Kunstschnee und Nudelsuppe: Tops und Flops der Olympischen Winterspiele

Kunstschnee und Nudelsuppe: Tops und Flops der Olympischen Winterspiele

Zu den Tops der Spiele in Pyeongchang gehören die kurzen Wegen, die schönen Unterkünfte, die gute Verpflegung und der problemlose Transport.
TOPS
ORGANISATION
Pünktlich, freundlich, zuverlässig: Staufreie und pannenlose Spiele mit kurzen Wegen, keine Beschwerden der Sportler über Unterkünfte, Verpflegung, Transport. Gute Sportstätten ohne Fehl und Tadel. Respekt, Korea! Das war sehr gut. Gerne wieder.

POLITISCHE EISSCHMELZE
Es waren Spiele im Zeichen des Friedens. Nordkorea unterließ das übliche Säbelrasseln, entsandte seine Cheerleader und hochkarätige Delegationen. Kim Jong Un war allerdings nur ein Spaßvogel, der als Doppelgänger auftrat. Einschränkung: Es bleibt die bange Frage, wie es mit Korea weitergeht. Wünschen wir das Beste.

DEUTSCHE MANNSCHAFT
Erfolgreich! Laura Dahlmeier und Andreas Wellinger übertrugen das Goldfieber auf die gesamte Mannschaft. Dauerparty im gelungenen Deutschen Haus, in das viele Athleten gerne kamen. Die Trümpfe stachen, Bob-Pilotin Mariama Jamanka, das Eishockey-Team oder Biathlet Arnd Peiffer siegten unerwartet. Hut ab.

KUNSTSCHNEE
Es hat einmal kurz geschneit. Immerhin. Doch ohne künstliche Beschneiung wäre ja gar nichts gegangen in Pyeongchang. So allerdings hatten alle Athleten für ihre (Schnee-)Sportarten beste Bedingungen. Dennoch: Die eine oder andere Flocke am Himmel wäre schön gewesen. Es kann nicht alles perfekt sein.

NUDELSUPPE
Grundnahrungsmittel aller Koreaner. Anscheinend lebenserhaltend. Morgens mit Fischeinlage, mittags höllisch scharf, abends mit winzigen, getrockneten Gemüsefädchen. Stets instant, zum Aufgießen bei vier Minuten Wartezeit. Dennoch: Die Welt der asiatischen Küche ist ein wahres Feuerwerk. Lecker!


FLOPS

FLAIR
Nicht vorhanden. Ja, vielleicht mal beim Shorttrack, Eiskunstlauf, Curling. Aber das war's dann auch. Wie ist Südkorea? Das weiß man kaum besser als vorher. In Pyeongchang? Ab zehn Uhr abends völlig tote Hose. Und: enttäuschender Zuschauerzuspruch - trotz gegenteiliger Beteuerungen. Das IOC will in Asien einen neuen Markt erschließen. Es stellt sich die Frage, ob es diesen überhaupt gibt. 

IOC
Kopfschüttel-Kino. Bis zur letzten Minute blieb der Umgang mit Russland fragwürdig. Die Dopingfälle eines russischen Curlers und einer Bob-Pilotin warfen einen Schatten auf diese Spiele, die Entscheidung über die Teilnahme an der Schlussfeier unter Landesflagge fiel erst am Sonntagvormittag. Unwürdig. 

RISIKO
Die Skicross-Strecke war halsbrecherisch schnell, Beckenbrüche und gebrochene Schienbeine sind noch als glimpflich einzuordnen. Slopestyle-Gold wurde im Sturm vergeben, was an vorsätzliche Körperverletzung grenzte. Die Liebe zum Spektakel, zum perfekten Bild ging vor der Sicherheit. Das darf nicht sein.  

PROGRAMM
Wie der Schweizer Skisprung-Held Simon Ammann nach Mitternacht bitter frierend auf der Schanze saß, hatte mit Sport nichts mehr zu tun. Zwischen 14.00 und 20.00 Uhr? Schlief Olympia zumeist komplett, weil die größten wichtigen TV-Märkte die Sendezeiten bestimmen. Schlimm! Nicht nur für Simon Ammann.

NACHHALTIGKEIT
Wer benutzt künftig die Bobbahn? Wer die riesigen Skisprungschanzen? Wer wird die hässlichen Betontürme bewohnen? Fragen, die ein Kneifen im Magen hinterlassen werden, wenn der Olympia-Zirkus weitergezogen ist. Eine Abkehr vom Gigantismus hin zu organischeren Spielen ist die einzige Option. Vom Umweltschutz ganz zu schweigen.