KVB-Verteilerkästen in Dünnwald: Künstler übermalt Hassparolen mit bunten Mandalas

Florian Pape hatte in Eigenregie Schmierereien in Dünnwald beseitigt.

Die Schmierereien erregten viel Aufmerksamkeit in der Nachbarschaft. Unbekannte hatten politische Hassparolen in roter Farbe auf drei Verteilerkästen der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) an der Haltestelle Odenthaler Straße in Köln-Dünnwald geschrieben.

Dagegen wollte sich Anwohner Florian Pape wehren. Mit Pinsel und Farbe bewaffnet, übermalte er Ende Mai die drei Kästen in einer spontanen Kunstaktion. Sein Motto: Liebe, Hoffnung und Verstand.

Für Hassparolen habe er kein Verständnis, sagt Pape. „Weitblick und Toleranz sollten für jeden drin sein“, findet der 25-Jährige. Deshalb begann er an einem Abend Ende Mai mit seiner Verschönerungs-Aktion: Zuerst übermalte er die Schmierereien mit weißer Farbe. An ihrer Stelle gestaltete er bunte Mandalas.

Die Malerei fiel auf. Immer wieder sprachen Passanten den jungen Künstler darauf an. Der Besitzer des muslimischen Familienrestaurants gegenüber lud ihn zum Essen ein. „Ich habe lange nicht mehr so viele nette Begegnungen auf der Straße gehabt“, erinnert sich Pape, der Verkäufer in einem Bioladen ist. „Gerade mit so einer Kontra-Aktion die Leute wieder zusammenzubringen – das ist wirklich schön.“ Es habe ihm bewiesen, dass viele Menschen seine Meinung teilen. „Wir wollen alle dasselbe“, so der 25-Jährige.

Künstler will Verteilerkästen neu gestalten

Trotzdem meldete jemand die Aktion der Polizei. Denn: Die KVB hatten Florian Pape die Bemalung ihrer Verteilerkästen nicht offiziell erlaubt. Die Beamten nahmen seine Personalien auf und informierten das Verkehrsunternehmen. Nun drohte dem Hobbykünstler eine Anzeige wegen Sachbeschädigung. „Ich habe keinen Terz gemacht. Die gehen schließlich nur ihrer Pflicht nach“, erläutert Pape. „Sie haben mir sogar Tipps gegeben. Das war wirklich super.“ Daran, dass er eine Erlaubnis für die Malerei brauchte, habe er vorher nicht gedacht.

Auf Anraten der Polizisten wandte sich Pape mit einer Entschuldigung an die KVB. In seinem Brief schlägt er einen anderen Lösungsweg vor, als für die Reinigung seiner Sachbeschädigung mit einer Strafzahlung aufzukommen. Stattdessen will er die Verteilerkästen in Absprache mit den Eigentümern erneut gestalten.

Denn wenige Tage nach seiner Aktion wurden die Mandalas wieder mit Hassparolen überzogen, einer davon lautet: „Freiheit ist der Feind.“ Allerdings wurde auch ein „Make Love Not War“ (Macht Liebe, keinen Krieg) auf einen der Kästen geschrieben. Pape vermutet, dass es ein anderer Unbekannter war, der den aggressiven Parolen etwas entgegensetzen wollte.

Neugestaltung mit Nachbarn geplant

Die Entscheidung, ob die Sachbeschädigung zur Anzeige gebracht wird, lag bei den Verkehrs-Betrieben. „Grundsätzlich legen die KVB Wert darauf, dass ihre Anlagen nicht unbefugt besprüht oder bemalt werden dürfen und entsprechende Verstöße verfolgt werden“, sagt Sprecher Mathias Pesch auf Anfrage.

In diesem Sonderfall zeigte sich das Unternehmen kooperationsbereit. „Wir haben uns mit dem Künstler einvernehmlich auf ein Verfahren in dieser Sache geeinigt“, so Pesch weiter. „Wir können uns vorstellen, dass der Künstler die drei Kästen künstlerisch gestaltet.“ Die KVB wollen die Kästen zuerst neu grundieren lassen. Das Kunstwerk soll anschließend mit einem Schutzlack überzogen werden, sodass keine Schmierereien darauf haften bleiben.

Für Florian Pape sind das gute Nachrichten. „Diese Aktion hat wirklich etwas ins Rollen gebracht. Jetzt bin ich gespannt, wo das noch hinführt.“ Für die Umgestaltungs-Aktion hat der Hobbykünstler bereits einen Plan entwickelt: Er will nun sämtliche Anwohner, Passanten und Ladenbesitzer der Nachbarschaft dazu einladen. „Die neue Gestaltung soll nicht mehr ein Alleingang von mir sein. Das machen wir dann zusammen.“...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta