Kurz vor den Olympischen Spielen: Schwerwiegende Doping-Verdachtsfälle im Skilanglauf

Schwerwiegende Doping-Verdachtsfälle im Skilanglauf

Am 9. Februar werden im südkoreanischen Pyeongchang die Olympischen Winterspiele eröffnet. Doch der anhaltende Doping-Skandal wirft einmal mehr seine Schatten voraus. Wie unter anderem die ARD ermittelt haben will, stehen vor allem die Skilangläufer im Verdacht, die sportliche Fairness untergraben zu haben.

Die Zahlen sind erschreckend und werfen kein gutes Licht auf die FIS und die nationalen Skiverbände. Untersuchungen der ARD, der „Sunday Times“, dem Online-Magazin „republik.ch“ und dem schwedischen TV-Sender SVT haben ergeben, dass es im Skilanglauf offenbar zu weitgreifendem Doping-Missbrauch gekommen ist.

In einem Zeitraum von 2001 bis 2017 hätten 91 Goldmedaillengewinner bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften im Skilanglauf, „verdächtige“ oder „abnormale“ Blutwerte aufgewiesen. Dies entspricht 46 Prozent der vergebenen Medaillen. Als „verdächtig“ wurden dabei Werte eingestuft, die unter Umständen auch auf natürliche Weise zustande kommen können. „Abnormale“ Indikationen seien hingegen nur durch Zuhilfenahme von Dopingmitteln möglich gewesen.

Die Recherche-Gruppe beruft sich auf eine Datenbank mit 10.000 Bluttests, die sie von einem Whistleblower erhalten haben will. 290 Skilangläufer seien in dieser durch „verdächtige“ oder „abnormale“ Blutwerte aufgefallen.

Um den Erkenntnissen Gewicht zu verleihen, legten die Journalisten ihren Bericht dem Doping-Experten James Stav-Gunderson vor, der in der Vergangenheit auch für den Internationalen Skiverband FIS tätig gewesen ist. „Eine signifikante Anzahl an Medaillengewinnern hatte abnormale Blutprofile, die ein starkes Indiz für Doping sind“, so Stav-Gunderson zur „Sunday Times“.

Einmal mehr fielen vor allem russische Athleten durch Ungereimtheiten auf. Russland wir seit Erscheinen des McLaren-Reports des systematischen und staatlich organisierten Dopings beschuldigt. Doch auch Sportler aus Norwegen, Deutschland, Schweden und Italien stünden unter Verdacht. 50 von ihnen könnten in Pyeongchang an den Start gehen.

Unterdessen finden nationale und internationale Skiverbände sowie das IOC keinen gemeinsamen Nenner. Während das Olympische Komitee (IOC) zahlreiche Sportler mit teilweise lebenslangen Sperren belegt hat, dürfen ebendiese Athleten bei Wettkämpfen anderer Verbände bis heute starten.

Bild-Copyright: JFK / EXPA / AFP