Wer glaubt noch an das Märchen vom Bayern-Jäger?

Der 19. Spieltag hat in der Bundesliga Spuren hinterlassen. Bayer Leverkusen sollte eigentlich erster Verfolger des FC Bayern München sein – dabei ist der Relegationsplatz in Wirklichkeit näher als der Titel.

Bayer Leverkusen verlor den Rückrundenauftakt gegen Bayern München. (Bild: Getty Images)

Keiner der Tabellenführer Europas hat einen derartigen Vorsprung auf den Tabellenzweiten wie der FC Bayern München. Satte 16 Punkte trennen den deutschen Rekordmeister derzeit von Bayer Leverkusen. Und Leverkusen wiederum ist nur 15 Punkte entfernt vom Relegationsrang, den derzeit der SV Werder Bremen innehält.

Dabei dürfte die Werkself derzeit durchaus zufrieden sein mit dem Status als “Vizekusen”, sind doch gleich vier Vereine punktgleich mit der Mannschaft von Trainer Heiko Herrlich. Neben Leverkusen weisen auch Schalke, RB Leipzig und Gladbach 31 Zähler auf.

Letzter erfolgreicher Zweiter: FC Bayern

Direkt dahinter folgen Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt mit 30 Punkten aus 19 Spielen. Die Liga ist nicht erst in diesem Jahr sehr ausgeglichen, die Saison 17/18 scheint allerdings gänzlich neue Dimensionen zu erreichen.

Ebenfalls beeindruckend: Seit dem 9. Spieltag konnte der Tabellenzweite keinen Sieg mehr verbuchen. Überraschung: Damals siegte natürlich der FC Bayern als Verfolger im Rennen mit Borussia Dortmund gegen den Hamburger SV.


Tabelle macht seriöse Planung schwer

Das lässt Chancen wie Risiken offen. Eine Niederlage kann in der Bundesliga gleich mehrere Platzierungen kosten. Auf der anderen Seite ist selbst für Teams wie Hannover 96 oder den FC Augsburg mit wenigen Punktgewinnen der Sprung in die Spitzengruppe möglich. Und auch die Rettung des 1. FC Köln scheint plötzlich wieder möglich.

Langfristige Planung ist somit schwer. Wer die Königsklasse derzeit als Ziel ausgegeben hat, kann mit einem Unentschieden von Rang sieben auf Platz zwei vorschießen – je nach Ausgang der Parallelspiele.

Das ist zwar pure Konkurrenz, macht das ohnehin schon katastrophale Auftreten der deutschen – nicht münchnerischen – Vereine in Europa aber sicherlich nicht besser. Einnahmenplanung, Transferziele, Saisonvorgaben – all das verpufft angesichts der engen Tabelle.

Bayern-Jäger sind ausgestorben

Nur eines scheint klar: Die Bayern sind der Liga derart drückend überlegen, dass die Begriffe “Tabellenzweiter” und “Bayern-Jäger” nicht länger deckungsgleich sind. Denn echte Bayern-Jäger gibt es in Deutschland nicht mehr.

Woher ein derartiger Klub kommen soll, ist ohnehin fraglich. Wer den Bayern gefährlich werden will, muss einen jahrelangen Rückstand aufholen. Borussia Dortmund war nahe dran, jetzt rangiert der BVB aber durch hausgemachte Probleme auf dem sechsten Platz.

Nach aktuellem Stand würde das bedeuten, dass Dortmund nicht in der Champions League aufläuft, was wiederum bedeutet, dass der BVB in der eigenen Entwicklung Schritte zurück macht. Aber Prognosen sind ohnehin kaum etwas wert, wir sprechen immerhin von der Bundesliga.

Heynckes-Tabelle macht Unterschied deutlich

Hausgemachte Probleme hatte übrigens auch der FC Bayern im Laufe dieser Saison. Seit der Entlassung von Carlo Ancelotti und der Rückkehr von Jupp Heynckes sind die Bayern aber wieder unbesiegbar.

In der “Heynckes-Tabelle” haben die Bayern in zwölf Spielen zehn Punkte mehr gesammelt als Leverkusen. Elf Siegen stehen zu Buche, die Werkself hingegen hat sechs Siegen und fünf Unentschieden zu vermelden. Bayern-Jäger ad absurdum.