Kursplus von unglaublichen 36.000 Prozent


Nach einem schlechten Start ins neue Jahr – dem ersten Kursverlust an Neujahr seit 2015 – findet der Bitcoin zurück auf die Erfolgsspur. Am Mittwochmorgen notierte die wichtigste Kryptowährung laut der Seite Coinmarketcap, die den Durchschnittswert zahlreicher Börsen ermittelt, über 13 Prozent im Plus bei 15.400 Dollar. Das lässt Luft nach oben, wie der Rückblick zeigt.

Im Jahr 2017 hat der Bitcoin ein fast schon fantastisches Kursfeuerwerk hingelegt. Los ging es am 1. Januar mit einem Kurs von 998 Dollar. Bis zum 17. Dezember 2017 kletterte der Kurs auf den Rekordstand von 20.000 Dollar. Auch wenn man das darauffolgende Abrutschen hinzurechnet, kommt man immer noch auf ein Kursplus von rund 1.300 Prozent. Sollten sich die Pläne von Notenbanken konkretisieren, eigene Kryptowährungen herauszugeben, und der Bitcoin durch neue Finanzprodukte noch stärker an den Weltbörsen ankommen, dann könnte das Kursfeuerwerk erst richtig losgehen. Analysten der Saxo-Bank halten einen Bitcoin-Kurs von 60.000 Dollar im Jahr 2018 für möglich.


Was vielen Anlegern rund um den Bitcoin-Hype aber entgangen ist: Eine Reihe an Digitalwährungen hat sich noch besser entwickelt als die Krypto-Leitwährung. Eine virtuelle Münze hat sogar unglaubliche 36.000 Prozent an Wert zugelegt und viele Anleger der ersten Stunde reich gemacht. Die folgende Übersicht zeigt die Top Sieben des Krypto-Reichs, die den Bitcoin im Jahr 2017 geschlagen haben.

Platz 7: Cardano

Kursplus 2017: Knapp 2.800 Prozent

Cardano ist eine recht junge Kryptowährung, die 2015 gegründet wurde. Ziel ist laut Eigendarstellung, alle bisherigen Probleme existierender Kryptowährungen auf streng wissenschaftlicher Basis zu erforschen und zu lösen. Technologisch baut Cardano wie der Bitcoin auf der Blockchain auf, die durch intelligente Verträge und eine einfache globale Skalierbarkeit verbessert werden soll.

Träger des Projekts ist die Cardano Foundation mit Sitz im schweizerischen Zug, dem Zentrum des europäischen „Crypto Valleys“. Mit der hauseigenen Kryptowährung namens ADA soll der globale Transfer von Werten schnell und sicher möglich werden. Cardano befindet sich nach wie vor im Aufbau.

Platz 6: Litecoin

Kursplus 2017: Über 5.000 Prozent

Litecoin wurde 2011 von Charlie Lee gegründet, einem Absolventen der US-Eliteuniversität MIT in Boston, indem er den Computercode des Bitcoins als Basis nahm und diesen veränderte. „Die Idee war, dass der Litecoin eine Ergänzung zum Bitcoin werden soll“, erklärte Lee auf einer Branchenkonferenz im März 2017. Litecoin ist damit so etwas wie der kleine Bruder des Bitcoins: Eine Transaktion abzuschließen geht schneller, verbraucht weniger Energie, und die Münzen kosten selbst nach dem deutlichen Anstieg immer noch weniger als ein Bitcoin. Auch wird es mehr Litecoins als Bitcoins geben.


Lee, ein früherer Google-Ingenieur, der 2013 zur Kryptobörse Coinbase wechselte, hat das System so programmiert, dass insgesamt 84 Millionen Litecoins geschürft werden können – viermal so viele, wie es Bitcoins geben wird. Wenn Bitcoin das digitale Gold ist, soll Litecoin digitales Silber sein. „Bitcoins kann man nutzen, um Dollar in Millionenhöhe zu bewegen, Häuser und Autos zu kaufen“, sagte Lee. „Litecoin dagegen ist für alles, was billiger ist.“ Zuletzt geriet der Gründer wegen des Verkaufs seiner Litecoin-Bestände in die Schlagzeilen.

Platz 5: Ethereum

Kursplus 2017: Knapp 9.200 Prozent

Kurz zusammengefasst könnte man sagen: Beim Bitcoin geht es um Geldzahlungen. Bei Ethereum geht es darum, eine ganz neue Unternehmenswelt zu schaffen. Harte Bitcoin-Fans träumen von einer Welt ohne Banken und Zentralbanken. Harte Ethereum-Fans träumen von einer Welt ohne Firmenchefs. Wie Bitcoin basiert Ethereum auf der Blockchain-Technik, aber das System kann mehr. 2013 hatte der damals 19-jährige, in Russland geborene und in Toronto aufgewachsene Vitalik Buterin die Idee, die Blockchain um einen Algorithmus zu erweitern, mit dem sich relativ einfach automatische Abläufe programmieren lassen, etwa Zahlungen, die unter bestimmten Bedingungen von allein in Gang gesetzt werden, sogenannte Smart Contracts. Der Kühlschrank könnte damit eigenständig einkaufen gehen oder das selbstfahrende Auto mit der Mautstation kommunizieren.


Weil er die Bitcoin-Gemeinde nicht für den Vorschlag gewinnen konnte, beschloss Buterin, ein eigenes Projekt zu entwickeln. Zusammen mit drei Partnern gründet er im darauffolgenden Jahr Ethereum. Fernziel ist die Schaffung dezentraler autonomer Organisationen, sogenannter DAO, sich selbst verwaltender Krypto-Unternehmen, deren Eigentümer über die Ethereum-Blockchain das Management direkt mitbestimmen. Buterin wollte von Anfang an, dass Ethereum ein offenes Projekt bleibt. Organisatorisch packte er es daher in eine Stiftung im Schweizer Kanton Zug.

Ethereum galt lange als der innovativere Bitcoin, viele andere Anwendungen laufen inzwischen auf der Ethereum-Blockchain. Gründer Buterin sieht das Kursfeuerwerk bei Digitalwährungen kritisch und drohte zuletzt mit Rückzug, sollten allein die Spekulanten die Zukunft des Projekts bestimmen.


Platz 4 bis 1: Von dunklen und elitären Münzen


Platz 4: Dash

Kursplus 2017: Knapp 9.300 Prozent

Dash (für englisch „Digital Cash“) ist ein Bitcoin-Klon, dessen Hauptzweck deutlich wird, wenn man den ursprünglichen Namen des Projekts kennt: 2014 war Dash unter den Namen XCoin oder Darkcoin gestartet. Ziel war der Aufbau einer Kryptowährung, die vor allem dem Datenschutz dienen soll und damit der Privatsphäre ihrer Nutzer. Diese wickeln häufig unregulierte, zum Teil illegale Geschäfte mit Dash ab.

Im Gegensatz zum Bitcoin sind bei Dash die Transaktionsinformationen nicht öffentlich. Möglich macht das ein Überweisungssystem namens PrivateSend (vormals Darksend). Dieses vermischt einzelne Überweisungen mit denen anderen Parteien und verschleiert sie somit.

Platz 3: Stellar

Kursplus 2017: Über 14.400 Prozent

Stellar ist ein Transaktions-Netzwerk, das auf dem Open-Source-Gedanken aufbaut. Gegründet wurde es von 2014 von Jed McCaleb, dem Gründer der US-Filesharing-Plattform eDonkey, deren Nutzer Filme, Musik und andere Dateien – nicht immer legal – peer-to-peer, das heißt direkt und ohne zwischengeschaltete Börse tauschen. Stellar fußt auf dem modifizierten Protokoll des Konkurrenten Ripple.


Das Netzwerk basiert auf folgender Idee: Statt Überweisungen zwischen Accounts zu tätigen, wie etwa bei einer Bitcoin-Transaktion, lassen sich vielmehr die Besitzrechte an einem Account einfach übertragen. Beobachtern zufolge ähnelt Stellar daher weniger einer klassischen Kryptowährung, sondern mehr einem System zur Transaktion digitaler Schuldscheine (sogenannter virtueller IOUs). Der nötige Konsens wird im Netzwerk sehr schnell hergestellt, typischerweise innerhalb von zwei bis vier Sekunden, was Stellar vom zunehmend überlasteten und langsamen Bitcoin-Netzwerk unterscheidet. Eine Reihe von Nonprofit-Organisationen und Unternehmen arbeiten bereits mit Stellar zusammen, insbesondere in Schwellenländern.

Platz 2: NEM

Kursplus 2017: Über 29.800 Prozent

NEM wurde 2015 gegründet und basiert wie der Bitcoin auf der Blockchain-Technologie. Die Kryptowährung unterscheidet sich technisch in einem wichtigen Punkt deutlich von den meisten Mitbewerbern.


Der Bitcoin und viele andere virtuelle Münzen setzen bei der Pflege der Blockchain-Datenbank auf die Proof-of-work-Methode (POW): Bei dieser lösen die Produzenten, die sogenannten Miner, komplizierte Rechenaufgaben. Finden sie eine Lösung, dürfen sie neue Transaktionen der Blockchain-Datenbank hinzufügen und werden dafür mit neuen Münzen belohnt. NEM hingegen basiert auf der Proof-of-Importance-Methode (POI). Diese geht davon aus, dass die Teilnehmer mit den größten Beständen an virtuellen Münzen das höchste Interesse an einem regulären Funktionieren des NEM-Systems haben. Sie werden daher bevorzugt mit der Pflege der Datenbank betraut. Ein Reputationssystem, das sich vergangene Handlungen anschaut, soll den guten Leumund der Beteiligten sicherstellen.

Die NEM-Software gilt im Krypto-Bereich als besonders effizient, entfernt sich jedoch durch die Bevorzugung der größten Teilnehmer deutlich von der ursprünglich egalitären Blockchain-Vision. Sie wird in einer kommerziellen Blockchain namens Mijin verwendet, die von Banken und Unternehmen vor allem in Japan getestet wird.

Platz 1: Ripple

Kursplus 2017: Rund 36.000 Prozent

Anders als Bitcoin ist Ripple eine Kryptowährung, die mit Banken überall auf der Welt zusammenarbeitet. Santander, Unicredit, UBS und die Frankfurter Reisebank gehörten zu den Partnern, insgesamt zählt Ripple über 100 Kunden aus der Finanzindustrie. Die Ripple-Blockchain vereinfacht internationale Geldtransfers. Das System ist schnell und stabil, 1500 Transaktionen pro Sekunde kann Ripple verarbeiten. Zum Vergleich: Das Bitcoin-System schafft gerade einmal sieben. Beim Kreditkartenkonzern Visa sind es rund 3700 pro Sekunde. Zudem hat Ripple im Dezember wie angekündigt ein umfassendes technisches Update vollzogen, das die Verfügbarkeit der digitalen Währung sicherstellen soll.


Grund für den rapiden Kursanstieg zum Jahresende 2017 sind Ankündigungen von Banken in Japan und Südkorea, Ripple bis Ende Januar zu testen. Danach wollen sie, wenn alles nach Plan läuft, die Technologie für Geldtransfers nutzen. Einem Bericht der japanischen Wirtschaftszeitung „Nikkei“ zufolge rechnen die Finanzinstitute damit, ihre Kosten mit Ripple um bis zu 30 Prozent zu reduzieren.

„In einem Umfeld, in dem es viel Hype gibt, ist Ripple ein Akteur, der reale Fortschritte liefert“, sagte Ripple-Chef Brad Garlinghouse dem US-Börsensender CNBC. Das 2012 gegründete Start-up aus San Francisco zählt unter anderem die renommierten Risikokapitalgeber Andreessen Horowitz und Google Ventures zu seinen Geldgebern. Der Börsenbetreiber CME Group sowie der Venture-Arm der spanischen Bank Santander gehören ebenfalls zu den Investoren.

Was Krypto-Anhängern der ersten Stunde als Schreckensvision erscheinen muss, will Ripple schaffen: die Blockchain-Technologie der klassischen Finanzindustrie dienstbar zu machen. Zumindest Spekulanten scheint der Plan zu überzeugen: Mit einem Kursplus von rund 36.000 Prozent im vergangenen Jahr lässt Ripple den Urahnen Bitcoin weit hinter sich.

Hier geht es zur Seite mit dem Bitcoin-Kurs, hier können Sie aktuelle Wechselkurse berechnen.

KONTEXT

Hackerangriffe auf Bitcoin & Co

Bereits knapp eine Million Bitcoin gestohlen

Börsen, an denen Bitcoin & Co. gehandelt werden, sind ein beliebtes Ziel von Hackern. Bei ihren Überfällen erbeuten sie manchmal Millionen und stürzen die Betreiber der Handelsplattformen oft in die Insolvenz. Bislang wurden insgesamt knapp eine Million Bitcoin gestohlen - zum aktuellen Kurs ist das eine Beute von 8,2 Milliarden Dollar.

Einer Studie von Tyler Moore zufolge, einem Professor für Cyber-Sicherheit an der Universität von Tulsa, wurden seit der Erfindung von Bitcoin 2009 ein Drittel aller Handelsplattformen für Krypto-Währungen gehackt. Nach Angaben der Datenschutz-Organisation Privacy Rights Clearinghouse lag die Quote bei US-Banken im gleichen Zeitraum bei einem Prozent.

Mt.Gox

Am bekanntesten ist die Attacke auf die damals weltgrößte Bitcoin-Börse Mt.Gox aus Japan. Etwa 25.000 Kunden verloren rund 650.000 Bitcoin - aktueller Wert: 5,3 Milliarden Dollar. Die Bitcoin-Börse, über die seinerzeit 90 Prozent des weltweiten Handels abgewickelt wurden, schlitterte daraufhin Anfang 2014 in die Pleite. Der Insolvenzverwalter der Börse hat Ansprüche von Geschädigten im Volumen von 400 Millionen Dollar anerkannt.

Tether

Das jüngste Hacking-Opfer ist Tether. Das Startup teilte am 21. November 2017 mit, "externe Angreifer" hätten die gleichnamige Kryptowährung im Volumen von 31 Millionen Dollar gestohlen. Dem Branchendienst CoinMarketCap.com zufolge ist Tether mit einem Börsenwert von insgesamt 674 Millionen Dollar die Nummer 19 der insgesamt etwa 1300 Internet-Währungen.

Bitfinex

Im August 2016 erbeuteten Hacker bei einem Angriff auf die Hongkonger Handelsplattform Bitfinex 120.000 Bitcoins im damaligen Wert von etwa 70 Millionen Dollar. Gemessen am aktuellen Kurs beläuft sich der Schaden auf 982 Millionen Dollar.

Cryptsy

Im Juli 2017 wurde der Betreiber der kollabierten Börse Cryptsy dazu verurteilt, 8,2 Millionen Dollar an seine Kunden zu zahlen. Der Richter sah es als erwiesen an, dass 11.325 Bitcoin (heutiger Wert: rund 92 Millionen Dollar) gestohlen wurden. Allerdings blieb unklar, von wem.

Kraken

Am 7. Mai 2017 verloren Kunden der Handelsplattform Kraken einer Klageschrift zufolge fünf Millionen Dollar, weil sie während eines Hacker-Angriffs nicht auf ihre Konten zugreifen konnten. In dieser Zeit stürzte der Kurs der Internet-Währung Ether auf der Handelsplattform um 70 Prozent ab. Die Ether-Bestände derjenigen Anleger, die auf Pump spekuliert hatten, wurden daher zwangsverkauft.

Quelle: Reuters

KONTEXT

Finger weg oder kaufen? Zehn Fragen zum Bitcoin

1. Warum ist der Bitcoin-Kurs so stark gestiegen?

Der Bitcoin hat in diesem Jahr über 1.000 Prozent zugelegt. Das beispiellose Kursfeuerwerk hat viele Gründe. Ein wesentlicher Treiber des Preises war zuletzt das gestiegene Interesse der klassischen Finanzwelt. Hedgefonds und Investmentbanken interessieren sich plötzlich für die Kryptowährung. Kommende Woche wird der erste Bitcoin-Future an einer renommierten Börse angeboten, der CBOE. Eine Woche darauf startet die weltgrößte Terminbörse CME mit einem ähnlichen Angebot. Im ersten Halbjahr 2018 will auch die US-Technologiebörse Nasdaq nachziehen. Kein Wunder, dass mit dem zunehmenden Erfolg der digitalen Währung die Anzahl von Kleinanlegern stieg, was den Kurs ebenfalls befeuert hat. Inzwischen begeistern sich Anleger überall auf der Welt für die weltweit größte Kryptowährung, die auf der Blockchain-Technologie basiert. Sie ermöglicht es, digitales Geld direkt von einer Person zur anderen zu transferieren, ohne dass eine Bank als Mittelsmann eingeschaltet werden muss.

Die Hoffnung auf eine Revolution im Finanzsystem ist groß. Selbst ein Verbot von Krypto-Börsengängen (sogenannte "Initial Coin Offerings", kurz: ICOs) und die Schließung mehrerer Kryptobörsen in der einstigen Bitcoin-Nation China konnten den Erfolg der Währung nicht stoppen.

2. Ist es eine Blase?

Viele Finanzexperten sind fest davon überzeugt, dass der Bitcoin-Boom bald wieder vorbei sein wird. Schließlich ist eine digitale Währung nur so viel wert, wie die Nutzer bereit sind, dafür zu bezahlen. Den Skeptikern ist verdächtig, dass der Kurs des Bitcoins so rapide gestiegen ist - es könnte eine Blase sein. Selbst Krypto-Unternehmer, die die Branche maßgeblich mit vorantreiben, warnen private Investoren davor, große Summen ihrer Ersparnisse zu diesen Preisen in Bitcoins zu stecken. Doch es gibt auch die Optimisten: Eine große Anzahl von Visionären geht vom Erfolg des Bitcoins aus. Ob es eine Blase ist oder sich die Kryptowährung langfristig als eine Art digitales Wertaufbewahrungsmittel durchsetzen wird, kann nur die Zukunft zeigen.

3. Wie kann ich Bitcoins kaufen?

Bitcoins erstehen Anleger ähnlich wie Aktien an elektronischen Handelsplätzen. In Deutschland gehören zum Beispiel www.bitcoin.de, Kraken, Coinbase und Anycoin Direct zu den bekanntesten Kryptobörsen. Nutzer müssen sich zunächst anmelden, können dann loslegen.

Es gilt die Regel: Je größer die Beträge sind, die ein Investor handeln will, desto strenger sind die Anforderungen zur Identifizierung. Zu den meistverbreiteten Methoden gehört es, sich via Skype mit einem Mitarbeiter eines Börsenbetreibers zusammenzuschalten. Der potenzielle Anleger hält dann zur Identifizierung einen Personalausweis neben sein Gesicht.

Was Anleger im Vorfeld beachten sollten: Jede Börse erhebt unterschiedliche Gebühren für den Kauf von Bitcoins. So verlangt etwa Bitcoin.de 0,5 Prozent pro Kauf. Bei Kraken sind es dagegen 0,26 Prozent. Zudem können die Gebühren auch in Abhängigkeit des gewählten Zahlungsmittels variieren. Wer seine Bitcoins mit Kreditkarte bezahlt, muss mehr Gebühren bezahlen als bei einer Sepa-Überweisung. Dafür dauert es in der Regel zwei Tage, bis die Sepa-Transaktion abgeschlossen ist und die Bitcoins auf dem Konto des Nutzers ankommen.

Bei den meisten Börsen ist es möglich, die erworbene Kryptowährung mit Euro zu bezahlen. Davon zu unterscheiden sind Handelsplätze wie Shapeshift - reine Krypto-Börsen. Dort können beispielsweise Bitcoins in Ether oder andere digitale Währungen umgewandelt werden. Euro oder Dollar werden dagegen nicht akzeptiert.

4.Wie hoch kann der Kurs noch steigen?

Im Prinzip gibt es keine Grenze nach oben. Befürworter der Währung halten einen weiteren rasanten Kursanstieg für möglich. Sie sind jedoch oft Teil der Branche und haben damit ein eigenes Interesse am Erfolg der Währung. "Wir sind noch am Anfang der Entwicklung. Der Bitcoin-Preis kann auf lange Sicht auch auf 100.000 Dollar oder mehr steigen. Wenn Bitcoin erfolgreich bleibt und weite Verbreitung findet, gibt es keinen Grund, der dagegenspricht", sagt etwa Timo Schläfer, Mitgründer der Londoner Börse Crypto Facilities.

5. Muss ich meine Bitcoin-Gewinne versteuern?

Wer Bitcoins über eine Handelsplattform kauft, muss die Gewinne unter Umständen versteuern. Das gilt für den Bitcoin genauso wie für andere Kryptowährungen - wie Ether, Ripple und Litecoin. Der Handel "zählt steuerlich zu den privaten Veräußerungsgeschäften - auch Spekulationsgeschäfte genannt", erklärt der Verein Vereinigte Lohnsteuerhilfe. Entscheidend für die Besteuerung sei jedoch, wann die digitale Währung gekaut und wieder verkauft werde. "Haben Sie Bitcoin & Co. vor mehr als einem Jahr gekauft, ist die Sache einfach: Ihre Veräußerungsgewinne bleiben steuerfrei", versichern die Experten.

Wer die Bitcoins dagegen nur wenige Monate hält und sie dann mit Gewinn veräußert oder tauscht, müsse den Gewinn mit dem persönlichen Steuersatz versteuern. "Es gibt allerdings eine Freigrenze, die beim Sparen hilft", erklärt der Lohnsteuerverein. "Denn private Veräußerungsgeschäfte bleiben bis zu einer Freigrenze von 600 Euro pro Jahr steuerfrei."

Wie die Veräußerungsgewinne ermittelt werden, ist derzeit jedoch nicht eindeutig geregelt. Schließlich unterliegt der Bitcoin starken Schwankungen. Ein Anleger könnte daher mit einem Bitcoin einen hohen Veräußerungsgewinn erzielen, weil er ihn günstig gekauft hat, mit dem nächsten jedoch nur einen kleinen Gewinn, wenn er ihn zu einem höheren Preis erworben hat. Steuerberater empfehlen, sich daher an der sogenannten "First-in-first-out"-Methode zu orientieren. Der Bitcoin, der zuerst gekauft wurde, muss demnach auch zuerst wieder verkauft werden. In jedem Fall sollten Bitcoin-Besitzer ihre Geschäfte genau dokumentieren. Dann können sie dem Finanzamt bei Bedarf genaue Auskünfte liefern.

6. Können Bitcoins gestohlen werden?

Ja! Bei aller Euphorie sollten Nutzer nicht vergessen, dass das Besitzen von Bitcoins mit einigen Risiken verbunden ist. Bislang ist nicht bekannt, dass das eigentliche Bitcoin-Netzwerk gehackt wurde. Bei Dienstleistern wie Handelsplätzen oder den Anbietern von Wallets, einer Art digitaler Geldbörse, haben Hacker allerdings in der Vergangenheit immer wieder Bitcoins von ahnungslosen Nutzern gestohlen. Der bekannteste Hack ist der um Mount Gox aus dem Jahr 2014. Mount Gox war zu der Zeit die größte Bitcoin-Börse, die von dem Franzosen Mark Karpelès von Japan aus betrieben wurde. 850.000 Bitcoins verschwanden im Wert von damals 450 Millionen Dollar. Zu heutigen Preisen wären es bereits über elf Milliarden Dollar. Und das Risiko besteht unvermindert weiter: Erst vergangenen Mittwoch meldete der Krypto-Anbieter Nicehash, dass er Opfer eines Hackerangriffs geworden sei.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Bitcoins und andere Kryptowährungen aufzubewahren. Einige Börsen bieten an, die dort gekauften digitalen Münzen auch auf ihren Rechnern zu speichern. Andere Dienste verschlüsseln die digitalen Währungen. Eine weitere Möglichkeit, zu der einige Experten raten: sogenannte "Hardware Wallets" zu benutzen - eine Art USB-Stick, auf dem sich bestimmte Kryptowährungen speichern lassen. Sie werden nur dann an den Computer angeschlossen, wenn der Besitzer kaufen, verkaufen oder digitale Währungen an andere Nutzer verschicken will. Sonst ist er offline und damit vor Hackerangriffen geschützt. Trezor heißt einer der bekannteren Anbieter. Allerdings: Nicht jede beliebige digitale Währung lässt sich auf einem Stick speichern, sondern nur jene, die von dem jeweiligen Anbieter unterstützt wird. Nachteil: Anleger sollten die Sticks nicht verlieren.

7. Sind Bitcoins reguliert?

Es war ein Teil der Faszination rund um den Bitcoin, dass die Kryptowährung zunächst weitgehend unreguliert war. So waren Bitcoins in ihren frühen Jahren ein beliebtes Zahlungsmittel im sogenannten Darknet, da sich die Transaktionen nicht so einfach zurückverfolgen ließen. Derzeit steigt mit dem zunehmenden Erfolg aber auch das Maß an Regulierung. Einige Börsen und Investmentfonds sind damit von den zuständigen Finanzaufsichten in ihrem jeweiligen Heimatland beauftragt worden. Auch die Bitcoin-Futures, die ab kommender Woche in Chicago gehandelt werden, wurden von Aufsehern abgesegnet. Zentralbanken diskutieren angesichts des Kursfeuerwerks ebenfalls über eine Regulierung von Kryptowährungen. Die Regierung in China hat Kryptobörsengänge, sogenannte ICOs, bereits verboten und den Handel mit digitalen Währungen stark eingeschränkt.

Großbritannien macht sich dafür stark, dass Regeln gegen Geldwäsche auch für Kryptowährungen gelten, ebenfalls wurden Steuerbehörden aktiv. So hat etwa die US-Steuerbehörde IRS von der größten Kryptobörse des Landes, Coinbaise, Informationen über ihre Kunden verlangt. Sie will sicherstellen, dass die neuen Kryptomillionäre ihren Reichtum auch angemessen versteuert haben.

8. Wie funktioniert das Schürfen?

Der Bitcoin basiert auf der sogenannten Blockchain-Technologie. Damit wird eine dezentrale Datenbank bezeichnet, die auf weltweit Tausenden von Rechnern gespeichert ist und ständig erweitert wird. Es handelt sich sozusagen um eine lange Kette von Datenblöcken. Alle neuen Transaktionen - zum Beispiel der Kauf von Bitcoins - werden von einer Art digitalem Buchhalter gebündelt und in Form von neuen Blöcken an die Kette angehängt. Für ihre Arbeit werden sie mit Bitcoins belohnt.

Der Haken des Verfahrens: Die Buchhalter können die Datenblöcke nur hinzufügen, wenn ihre Computer Rechenaufgaben lösen, die der Bitcoin-Algorithmus vorgibt. Für jeden neuen Block, der an die Kette angehängt wird, gibt es einen Wettbewerb zwischen den Computern. Wer die Aufgabe als Erstes löst, gewinnt.

Die Aufgaben werden über die Zeit immer komplizierter. Konnte sie früher noch jeder am heimischen PC lösen, sind die Produzenten heute meist Betreiber großer Computernetzwerke. Diese lösen die zunehmend komplizierteren Rechenaufgaben. Weil das viel Energie verschlingt, sitzen die Produzenten aufgrund des billigen Stroms vor allem in China und werden Schürfer (englisch: "Miner") genannt.

Da die Rechenaufgaben komplexer werden, sinkt die Zahl der neu produzierten Bitcoins. Der Algorithmus besitzt sogar eine absolute Obergrenze: Bei 21 Millionen Münzen ist Schluss. Über 16 Millionen sind bereits produziert, das "Mining" von neuen wird schwieriger. Somit wird der Bitcoin über die Zeit seltener und wertvoller.

Das System gilt als praktisch fälschungssicher, da nicht nur eine zentrale Datenbank existiert, sondern die Blockchain auf einer Vielzahl von Rechnern gleichermaßen existiert: Jeder Teilnehmer kann die vorhandenen Kopien miteinander vergleichen. Ist in einer eine nachträgliche Manipulation versteckt, fällt das aufgrund der vielen Kopien sofort auf.

9. Können Anleger in Fonds für Bitcoins investieren?

Bisherige Versuche, börsengehandelte Fonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETFs), für Bitcoins aufzulegen, sind am Widerstand der Aufsichtsbehörden gescheitert. So versuchen die Zwillinge Cameron und Tyler Winklevoss, bekannt zunächst als Ruderer und dann als Investoren, seit Langem, von der US-Wertpapieraufsicht (SEC) die Genehmigung für einen Bitcoin-ETF zu erhalten - bisher ohne Erfolg. Erst im Frühjahr hatten sie den Versuch unternommen, den "Winklevoss Bitcoin Trust ETF" aufzulegen - erfolglos.

Die Winklevoss-Zwillinge wurden vor wenigen Tagen zu den ersten Bitcoin-Milliardären gekürt. Bereit s im Jahr 2013 haben sie für elf Millionen Dollar Bitcoins gekauft. Das war ein Teil der Entschädigung, die sie von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg erstritten hatten. Sie werfen dem Facebook-Chef vor, die Idee für das "§soziale Netzwerk von ihnen gestohlen zu haben. Heute betreiben die Zwillinge die New Yorker Kryptobörse Gemini.

Einige wenige Anbieter haben klassische Investmentfonds entwickelt, die in einen Korb von verschiedenen Kryptowährungen investieren. Diese Fonds sind bislang jedoch vor allem für institutionelle Investoren zugänglich. Das könnte sich ändern. Denn auf den Start der regulierten Bitcoin-Futures kommende Woche könnten weitere Finanzprodukte folgen. So wäre es zum Beispiel denkbar, einen ETF zu entwickeln, der auf Bitcoin-Futures basiert.

10. Was sind die größten Risiken?

Zu den Risikofaktoren zählt ein möglicher und erfolgreicher Hackerangriff auf die gesamte Infrastruktur. Bislang ist das System davon verschont geblieben. Lediglich Dienstleister, die auf den Bitcoins basierende Angebote betreiben, hatten bislang mit Angriffen zu kämpfen.

Ein weiteres Risiko besteht seitens der Regulierer. Sollten die G20-Staaten zum Beispiel gemeinsam den Bitcoin-Handel verbieten - ähnlich wie in China geschehen -, würde das den Preis stark beeinflussen. Selbst wenn der Bitcoin nur strenger reguliert würde, sind die Auswirkungen unklar. Immerhin hat der Bitcoin lange Zeit davon profitiert, weitgehend unreguliert zu sein. Sobald sich alte Finanzwelt und Aufseher zu stark einmischen, könnte das die neue Kryptowährung unattraktiv machen.

Auszuschließen ist auch nicht, dass es irgendwann eine neue, bessere Kryptowährung geben wird, die den Bitcoin ablösen wird. Denn: Das Schürfen der digitalen Münzen ist extrem energieaufwendig. Berechnungen des Analysedienstes Digiconomist zufolge liegt der jährliche Stromverbrauch des Bitcoin-Netzwerks um die 30 Terawattstunden und liegt damit auf dem Niveau von Dänemark.

Und das System kann die hohe Nachfrage kaum noch bewältigen. Rund sieben Transaktionen pro Sekunde kann die Bitcoin-Blockchain abwickeln. Zum Vergleich: Der Kreditkartenkonzern Visa schafft an normalen Tagen 2.000 Transaktionen pro Sekunde. Updates müssen her. Doch in einem dezentralen System ist das nicht so einfach.