Kunden halten Banken die Treue

Seit einem Jahr können Verbraucher deutlich einfacher ihre Bankverbindung wechseln. Doch eine aktuelle Umfrage offenbart: Von einer Wechselflut kann keine Rede sein. Im Gegenteil.


Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht über neue Bankgebühren berichtet wird. Teilweise nehmen Banken Gebühren, wenn die eigenen Kunden Geld vom Automaten abheben wollen, viele Banken haben intransparente Kontomodelle, die Dauerniedrigzinsen führen bei vielen Instituten nicht zu geringeren Dispokrediten. Grund genug für viele, die Bankverbindung zu wechseln, möchte man meinen. Zumal der Gesetzgeber viele Hürden dafür beseitigt hat. Im September 2016 ist die Kontowechselhilfe, die im Zahlungskontengesetz verankert ist, in Kraft getreten.

Doch von einer Wechselflut kann nicht die Rede sein. Im Gegenteil. In einer aktuellen Befragung im Auftrag des Marktwächters Finanzen gaben lediglich zwei Prozent der Verbraucher an, innerhalb der vergangenen zwölf Monate mit ihrem Girokonto zu einem anderen Kreditinstitut gewechselt zu sein. Und nur wiederum zwölf Prozent von diesen haben dabei die gesetzliche Kontowechselhilfe dabei in Anspruch genommen.


„Nach wie vor sind Verbraucher ihrem Kreditinstitut sehr treu und wechseln selten ihr Girokonto“, sagt Kerstin Schulz, Teamleiterin Marktwächter Finanzen bei der Verbraucherzentrale Sachsen. 72 Prozent der Befragten gaben an, mit ihrem aktuellen Kreditinstitut zufrieden zu sein. Doch auch Unkenntnis spielt offensichtlich eine Rolle. Denn 61 Prozent der Befragten ist die gesetzliche Kontowechselhilfe unbekannt.

Nach diesem Gesetz sind die Banken verpflichtet, ihren wechselwilligen Kunden zu helfen. Der Kunde muss seiner Bank schriftlich mitteilen, dass er das Institut wechseln will. Laut Zahlungskontengesetz haben die Banken dann zwölf Geschäftstage Zeit, dem Wunsch zu entsprechen. Die bisherige Bank ist verpflichtet, die Transaktionsdaten der letzten 13 Monate an die neue Bank zu übermitteln. Wesentlich schneller funktionieren die digitalen Wechselmöglichkeiten.


Auf die mangelnde Wechselbereitschaft kann sich der Bundesverband der Verbraucherzentralen keinen rechten Reim machen. Er weist auf die Untersuchung von Stiftung Warentest. Die hatte jüngst in 245 Kontomodelle von 110 Instituten untersucht und festgestellt, dass es nur noch 23 Gratiskonten gibt. Modellkunden mussten danach jährlich bis zu 250 Euro berappen. Mit einem Kontowechsel könne man also viel Geld sparen.