Kultur: Der letzte Vorhang an der Berliner Volksbühne ist gefallen

Abschied mit Pauken und Trompeten: Draußen vor der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz feierten am Sonnabend Hunderte den Abschied des scheidenden Intendanten

Als die Reden gehalten sind, werden zu Schiffshornklängen die Fahnen an der Volksbühnenfassade heruntergezogen: weiße Ausrufezeichen auf schwarzem Grund. Sie wehren sich, verkanten, zuckeln, Menschen rufen: "Lasst sie oben!" Aber sie werden abgetakelt, so wie ja auch schon das laufende Räuberrad vorm Haus und das OST-Signet vom Dach verschwunden sind. Kurz zuvor wurden drinnen nach und nach die Lichter ausgedreht: "Bitte verlassen Sie die Volksbühne, das Haus wird jetzt geschlossen."

Aus, vorbei, für immer – mit maximalem Pathos feierte das Volksbühnenteam um Intendant Frank Castorf den Abschied. Aber es war ja auch herzzerreißend, wie beim Schlussapplaus der allerallerallerletzten Vorstellung auf der Bühne, Frank Castorfs Inszenierung von Henrik Ibsens "Baumeister Solness", zu den Schauspielern und Castorf das gesamte Personal dazukam.

Weit über eine halbe Stunde dauerten diese stehendenden Ovationen, vielen standen Tränen in den Augen, der großartige Daniel Zillmann weinte, Castorf wirkte äußerst angefasst, nur die Jungsbande aus Milan Peschel, Martin Wuttke und Henry Hübchen machten grinsend ein Gruppenselfie. Wäre nicht eine blechstarke Balkanband dazugestoßen mit Songs zwischen "Bella ciao" und "I feel good", der Abend wäre vollends in Tränen ersoffen.

Ein selbstironischer Schlussakkord

Die "Baumeister Solness"-Inszenierung ist zwar schon von 2014, passte aber nicht nur, weil sie mit vier Stunden Zeit zum Feiern ließ. Mit dem alternden, karrieristischen Architekten Halvard S...

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