Kurzzeit-Chef plant einschneidende Veränderungen

Nachdem die Übernahme von Stada im zweiten Anlauf geklappt hat, will sich der Konzern wieder dem Tagesgeschäft widmen. Der amtierende Vorstandschef Engelbert Tjeenk Willink hat auch schon Pläne - aber nicht viel Zeit.


Willinks Vertrag läuft nur noch bis Ende des Jahres, der Manager wollte es so. Wenn es ein paar Monate länger dauern sollte, würde es das auch machen, sagt er. Die neuen Eigentümer werden allerdings bald versuchen, einen Unternehmenschef nach eigenem Gusto zu installieren – als Favorit gilt der frühere Ratiopharm-Chef Claudio Albrecht.

Für die verbleibende kurze Zeit hat Willink allerdings große Pläne und will noch  einschneidende Veränderungen durchsetzen – natürlich alles in Absprache mit Bain und Cinven natürlich. Bislang galt Stada etwa weniger als eine Einheit sondern eher als ein Konglomerat von einzelnen Unternehmen. Es habe wenig Synergien zwischen der Zentrale und den Organisationen in den Ländern gegeben  beklagte Willink während einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Die Länderorganisationen hätten ein sehr eigenständiges Leben geführt – bis hin zu eigenen Verpackungen für Medikamente. Künftig will Willink mehr Macht in der Zentrale bündeln: „Es wird künftig mehr zentrale Führung geben.“

Gleichzeitig will Willink in der Verwaltung, im Einkauf und in den Lieferketten Kosten senken und Ineffizienzen beseitigen. Andererseits möchte  er das Geschäft mit Biosimilars, nachgebauten Generika, verstärken und auch die Internationalisierung ausbauen – so ist etwa das Erkältungsmittel Grippostad zwar in Deutschland sehr bekannt, in anderen Ländern jedoch nicht.



Viele Pläne stammen allerdings noch von Willinks Vorgänger Matthias Wiedenfels, der vor wenigen Wochen gehen musste, nachdem er sich mit dem Aufsichtsrat zerstritten hatte. Willink bestreitet den auch gar nicht, dass die Initiativen des früheren Vorstandschefs in die richtige Richtung gehen. Allerdings will  Willink nun  noch einmal die „Intensität erhöhen“. 

Der ganz große Wurf wird allerdings noch auf sich warten lassen. Größere Übernahmen plant Stada laut Kurzzeit-Chef Willink erst in zwei bis drei Jahren. Zunächst soll mal das Marken- und Generikageschäft in Europa auf Vordermann gebracht werden. Nach früheren Angaben aus Finanzkreisen wollten Bain und Cinven durch Zukäufe unter die weltweiten Top-5-Generika-Unternehmen aufrücken – hinter Branchengrößen wie Teva (Israel) oder Sandoz (Schweiz). Derzeit rangiert Stada auf Platz 13.



Was Willinks Pläne für die Mitarbeiter bedeuten, ist noch nicht klar. Es gebe noch keine genaue Personalplanung, sagte der amtierende Vorstandschef. Es deute aber nichts darauf hin, dass künftig mehr Arbeit im Ausland gemacht werde – und weniger in Deutschland. Auch der Standort Bad Vilbel bei Frankfurt, an dem rund 900 Mitarbeiter beschäftigt sind, stehe derzeit nicht zur Disposition.

Ein Rest von Unsicherheit, was die Mitarbeiter unter den neuen Eigentümern erwartet, bleibt dennoch. Zwar haben Bain und Cinven betriebsbedingte Kündigungen für fünf Jahre ausgeschlossen – allerdings nur für die gewerblichen Mitarbeiter.