Kylie Jenner will keine Bilder ihrer Tochter mehr posten – das sagen Experten zum Thema

Nina Baum
Freie Autorin für Yahoo Style
Ihr Baby soll nicht Ziel von fiesen Kommentaren werden: Kylie Jenner mit Boyfriend und jungem Papa Travis Scott. (Bild: Evan Agostini/Invision/AP Photo)

Kylie Jenner hat eine Entscheidung getroffen: Ab sofort keine Bilder mehr auf Social Media, auf denen das Gesicht ihrer Tochter zu sehen ist. Zu fies waren die Reaktionen im Netz. Experten rufen Eltern seit Jahren dazu auf, die Privatsphäre ihrer Kinder im Netz besser zu schützen.

Kylie Jenner will ihre vier Monate alte Tochter in Zukunft aus den sozialen Medien raushalten. Die 20-Jährige postet nach wie vor viele Bilder von sich, auf denen sie mit Baby zu sehen ist, jedoch stets so, dass das Gesicht der Kleinen verdeckt ist. Laut „People“ reagierte sie damit auf die gemeinen Kommentare in den sozialen Medien. „Sie konnte es nicht erwarten, Stormi ihren Fans zu zeigen. Sie postete Bilder, weil sie so begeistert war, Mutter geworden zu sein. Leider sind die sozialen Medien ein verrückter Ort“, erzählte ein Insider.

Um welche Kommentare es sich dabei genau handelte und was der Inhalt der verletzenden Posts war, sagte Kylie Jenner nicht. Klar ist aber: Die Kommentare haben sie dazu bewegt, das Gesicht ihrer Tochter nicht mehr abzubilden. „Kylie ist schockiert und möchte nicht, dass die Bilder ihrer Tochter Teil von etwas Negativem sind. In der Zukunft überlegt sie sich das vielleicht anders, aber erstmal wird sie keine Bilder von Stormis Gesicht mehr posten.“


„Alles Gute zum Geburtstag North & P..“

Auch Kylies Zurückhaltung mit Bildern während ihrer Schwangerschaft sei dem Umstand geschuldet gewesen, dass sie ihr Baby schützen wollte, erzählte die anonyme Quelle gegenüber „People“. Auf Nachfrage postete sie nun die Ankündigung, keine Bilder ihrer Tochter mehr zu posten, berichtete „E! News“.

Das sagen Experten zum Thema Kinderfotos

Damit verhält sich das Model so, wie es auch Experten empfehlen. Denn sobald ein Bild erst mal hochgeladen ist, ist es nahezu unmöglich, zu kontrollieren, wie es sich verbreitet. Ein Horrorszenario ist, dass sich Pädophile an den Bildern bedienen. Die Polizei Hagen veröffentlichte bereits vor mehr als zwei Jahren auf Facebook einen Aufruf an Eltern, die Privatsphäre-Einstellungen ihrer Accounts dahingehend zu überprüfen, dass die Fotos nicht für jeden im Netz frei zugänglich sind. Das Posting wurde hunderttausende Male geteilt und Millionen Male gelesen.

Wer das Sorgerecht über ein Kind hat, darf rechtlich gesehen auch Bilder von ihm im Internet veröffentlichen, sagt der Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht Karsten Gulden. Wenn sich die Eltern das Sorgerecht teilen, müssen beide zustimmen. Ab ihrem 14. Lebensjahr müssen Kinder laut dem Rechtsanwalt für Internet- und Social-Media-Recht Carsten Ulbricht ausdrücklich um Erlaubnis gefragt werden, bevor ihre Bilder ins Netz gestellt werden. Ab diesem Alter dürfen sie auch verlangen, dass bereits veröffentlichte Bilder von ihnen wieder gelöscht werden.

Grundsätzlich gilt die Warnung, von der Veröffentlichung sehr privater Bilder Abstand zu nehmen. Dazu zählen vor allem Fotos aus der Badewanne oder aus anderen Situationen, in denen die Kinder auf eine Art und Weise abgebildet sind, die ihnen später zum Nachteil werden könnte – und sei es nur deswegen, dass ihnen die Bilder peinlich sind. „Posten Sie keine Fotos von Kindern in peinlichen, unangenehmen oder unangemessenen Situationen“, rät auch das Kinderhilfswerk in einer Kampagne, die Eltern über den Umgang mit den Persönlichkeitsrechten ihrer Kinder aufklären soll.


Was steckt hinter dem Bedürfnis, Bilder der Kinder im Internet zu verbreiten? Die Professorin für Humanwissenschaften der Universität Ohio, Sarah Schoppe-Sullivan, untersuchte die Facebook-Aktivität von 127 Frauen, die erstmals Mutter geworden waren. Das Ergebnis ihrer 2012 veröffentlichten Studie ist bedenklich: Wer großen Druck verspürt, eine sogenannte „gute Mutter“ zu sein, postet besonders viele Bilder der eigenen Kinder. Bleibt die gewünschte Bestätigung dafür aus, leiden diese Mütter auch am meisten: Jene, die besonders aktiv auf Facebook waren, wiesen auch mehr Symptome einer Depression auf.

Wer sein Familienglück dennoch unbedingt in den sozialen Medien zur Schau stellen will, sollte sich zumindest diesen Ratschlag des Kinderhilfswerks zu Herzen nehmen: „Überlegen Sie, ob es für die Bildaussage des Fotos zwingend notwendig ist, das Gesicht des Kindes zu zeigen.“

Daran wird sich nun vorerst auch Kylie Jenner halten. Welchen Stellenwert ihr Nachwuchs aus Sicht von Social Media hat, zeigen abschließend noch diese Zahlen. Der am 1. Februar geborene Neuzugang Stormi Webster hat gleich bei seiner Geburt alle Instagram-Rekorde gebrochen. Mit fast 18 Millionen Nutzern haben dem Bild mehr Menschen ein Like gegeben, als jemals zuvor ein Instagram-Foto ergattern konnte. Zum Vergleich: Die Bekanntgabe von Beyoncés Schwangerschaft und die Geburt von Christiano Ronaldos jüngster Tochter haben bis dato jeweils rund 11 Millionen Likes bekommen.