auch hier den Ball flach, zumal er nach wie vor nicht den Torinstinkt wie zu besten Zeiten hat. Auf die Frage, ob er am meisten von Heynckes' Verpflichtung profitiert habe, antwortete er: "Ich hoffe, dass der Verein der größte Profiteur ist."

- Dankbare Aufbaugegner

Von der guten Stimmung seit dem Trainerwechsel wollen sich die Spieler (noch) nicht anstecken lassen. "Wir haben unter Ancelotti auch gegen Mainz gewonnen und dann auf Schalke", sagte Müller:

"Natürlich machen wir es ganz gut bisher. Aber um wirkliche Tendenzen festzustellen, müssen noch ein paar Spiele vergehen."

Sowohl Freiburg als auch Glasgow waren dankbare Aufbaugegner für die nach der Pleite gegen PSG mental angeschlagenen Münchner.

"Dass waren jetzt zwei Spiele, die jetzt genau zum richtigen Zeitpunkt für das neue Mia san Mia-Gefühl gekommen sind. Freiburg ist kein Kracher in der Bundesliga und auch Celtic ist eine machbare Mannschaft", meinte auch Matthäus.

"Jetzt kommt wahrscheinlich noch ein angenehmes Auswärtsspiel in Hamburg. Aber dann kommen die Wochen der Wahrheit."

Einen wichtigen Fingerzeig über die Stärke der Bayern werden die beiden Spiele gegen RB Leipzig in DFB-Pokal und in der Liga sowie der Kracher am 4. November gegen Borussia Dortmund geben.

"Nach dem Spiel in Dortmund kann man ein erstes Fazit ziehen", sagte Heynckes. Kimmich allerdings sieht die Mannschaft schon wieder bei alter Stärke: "Wir sind so weit, dass wir alle Spiele gewinnen können."

- Stammelf statt Rotation

Heynckes hat jetzt zweimal auf seine Stammelf gesetzt, gegen Glasgow kam nur Sebastian Rudy für den verletzten Javi Martinez neu ins Team. Und es spricht wenig dagegen, dass sich daran viel ändern wird.

Man könne nicht "viele Experimente machen", betonte der Coach, für den auch die Dreifachbelastung kein zwingender Grund zur Rotation ist: "Es sind Hochleistungsprofis, die auch drei Spiele in einer Woche absolvieren können."

Auch beim HSV wird es daher kaum großartige Wechsel geben, denn das Team benötigt jetzt die Automatismen und muss sich für die schweren Aufgaben gegen Leipzig und Dortmund einspielen.