Kuroda macht keinen Finger krumm


Die japanische Notenbank bleibt sich und ihrer ultralockeren Geldpolitik treu. Während die US-amerikanische Federal Reserve und mit Einschränkungen auch die Europäische Zentralbank ihre Geldschleusen langsam schließt, weicht die Bank of Japan (BoJ) nicht von ihrem ultralockeren Kurs. Auch auf ihrer heutigen Sitzung ließen die Währungshüter die Finger von ihrem Instrumentarium.

Der Strafzins auf Einlagen von Finanzinstituten bleibt bei 0,1 Prozent, wie die Bank von Japan (BoJ) am Dienstag mitteilte, der Leitzins blieb mit minus 0,1 Prozent ebenfalls unberührt. Alles andere wäre auch eine große Überraschung gewesen. Zudem strebt sie weiterhin eine Rendite von rund null Prozent auf zehnjährige Staatsanleihen an. „Für Japans Wirtschaft ist es wichtig, dass die BoJ geduldig ihre kraftvolle Politik der geldpolitischen Lockerung fortsetzt“, sagte Notenbankchef Haruhiko Kuroda.

Die Zentralbank ist laut Kuroda wegen der anhaltend niedrigen Inflation noch nicht in der Lage, die Zügel zu straffen. Anders als in anderen Währungsgebieten, wo die Teuerungsraten bereits um 1,5 Prozent pendelten, sei in Japan noch immer kaum Preisauftrieb spürbar. Dabei hat sich die BoJ auf die Fahnen geschrieben, mit ihrer Geldschwemme dafür zu sorgen, dass die Inflationsrate bis Anfang des kommenden Jahrzehnts auf die Marke von zwei Prozent getrieben wird: „Diese ist noch in einer gewissen Entfernung. Daher können wir noch nicht darüber sprechen, wie wir eine Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik takten“, so Kuroda.


Mit Blick auf die Preisentwicklung schlug die Bank of Japan dennoch etwas optimistischere Töne an. Sie schätzte die Inflationsaussichten etwas günstiger ein als vor drei Monaten, als sie von gedämpften Aussichten sprach. Das stützte die Landeswährung Yen, die um 0,3 Prozent aufwertete. Am Devisenmarkt musste man am Dienstag für einen US-Dollar 110,64 Yen auf den Tisch legen.

Die Notenbank versucht seit Jahren mit Wertpapierkäufen in großem Stil, der Konjunktur Auftrieb zu verleihen. Eine Spirale aus fallenden Preisen, sinkenden Löhnen und stockenden Investitionen hatte Japan lange Zeit gelähmt. Eine solche Deflationsfalle ist für eine Wirtschaft deswegen so schlimm, weil Verbraucher und Unternehmen in der Hoffnung auf immer niedrigere Preise Käufe aufschieben und die Dynamik abwürgen.

Die Bank of Japan gilt als stilbildend, was unkonventionelle Geldpolitik anbelangt. Weil sie sich anders als die übrigen großen Notenbanken schon früh einem Deflationsszenario erwehren musste, entwickelte sie offensive Maßnahmen wie etwa massive Wertpapierkäufe. Zur Bekämpfung der Finanzkrise und später der Staatsschuldenkrise machten es ihr die US-amerikanische Federal Reserve und die Europäische Zentralbank nach.

Kuroda sei von Ministerpräsident Shinzo Abe eigens dafür eingestellt worden, seine Vorstellungen einer ultraexpansiven Geldpolitik durchzusetzen, sagte Chefökonom Uwe Burkert von der Landesbank LBBW. „Abe will, dass die BoJ diese fortsetzt und Kuroda hat gute Chancen, in diesem Jahr eine Verlängerung seines auslaufenden Vertrages bei der BoJ zu erhalten.“