Bitcoin für alle – Sind Krypto-Fonds die Lösung?

Chiara Bachmann

Das Interesse an Bitcoin, Kryptowährungen und Finanzprodukten, die diese abbilden oder in diese investieren, nimmt weiter zu. An vielen Stellen werden dagegen auch die Stimmen nach Regulierung und Verbraucherschutz in Bezug auf Kryptowährungen immer lauter. Regulierte Krypto-Fonds können sicherlich auch die Eintrittshürde für Einsteiger senken.

BTC-ECHO hat bereits mehrmals über regulierte Krypto-Fonds berichtet. Dazu gehören u. a. Blockwall, Postera und BITREAL.

Status quo der Krypto-Fonds

Wirft man jedoch einen Blick hinter die Kulissen, wird man feststellen, dass diese Fonds bei Weitem noch nicht für die breite Masse geeignet sind:

Mindestinvestment für Kleinanleger unerreichbar

Der Postera Fund – Crypto 1 hat mit einem Mindestinvestment von 50.000 Euro die geringste Eintrittshürde. 50.000 Euro mag auf den ersten Blick nicht nach einer beachtlichen Summe klingen. Betrachtet man allerdings die Tatsache, dass bei einem Investmentportfolio auch immer eine ausreichende Risikodiversifikation vorhanden sein sollte, so handelt es sich dann doch nicht mehr um ein geringes Investitionskapital, was ein möglicher Investor vorhalten sollte. Von der Mindesteinlage ausgehend, richten sich diese regulierten Krypto-Fonds also in erster Linie an institutionelle Anleger.

Geringer Wettbewerb – hohe Gebühren

Der Markt reagiert erst auf die Nachfrage nach regulierten Krypto-Fonds. Das hat zur Folge, dass aktuell noch zu wenige existieren und es keine Konkurrenz gibt. Demnach ist wenig bis kein Wettbewerb vorhanden und die Gesellschaften können sich hohe Managementfees und Abschlussgebühren genehmigen. Betrachtet man den Postera Fund – Crypto 1 genauer, so erregt ein Ausgabeaufschlag von drei Prozent im Vergleich zu Aktienfonds erst einmal kein allzu großes Aufsehen. Auch eine Managementfee von 1,1 Prozent schlägt ebenfalls noch nicht hart zu Buche. Was allerdings aufschrecken lässt, ist eine Performance-Fee von 20 Prozent. Hier zweigt sich die Gesellschaft tatsächlich noch einmal ein Fünftel von den Gewinnen ab. Ob man das als Anleger akzeptieren möchte, ist mehr als fraglich.

Bestehende Fonds für Privatinvestoren uninteressant

Die existierenden Krypto-Fonds sind aus Kostengründen und aufgrund von hohen Mindestinvestments noch weit davon entfernt, für einen Privatinvestor interessant zu werden.

Kommen wir also wieder zurück auf die eingehende Frage nach Krypto-Fonds, die durch die bestehende Regulierung den Verbraucher schützen sollen. Grundsätzlich ist hier zu klären, wie man Verbraucherschutz überhaupt herstellen kann.

Verbraucherschutz – Wie geht’s wirklich?

Viele Regularien möchten verhindern, dass der Verbraucher durch spekulative Geschäfte Geld verliert. Betrachtet man jedoch das Big Picture, muss man erkennen, dass Rendite durch das Übernehmen von Risiko bzw. Volatilität entsteht. Verbraucherschutz bedeutet nicht, den Anleger vor Rendite zu schützen. Um an den Finanz- oder Kryptomärkten Rendite für einen Vermögensaufbau erwirtschaften zu können, muss man sich darin üben, ein gewisses Risiko zu übernehmen. Dies kann man nur erlernen, indem man entsprechende Produkte erwirbt und daran wächst.

Wie kann man nun den Verbraucher schützen? Meiner Meinung nach bedarf es hier drei wesentlicher Schritte:

Ökonomische Bildung

Im ersten Schritt muss eine klare und differenzierte Aufklärung bzw. generelle ökonomische Bildung geleistet werden. Regulierungsbehörden sollten davon absehen, die Blockchain bzw. Kryptowährungen pauschal zu verteufeln bzw. Verbraucher davor zu „warnen“ und somit zu vermeiden, dass sie sich damit auseinandersetzen. Vielmehr sollten sie fundierte Wissensquellen zur Verfügung stellen – dies kann auch in Form von Links auf seriöse und geprüfte Quellen passieren. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Wissen in einer einfachen Sprache bereitzustellen, wie es z. B. die Bundesbank zu verschiedenen Themen tut. Das würde darüber hinaus dazu beitragen, Informationsasymmetrien zu vermeiden bzw. zu verringern, über die ohnehin geklagt wird. Somit kann man den Einstieg in ein Themenfeld erleichtern. Verbraucher können besser beurteilen, ob sie das jeweilige Risiko tragen und Geld investieren möchten oder nicht, nachdem sie sich einen Überblick über die Materie verschafft haben.

Verfügbarkeit von Einsteigerprodukten

Hat sich ein potentieller Anleger dann für ein Investment entschieden, so sollten im zweiten Schritt Produkte zur Verfügung stehen, die für Einsteiger geeignet sind. Diese Produkte müssen eine Reihe an Bedingungen erfüllen: Einerseits sollte durch eine Regulierung ein Rechtsrahmen geschaffen werden, indem sich ein Anleger bewegt. Darüber ist er sich dann im besten Fall durch die vorherige Aufklärung auch bewusst. Weiterhin ist es wichtig, dass man auch kleinere Summen investieren kann. Es hat keinen Sinn, wenn ein Berufseinsteiger, der sich gerade mit der Thematik „Krypto als Investment“ beschäftigt, mindestens 10.000 Euro anlegen muss, um diese Anlageklasse zu testen. Hier müssen weitaus kleinere Beträge möglich gemacht werden. Grundsätzlich muss im Vorhinein das Verhältnis aus Risikograd und Anlagelaufzeit klar sein, jedoch sollte die Möglichkeit über die Liquidierung der Mittel gegeben sein, falls notwendig.

Learning by Doing

Mit Produkten dieser Art kann ein Anleger im letzten Schritt seine Risikotragfähigkeit und sein Investmentwissen testen ohne zu viel Budget aufs Spiel setzen zu müssen.

Eine mögliche Lösung: Krypto-ETF?

Eine Anlageklasse, die bereits existiert, bietet viele oben erläuterte Vorteile und ist durchaus sehr gut für Kleinanleger geeignet: Die Rede ist von Exchange Traded Funds (ETFs), zu deutsch: börsengehandelte Indexfonds.

Diversifikation

ETFs bestehen aus einem Fonds, der einen Index abbildet. Dieser Index könnte beispielsweise aus den Top 20/50/100 Kryptowährungen nach Marktkapitalisierung bestehen. Durch die Abdeckung von mehreren großen Kryptowährungen ist bereits eine bessere Diversifikation gegeben als durch ein Investment in vier bis fünf beliebige Coins oder im Zweifel in eine einzige Kryptowährung.

Geringe Kosten

Aufgrund der Nachbildung eines Index handelt es sich bei ETFs um ein passives Management. Kein Fonds-Manager bestimmt über die Zusammensetzung des Fonds. Der ETF bildet stets einen Index ab. Dadurch können die Kosten gering gehalten werden und es ist transparent einsehbar, aus welchen Bestandteilen der ETF besteht.

Geringeres Risiko dank Sondervermögen

Ein wesentlicher Vorteil von ETFs besteht in der Tatsache, dass es sich dabei um Sondervermögen handelt. Das bedeutet, dass das Geld des Anlegers nicht zum Betriebsvermögen des ETF-Anbieters gehört. Kommt es zu einer Insolvenz des ETF-Anbieters, so fällt das ETF-Investment nicht der Konkursmasse zu. Daraus ergibt sich ein wichtiger Vorteil in Sachen Sicherheit.

Zum aktuellen Zeitpunkt bestehen bereits Exchange Traded Notes (ETNs), also börsengehandelte Schuldverschreibungen auf Bitcoin oder Ethereum. Jedoch fallen diese nicht dem Sondervermögen zu und damit existiert ein höheres Risiko im Hinblick auf die Stabilität der ausgebenden Bank.

Ausblick

Es gab bereits Bestrebungen, Krypto-ETFs zuzulassen. Beispielsweise haben die Winklevoss-Brüder im vergangenen Jahr der US-Wertpapieraufsicht SEC einen Zulassungsantrag für einen Krypto-ETF vorgelegt. Dieser wurde jedoch nicht genehmigt. Würde eine Regulierungsbehörde einen Krypto-ETF zulassen, so vermutet man einen ordentlichen, damit einhergehenden Kapitalzufluss. Wie sich das auf die Skalierbarkeit auswirkt, ist noch nicht absehbar.

Abschließend sei noch angemerkt, dass die Konzeption der Produkte bereits ein hohes Maß an Verbraucherschutz schaffen kann. Unflexible OTC-Produkte mit langen Laufzeiten werden niemals für den privaten Investor zugänglich sein. Deshalb ist es an der Regierung und den Regulierungsbehörden, den Verbraucher zu schulen und entsprechende Produkte zuzulassen.

BTC-ECHO

 

Source: BTC-ECHO

Der Beitrag Bitcoin für alle – Sind Krypto-Fonds die Lösung? erschien zuerst auf BTC-ECHO.