Kultur: Ein Schachspiel, das in den Wahnsinn führt

Stefan Zweig Passfotos, London 1940

Nach allem, was wir wissen, war Stefan Zweig kein besonders guter Schachspieler. Im brasilianischen Exil, wo er sich seit 1940 aufhielt, spielte er gelegentlich gegen den befreundeten Schriftsteller Ernst Feder. "Ich bin ein schwacher Spieler", hielt dieser später für die Nachwelt fest, "aber seine Kenntnis der Kunst war so gering, daß es mich Mühe kostete, ihn gelegentlich eine Partie gewinnen zu lassen."

Vieles, vor allem die am Tag vor seinem Freitod in die Post gegebene "Schachnovelle", deutet darauf hin, dass Zweig nicht für die mathematisch-kombinatorischen Herausforderungen des königlichen Spiels brannte, sondern für dessen kulturelle Überhöhung. In den Salons seiner Zeit gehörte die Schachpartie genauso dazu wie Zigaretten, Zeitungen und Kaffee; in ihr verkörperten sich Stil und Lebensphilosophie des alteuropäischen Intellektuellen. Dass seine Traditionen durch den Nationalsozialismus nicht nur gefährdet, sondern dem Tod geweiht schienen, hat Stefan Zweig, den 1881 in Wien geborenen Sohn eines jüdischen Textilunternehmers, schwer getroffen. Seine letzten Jahre im Exil wurden immer wieder von depressiven Schüben überschattet, bevor er sich in der Nacht vom 22. auf den 23. Februar 1942 zusammen mit seiner Frau Lotte mithilfe einer Überdosis Veronal das Leben nahm.

Der Schriftsteller hatte mit großem Seelenschmerz zu kämpfen

Die Melancholie des Abschieds und das Gefühl bodenlosen Verlusts hat zuletzt Maria Schrader in ihrem schönen Film "Vor der Morgenröte" (2016) eingefang...

Lesen Sie hier weiter!