Kultur: So war Tori Amos' Konzert in Berlin

Tori Amos: Ein einziger Intensitätskult

Ein Konzert, das man so gern gelobt hätte: Tori Amos, diese Vorreiterin der starken Popfrauen, Heldin der 90er Jahre, wo sie sich zwischen Mainstream und Grunge hindurch fädelte mit ihrer eigenen Mischung aus Wut und Zerbrechlichkeit. Eine Frau, die genau wusste, was sie tat, warum und wie. Die es an Rotzigkeit und Präsenz sofort mit Jungs wie Kurt Cobain aufnehmen konnte, wenn sie denn wollte.

All das hat sie mit Mitte 50 immer noch. Aber wenn sie allein im Temopdrom am übergroßen Bösendorfer-Flügel sitzt und sich quer durch ihre Karriere singt, von "Little Earthquakes" bis zum aktuellen, politischen Album "Native Invader", hat ihre ganze Künstlerinnen-Person eine seltsame Patina angesetzt.

Tori Amos' Konzert ist durchgängig auf Kathedrale getrimmt

Was, und vor allem wie Amos es singt, ist komplett auf Ergriffenheit angelegt: nah am Mikro, viel Tremolo, jedes Hauchen ist zu hören. Und es gibt viel Hauchen an diesem Abend. Tori Amos' Stimmumfang ist nach wie vor beeindruckend. Sie kann auch mitten im Song vom Flügel zum E-Piano wechseln, kann breitbeinig auf der Klavierbank sitzen wie auf einem Sattel, und mit der einen Hand das eine, mit der andern das andere Instrument spielen. Dabei starrt sie ins Publikum wie eine Stierkämpferin.

Nach einer halben Stunde aber fängt das Getragene, das hohe, von nichts abgefederte Pathos an zu nerven. Tori Amos' Konzert ist durchgängig auf Kathedrale getrimmt: viel Hall auf der Stimme, nicht selten ihre eigene zum Choral dazu gespielt, gerne St...

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