Kurdische Newroz-Feiern in Türkei von Afrin-Konflikt überschattet

Kurden feiern Newroz in Diyarbakir

Überschattet von der Einnahme der nordsyrischen Kurdenstadt Afrin durch die türkische Armee haben am Mittwoch zehntausende Kurden in der Türkei das persisch-kurdische Neujahr gefeiert. Eine riesige Menschenmenge versammelte sich unter hohen Sicherheitsvorkehrungen zur Feier von Newroz auf einem Platz der südosttürkischen Stadt Diyarbakir, auf dem 2013 und 2015 zum Neujahrstag wichtige Botschaften des inhaftierten PKK-Führers Abdullah Öcalan verlesen worden waren.

Vor fünf Jahren hatte der Gründer der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in einer Erklärung zu Newroz zu Friedensverhandlungen mit der türkischen Regierung aufgerufen. Der Friedensprozess war jedoch im Juli 2015 zusammengebrochen, woraufhin Präsident Recep Tayyip Erdogan sein Vorgehen gegen die PKK und die prokurdische HDP verschärfte. Seit Januar geht die Türkei zudem gegen die kurdische YPG-Miliz in der Region Afrin vor.

"Sie haben Afrin angegriffen, weil sie die Erfolge der Kurden nicht akzeptieren konnten", sagte die HDP-Ko-Vorsitzende Pervin Buldan bei der Kundgebung in Diyarbakir, bei der viele Teilnehmer HDP-Fahnen schwenkten und das Siegeszeichen formten. "Afrin war eine Stadt des Friedens. Wir werden den Angriff auf das Volk von Afrin niemals akzeptieren, das eine Selbstverwaltung aufgebaut hatte und brüderlich zusammenlebte", sagte Buldan.

Der 21. März markiert im persischen Kalender den Jahresbeginn. Neben Iranern und Afghanen feiern auch die Kurden an diesem Tag das Neujahrsfest mit Freudenfeuern und Musik. In der Türkei nutzen die Kurden Newroz seit den 80er Jahren für politische Kundgebungen, doch wird das Fest auch von anderen Türken begangen. Präsident Erdogan gratulierte seinen Landsleuten zu Newroz und betonte, es sei "unser Fest, nicht das der PKK".

Außer in der mehrheitlich kurdischen Stadt Diyarbakir gab es auch in Istanbul eine Großkundgebung zu Newroz. Bei den farbenfrohen Feiern sprangen die Teilnehmer über kleine Feuer und tanzten traditionelle kurdische Tänze. An den Zugängen der Festplätze gab es scharfe Kontrollen. Laut Medienberichten wurden im Vorfeld mehrere Dutzend Menschen unter dem Verdacht festgenommen, "Provokationen" zu Newroz zu planen.