Künstlicher Stern verärgert Wissenschaftler

Rocket-Lab-Chef Peter Beck will mit seinem „Humanity Star“ Diskussionen anregen. (Bild: Rocket Lab via AP Photo)

Das Raumfahrtunternehmen Rocket Lab hat einen Satelliten ins All geschossen, der das hellste Objekt am Nachthimmel werden soll. Nun kritisieren Astronomen die „Discokugel im All“.

Mitte Januar schoss das private Raumfahrtunternehmen Rocket Lab erstmals mit den eigens entwickelten, kostengünstigen Electron-Raketen drei Kleinsatelliten, sogenannte „Cubesats“, in den Orbit. Was bis dahin jedoch niemand wusste: Zusätzlich dazu wurde von der Startanlage in Neuseeland noch ein weiterer Satellit mit dem Namen „Humanity Star“ in die Erdumlaufbahn gebracht, dessen einziger Zweck es ist, von der Erde aus sichtbar zu sein.

Das etwa einen Meter große, kugelförmige Kohlenstofffaser-Objekt besteht aus 65 Spiegeln und soll, ähnlich wie eine Discokugel, das Licht der Sonne auf die Erde reflektieren. Es umkreist die Erde einmal alle 90 Minuten und soll von jedem Ort der Welt aus sichtbar sein. Auf der Homepage von Rocket Lab wird erklärt, dass der „Humanity Star“ ein „gemeinsames Erlebnis für jeden auf dem Planeten“ erschaffen und außerdem eine „Erinnerung an unseren zerbrechlichen Platz im Universum“ darstellen soll.


In der Welt der Astronomie findet diese Idee von Rocket-Lab-Chef Peter Beck jedoch nur wenige Anhänger. Astrophysiker Caleb A. Scharf von der Columbia University, New York City, äußert in einem Kommentar in der Fachpublikation „Scientific American“ Bedenken, dass der Satellit selbst sowie die von ihm verursachte Lichtverschmutzung Wissenschaftlern die Erforschung des Alls erschweren könnten. „Mit etwa 2000 künstlichen Satelliten, die die Erde umfliegen (ohne echten Weltraummüll mitzuzählen), passiert es Astronomen oft, dass ihre hart erarbeiteten Bilder von störenden Lichtschweifen durch schimmernde Objekte, die über ihnen fliegen, durchzogen sind“, erklärt er.

Der britische Astronom Ian P. Griffin kritisierte gleich in mehreren Tweets die Aktion, die er als PR-Stunt und unvereinbar mit einem umweltbewussten Image ansieht. Für ihn ist der „Humanity Star“ als eine Art „Himmels-Graffiti“ nichts anderes als Umwelt-Vandalismus. „Neuseelands erster Akt als Raumfahrtnation ist also, den Nachthimmel zu verschmutzen. Für die ganze Menschheit“, twitterte er unter anderem. Richard Easther von der University of Auckland stimmt zu: „Ich mache mir Sorgen, dass Rocket Labs ‘Humanity Star’ nicht hell genug sein wird, um überwältigend zu sein, aber hell genug, um Astronomen und Menschen, die keine billigen PR-Gags mögen, zu nerven.“




Auch sein amerikanischer Kollege David Hogg ist mit dem Vorgehen von Rocket Lab prinzipiell nicht einverstanden: „Was passiert, wenn Facebook sein Logo auf dem Mond anbringt? Wo zieht die Menschheit eine Grenze? Ich lehne das nicht als Astronom ab, sondern als jemand, der denkt, dass nicht alle Landschaften Leinwände für die Reichen sein sollten“, schreibt er auf Twitter.

Rocket-Lab-Gründer Peter Beck ist derweil zufrieden mit dem Projekt, auch wenn der „Humanity Star“ bis jetzt noch nicht am Nachthimmel gesichtet wurde. „Der ganze Zweck war, die Menschen zur Diskussion anzuregen und ich glaube, das ist uns gelungen“, erklärt er im Interview mit dem „New Zealand Herald“. Der „Humanity Star“ soll in neun Monaten von selbst verglühen.