Wolfsburg auf CL-Kurs - aber Zittern um Weghorst

SPORT1
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Königsklassen-Coup nach dem Corona-Schrecken: Der VfL Wolfsburg hat trotz des kurzfristigen Ausfalls von vier Leistungsträgern den VfB Stuttgart im letzten Bundesliga-Spiel des Jahres mit 1:0 (0:0) geschlagen und vor den Feiertagen noch Champions-League-Platz vier erobert. (Die Tabelle der Bundesliga)

Mann des Tages war dieses Mal nicht die Wolfsburger Lebensversicherung Wout Weghorst, sondern Josip Brekalo, dessen zweimal abgefälschter Flipper-Freistoß in der 49. Minute den Weg ins Netz fand. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

"Ich glaube, dass wir die erste Halbzeit die besseren Möglichkeiten hatten und die bessere Mannschaft waren", erklärte Weghorst bei Sky. "Es war heute ganz knapp. Es war nicht das beste Fußballspiel. Wir gewinnen dann durch einen Freistoß, der etwas glücklich reingeht. Eine überragende Mannschaftsleistung. Wir sind die Herausforderung super angegangen. Ein ganz großes Lob."

Nach gerade mal einer Niederlage an den ersten 13 Spieltagen befinden sich die Wölfe auf einem guten Weg, 2021 die Champions League klarzumachen, doch ob Neun-Tore-Stürmer Weghorst dann noch an Bord ist, steht in den Sternen. (Spielplan und Ergebnisse der Bundesliga)

Es ist durchaus möglich, dass sich der Niederländer, der noch einen Vertrag bis 2023 hat, verabschiedet und seinen Traum von der englischen Premier League verwirklicht. Im schlimmsten Fall für Wolfsburg sogar schon im Winter. So soll Tottenham Hotspur nach dem Flirt im vergangenen Sommer weiter an dem Stürmer interessiert sein.

Weghorst vermeidet klares Bekenntnis

Beim richtigen Angebot könnte Wolfsburg Medienberichten zufolge einem Winterwechsel zustimmen, als Ablösesumme schweben den VfL-Verantwortlichen wohl mindestens 35 bis 40 Millionen Euro vor.

Weghorst selbst vermeidet ein klares Bekenntnis zu Wolfsburg, doch die Champions League stellt er noch über die Premier League.

"Champions League ist mal geiler, wir sind auf einem sehr guten Weg", sagte Weghorst. "Wir stehen jetzt auf Platz vier. Wir sind super drauf, wir sind super als Mannschaft. Für mich persönlich läuft es auch sehr gut. Wir sind an etwas Schönem dran. Da liegt der Fokus drauf."

Ein Weggang im Winter von Weghorst wäre ein herber Verlust für Wolfsburg, doch sein Trainer Oliver Glasner ist zuversichtlich, dass er seinen geschätzten Sturmtank noch länger trainieren darf.

"Wout weiß sehr gut, was er am VfL Wolfsburg hat", sagte Glasner vor der Partie, "auch welchen Stellenwert er in der Mannschaft hat, wie wohl er sich fühlt und wie die Jungs ihn auf dem Platz einsetzen. Der VfL und wir wissen auch, was wir an Wout haben."

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Wie gefestigt der VfL sich derzeit präsentiert, zeigte er trotz des Corona-Ausbruchs eindrucksvoll gegen Stuttgart, denn die Niedersachsen hatten ohne die positiv auf COVID-19 getesteten Maximilian Arnold und Jérôme Rousillon sowie deren Kontaktpersonen Xaver Schlager und Maximilian Philipp antreten müssen. Auch Nachwuchsmann Tim Siersleben musste sich wie seine Mitspieler auf Anweisung des Gesundheitsamts separieren.

"Angst hatten wir wegen der positiven Tests nicht, aber die Vorbereitung war schon gestört", sagte Weghorst.

Erstes Auswärtspleite für Stuttgart

Für den so auswärtsstarken Aufsteiger aus Stuttgart war es unterdessen am 13. Spieltag die erste Auswärtsniederlage. Trotz des Dämpfers starten die Schwaben Anfang Januar als starker Siebter in die zweite Saisonphase.

"Ich denke, wir waren heute über weite Strecken auf Augenhöhe oder das ganze Spiel auf Augenhöhe", sagte Stuttgarts Marc-Oliver Kempf. "Heute hat man einfach gemerkt, dass irgendwann die eine Torchance entscheiden kann, natürlich unglücklich, dass es so ein Ping-Pong-Tor ist, wo der Ball mit gefühlt 2 km/h ins Tor reingeht."

Die Hausherren legten sofort den Vorwärtsgang ein, doch auch der VfB machte von Beginn an mit und es ging rasant hin und her. In der neunten Spielminute forderten die Gäste nach einem resoluten Rempler von Ridle Baku gegen Nicolás González einen Strafstoß - doch Referee Florian Badstübner war das zu wenig.

"Ich stelle den Körper rein, aber ich denke, den muss man nicht geben", sagte Baku. "Ich bin mit der Schulter hin, Schulter an Schulter, dann ist es meistens so, dass einer den Kürzeren zieht. Im Strafraum ist es relativ heikel, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es kein Elfmeter war, also richtige Entscheidung."

VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo meinte dagegen: "Den kann man pfeifen."

Wamangituka und González vergeben Großchancen

Fast im Gegenzug tauchte dann Yannick Gerhardt frei vor VfB-Keeper Gregor Kobel auf, er blieb mit seinem Heber jedoch hängen (11.). Kurz bevor ein Treffer von Wolfsburgs Gerhardt wegen eines vermeintlichen Fouls keine Anerkennung fand (31.), scheiterte Silas Wamangituka frei vor Koen Casteels (24.).

In der zweiten Hälfte kontrollierte der Gastgeber das Geschehen zunächst nach dem schnellen Treffer und staffelte sich tief, um dem VfB die Räume für das Tempospiel zu nehmen. Die Stuttgarter Offensive blieb allerdings kreativ und hätte den Ausgleich erzielen müssen, doch González traf aus sechs Metern das freie Tor nicht (70.). Der VfB stemmte sich bis zum Schluss gegen die Niederlage, es fehlte aber auch etwas Fortune.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)