Fahrer fürchten: "Im Rennen wird es drunter und drüber gehen"

Norman Fischer
·Lesedauer: 4 Min.

"Im Rennen wird es drunter und drüber gehen", kündigt Mercedes-Pilot George Russell nach dem Trainingsfreitag in Bahrain an. Denn der Outer Circuit von Sachir hat es in sich. Das haben die ersten beiden Sessions am Freitag gezeigt. Vor allem der zweite Sektor stand im Zentrum der Aufmerksamkeit - und der Kritik.

"Es ist nicht toll zu fahren", mäkelt Max Verstappen (Red Bull) an der kurzen Bahrain-Variante herum. "Keine einfache Strecke", meint auch Russell. Denn obwohl der neue Abschnitt zwischen Kurve 4 und Kurve 9 im Grunde nur aus einer Anbremszone besteht, hat er die Piloten vor eine ziemliche Herausforderung gestellt.

Dreher, Ausflüge ins Kiesbett und 21 Track-Limit Vergehen wurden gesehen. Besonders spektakuläre Bilder gibt es beim Anbremsen auf Kurve 7, weil die Autos beim Überfahren der Bodenwellen stark ins Schlingern geraten und Probleme bekommen, die Kurve ordentlich zu erwischen.

"Mit den ganzen Bodenwellen ist das definitiv nicht der einfachste Abschnitt", sagt Mercedes-Pilot Valtteri Bottas. "Es ist ziemlich knifflig und man kann ganz leicht eine Zehntelsekunde liegenlassen. Und das macht dann auf einer so kurzen Runde einen großen Unterschied."

Sainz und Verstappen wittern "Gefahr"

Carlos Sainz hält diesen Sektor potenziell sogar für "gefährlich", vor allem wenn der Verkehr ins Spiel kommt. "Wir müssen einen Weg finden, um es sicherer und weniger gefährlich zu machen. Denn aktuell sind wir am Rande zur Gefahr", sagt der Spanier. Er verrät, dass das Thema noch einmal im Fahrerbriefing angesprochen werden wird. "Denn im Moment sind wir an der Grenze."

Auch Verstappen schließt sich den Worten an: "Der zweite Sektor ist in vielen Kurven blind. Es ist ziemlich gefährlich", findet er. Das Problem: "Wir müssen aber die Reifen kühlen, um noch eine Runde fahren zu können."

Weil die Runde mit 3,543 Kilometern ziemlich kurz ist, wird Verkehr im Qualifying zum großen Thema. Bei einer Runde von 45 Sekunden hat jeder Fahrer nur rund 2,5 Sekunden Platz auf der Strecke. Schon im Qualifying der Formel 2 hat sich gezeigt, welche Probleme sich im Verkehr ergeben. Mick Schumacher erlitt einen Unfall, weil er sich mit einem langsamen Fahrzeug in die Quere kam.

Viel Arbeit für die Renningenieure

"Eine Lücke zu finden, wird nicht einfach werden. Und weil du so langsam fahren musst, um deine Reifen zu kühlen, sind die Geschwindigkeitsunterschiede enorm", sagt Alexander Albon. "Wir müssen enorm aufpassen, und ich erwarte, dass unsere Ingenieure ziemlich viel zu tun haben werden."

Davor graut es auch seinem Teamkollegen Verstappen schon: "Aufgrund der Kürze der Strecke ist der Funk ständig offen: 'Pass da auf, Verkehr hier und so weiter.' Das ist nicht, was du haben möchtest", sagt der Niederländer.

Schon am heutigen Tag wurde das Problem bei einigen Fahrern offensichtlich. "Einige sind einfach nicht aus dem Weg gefahren", ärgert sich Lando Norris. "Ich weiß nicht, ob es ihnen nicht mitgeteilt wurde oder ob sie nicht in den Spiegel geschaut haben", so der McLaren-Pilot. "Jeder sollte es respektieren, und sie sollten da ziemlich strikt mit sein."

Vettel: "Kaum bist du drin, schon ist es zu Ende"

Für Sebastian Vettel (Ferrari) birgt die kurze Runde von rund 54 Sekunden noch einen persönlichen Nachteil: "Eigenartig", lautet sein Fazit zu der Variante. "Kaum bist du richtig in der Runde drin, ist sie schon wieder zu Ende."

Tatsächlich haben sich aber auch Fahrer gefunden, die kein Problem mit der neuen Streckenvariante haben: "Ich mag das", lacht Daniel Ricciardo (Renault). "Ich würde sagen, dass der neue Abschnitt in der Mitte mein Lieblingsabschnitt ist. Es ist schön, mal etwas anderes zu haben."

Und auch Norris findet den neuen Sektor recht schön und vor allem anspruchsvoll. Denn dass Fehler hier bestraft werden, hat sich gleich mehrfach gezeigt. "Wenn man am Ausgang von Kurve 5 zu weit rauskommt und mit dem Unterboden aufsetzt, kann man ganz einfach ins Kiesbett rutschen. Es bestraft uns", sagt er. "Das ist schön und befriedigend."

"Du möchtest pushen, aber du möchtest auch, dass Fehler bestraft werden. Es ist Risiko und Belohnung in einem", so Norris. "Es ist zwar schwierig mit einem Formel-1-Auto, aber es macht auch Spaß. Es ist eine schöne Herauforderung."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.