Sven Regener: Unterwegs im Kreuzberger Universum mit Herrn Lehmann

"Wiener Straße" ist der fünfte Roman seines Lehmann-Serials: Sven Regener (56)

Herr Müllers Gesicht ist rot, die riesigen Koteletten und das Haar sind grau. Er ist ein sympathischer Trinker, der seinem Beruf als Weinverkäufer in einem Getränkegroßhandel mit Leidenschaft nachgeht. Mit großer Vorfreude erblickt er Erwin Kächele, Besitzer des Café Einfall in der Wiener Straße, in den Gängen der Halle. Der Besuch eines Gastronomen garantiert Umsatz und verspricht abwechslungsreiche Verköstigung. Müllers Plan geht auf: Die beiden trinken sich langsam, aber sicher zu. Am Ende wird sich Erwin Kächele für den Chateau Strunzinger entscheiden – die Weinmarke, die er ohnehin von Anfang an nehmen wollte.

Eine exzellente Wahl habe Erwin Kächele getroffen, findet Herr Müller, denn der Chateau Strunzinger neben vielen anderen Vorteilen ("gut und billig") hat er auch einen Schraubverschluss, und der Schraubverschluss, da ist sich Herr Müller sicher, "ist die Zukunft, das können Sie jedem sagen". Je stärker sich der Alkohol bemerkbar macht, desto euphorischer und insistierender wird Herr Müller in der Schraubverschlussfrage: "Der ist einfach nur praktisch und gerade bei Weißwein völlig angemessen". Nicht vorstellbar ist nach der Lektüre von "Wiener Straße" jemals wieder eine Weinflasche zu öffnen und nicht wie Herr Müller so etwas vor sich hinzumurmeln wie "der Schraubverschluss muss kein Zeichen von billig sein".

Sven Regener hat eine weitere Folge seiner Kreuzberger Heimatromane verfasst. In den Räumen des Künstlerkollektivs der ArschArt-Galerie im Jahr 1980 ist eine Ve...

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