Schalke-Knall! Das sagt Kultkicker Böhme über Stevens

Reinhard Franke
·Lesedauer: 5 Min.

Manuel Baum ist nach nur zehn Spielen schon wieder Geschichte beim FC Schalke. Am Freitag gab der Verein die Entlassung des 45 Jahre alten Trainers bekannt und bestätigte entsprechende SPORT1-Informationen. Übernehmen wird für zwei Spiele Huub Stevens, aktuell Aufsichtsratsmitglied bei den Königsblauen. Danach soll ein neuer Trainer präsentiert werden.

"Das Vertrauen ist da, dass die Spieler das hinkriegen. Über das Profil eines neuen Trainers werde ich nicht öffentlich sprechen", sagte Stevens auf der Pressekonferenz. "Ich brenne! Ich habe ein blau-weißes Herz, das schlägt noch immer. Und als man mich gefragt hat, habe ich nicht nein sagen können. Meine Frau hat mir gesagt: 'Frohe Weihnachten'". (Die ganze PK zum Nachlesen)

Der Rucksack könnte nach 28 Ligaspielen ohne Sieg nicht schwerer sein. Schalke 04 hat seit Januar, dem 2:0-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach, kein Spiel mehr gewonnen und taumelt weiter Richtung Abgrund. Der Verein steht nach zwölf Spielen auf Platz 18.

Unter Baum, der nach dem 2. Spieltag auf David Wagner folgte, sollte alles besser werden, doch seine Bilanz war beängstigend schlecht: sechs Niederlagen, vier Remis. Am Samstag (Bundesliga: Schalke 04 - Arminia Bielefeld, ab 15.30 Uhr im LIVETICKER) kommt Arminia Bielefeld als Tabellen-16. in die Veltins-Arena. Gelingt es Stevens, die Negativserie zu beenden?

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"Es ist nur noch traurig"

"Die Entlassung kommt jetzt vor dem letzten Ligaspiel in diesem Jahr etwas überraschend, aber Baum hatte einfach nicht das Matchglück, um die nötigen Punkte zu holen", sagt Jörg Böhme im Gespräch mit SPORT1.

"Mit Huub kommt die logische Alternative. Er ist Schalkes Jahrhunderttrainer mit einem gewissen Standing, ist zudem eine Autoritätsperson. Er hatte immer Erfolg. Er wird Schalke retten."

Böhme leidet am Samstag mit beiden Klubs, der heute 46-Jährige spielte schließlich von 1998 bis 2000 und von 2006 bis 2008 bei der Arminia. Von 2000 bis 2004 trug er das Trikot der Königsblauen udn gewann mit S04 2001 und 2002 den DFB-Pokal. "Ich hatte die erfolgreichste Zeit auf Schalke und die schönste tendiert ganz klar Richtung Schalke. Es ist grausam nicht mithelfen zu können."

Ab jetzt beginnt nun die Suche nach einem neuen Cheftrainer. "Die Frage ist, wen kriegst Du da?", fragt sich Böhme. Nach SPORT1-Informationen ist Thorsten Fink (früher unter anderem FC Basel, Hamburger SV, Austria Wien, zuletzt Trainer bei Vissel Köbe in Japan) in den Gremien ein Thema. Auch über Dimitrios Grammozis (unlängst Darmstadt 98) wird nachgedacht. Der Grieche spielte schon vor der Verpflichtung von Baum eine Rolle. Vorteil für Schalke: beide haben derzeit keinen Job, wären also verfügbar.

Das gilt auch für Friedhelm Funkel, mit dem sich Schalkes Verantwortliche nach SPORT1-Informationen als Option ebenfalls beschäftigen. Bislang wurde Funkel aber noch nicht kontaktiert.

"Brutal und einfach nur traurig"

Für einen Verein wie Schalke sei die Situation "brutal" und "einfach nur noch traurig". Böhme blickt mit Grausen auf das Spiel gegen Freiburg zurück. "Ich habe mir das Spiel am Mittwoch angeschaut und der Sportclub hat es grundsolide gespielt, ohne groß zu glänzen. Und nach dem ersten Gegentor gingen bei Schalke die Köpfe runter", berichtet Böhme. Außer Suat Serdar habe er keinen Spieler bei Schalke gesehen, "der sich gewehrt hat".

Eine hohe Meinung hat Böhme von Jochen Schneider (Schalkes Sportvorstand, d. Red.). "Ich halte eine Menge von ihm, er hat das reinste Chaos bei S04 übernehmen müssen und hatte wenig Handlungsspielraum, was die finanzielle Situation des Klubs angeht."

Mit der Suspendierung von Nabil Bentaleb und Amine Harit habe man ein Zeichen gesetzt, doch "vielleicht hätte man das früher tun sollen".

"Hätte ich als Trainer nicht gemacht"

Harit spielte gegen Freiburg wieder von Beginn an. Zur großen Verwunderung von Böhme. "Harit nach rund zwei Wochen wieder zurückzuholen und gleich in die Startelf zu stellen, hätte ich als Trainer nicht gemacht." Versteckte Kritik an Baum. "Ich hätte den Spieler länger draußen gelassen. Der Junge hat genügend Unterstützung bekommen vom Verein, hat aber nie geliefert außer unter Wagner. Ansonsten war Harit mehr negativ in den Schlagzeilen."

Auch seine Arminia, für die der Abstiegskampf wenig überraschend kommt, hat Böhme stets im Blick. "Man sieht, wie brutal der Unterschied zwischen 1. und 2. Liga ist. Wenn man überlegt, wie souverän Arminia durch die 2. Liga marschiert ist und dann die Leistungen jetzt in der Bundesliga sieht, dann kann man nur überrascht sein", sagt der Ex-Profi. "Der untere Tabellen-Bereich ab Platz zwölf ist für Arminia bestimmt, mehr nicht."

Kritik an Bielefelds Trainer Uwe Neuhaus verbittet sich Böhme. "Ich denke, dass was Uwe geschaffen hat in dem Klub, ist großartig. Deshalb ist es pervers, dass über ihn wieder diskutiert wird. Arminia könnte am Ende drei Vereine hinter sich lassen."

Davon träumt jeder Schalker. Für Samstag gibt es für Böhme nur eine Maxime. "Schalke muss rausgehen und ohne Ende fighten, Mann gegen Mann über den Platz jagen und versuchen Torchancen zu nutzen."

Baum passte mit seiner ruhigen Art nicht zu Schalke, urteilt Böhme, auch viele Experten äußerten sich vor seinem ersten Training im September ähnlich. "Lasst mich mal machen", antwortete er bei seiner ersten Pressekonferenz. Hier nimmt Böhme Baum in Schutz. "Emotionen entstehen ja, indem sie die Mannschaft auf den Platz bringt, du darfst dich auch nicht zum Kasper machen."

"Klopp kriegen wir nicht"

Hat Böhme einen Wunschtrainer? "Schwierig. Klopp kriegen wir nicht, er würde auch nicht kommen. Auf Schalke sei gefühlt jedes Jahr ein neuer Trainer da. "Alles wurde von Leuten entscheiden, die den Handlungsspielraum hatten. Nichts hat funktioniert und das Ergebnis sieht man jetzt."

Böhme ist traurig darüber. "Arminia und Schalke sind meine Vereine, ich hatte dort eine sehr schöne Zeit. Bei beiden schaue ich immer zuerst hin, wie sie gespielt haben. Bielefeld ist meine Heimat geworden, ich lebe seit 22 Jahren in Ostwestfalen", sagt er.

"Schalke ist Wahnsinn", ich kenne da immer noch viele Leute. Für Arminia habe ich sogar ein Bundesligaspiel mehr bestritten, das kann ich nicht mehr kaschieren", sagt Böhme und lacht. "Ich würde mich freuen, wenn beide Klubs in der Bundesliga bleiben würden."