Krypto-Währungen – ganz einfach erklärt

Motley Fool beitragende Investmentanalysten

Inzwischen dürfte wahrscheinlich jeder vom Krypto-Währungswahn gehört haben. Ob Familienmitglied, Freund, Nachbar, Arzt, Taxifahrer, Verkäufer, Ober, Barista oder Bettler auf der Straße – irgendeiner hat einem bestimmt schon erzählt, wie sich schnell mit virtuellen Währungen wie Bitcoin, Ethereum, Ripple oder einer der weniger bekannten über 1.300 anderen Krypto-Währungen reich wird.

Aber wie viel weiß man tatsächlich darüber? Wenn ich bedenke, wie viele Fragen ich im letzten Monat aus heiterem Himmel von Leuten erhalten habe, lautet die Antwort aller Wahrscheinlichkeit nach „nicht viel“.

Aber heute werden wir das ändern. Wir gehen Schritt für Schritt durch die Grundlagen der Krypto-Währungen und erklären die Dinge, ganz einfach. Ohne wirren Fachjargon. Lediglich Beispiele dafür, wie die heutigen Krypto-Währungen funktionieren, was man letztlich damit anfangen kann und wie sie bewertet werden.

Also gut. Legen wir los.

Was sind Krypto-Währungen?

Einfach ausgedrückt handelt es sich bei Krypto-Währungen um elektronische Peer-to-Peer-Währungen. Sie existieren nicht in der physischen Welt. Man kann keine Bitcoin in die Hand nehmen oder eine aus der Brieftasche ziehen. Aber nur weil man nicht physisch eine Bitcoin halten kann, bedeutet das nicht, dass sie nichts wert nichts sind, was durch die schnell steigenden Preise der virtuellen Währungen über die letzten Monate deutlich wurde.

Wie viele Krypto-Währungen gibt es?

Die Anzahl ändert sich ständig, aber laut CoinMarketCap.com mit Stand 30. Dezember gab es rund 1.375 verschiedene virtuelle Währungen, die Investoren potenziell kaufen konnten. Bemerkenswert ist, dass die Eintrittsbarriere bei Krypto-Währungen besonders niedrig ist. Das heißt, wenn man Zeit, Geld und ein Team von Leuten hat, die wissen, wie man Computercode schreibt, hat man die Möglichkeit, seine eigene Kryptowährung zu entwickeln. Das legt nahe, dass mit der Zeit neue Krypto-Währungen auf den Markt dringen werden.

Warum wurden Krypto-Währungen überhaupt erfunden?

Technisch gesehen wurde die Idee einer elektronischen Peer-to-Peer-Währung schon vor Jahrzehnten angedacht, aber erst 2008, als Bitcoin erfunden wurde, war sie wirklich erfolgreich. Die Grundlage für die Entstehung von Bitcoin und alle virtuellen Währungen, die seitdem gefolgt sind, bestand darin, eine Reihe von Fehlern zu beheben, die bei der Art und Weise, wie Geld von einer Seite zur anderen übertragen wird, beobachtet wurden.

Welche Fehler? Nun, man denke zum Beispiel daran, wie lange es dauert, bis eine Bank eine transnationale Zahlung abwickelt, oder wie Finanzinstitute Gebühren einfahren, indem sie bei Transaktionen als Vermittler für Dritte fungieren. Krypto-Währungen funktionieren außerhalb des traditionellen Finanzsystems, indem sie die Blockchain-Technologie nutzen.

Gut, aber was um Himmels Willen ist Blockchain?

Blockchain ist das digitale Ordnungsbuch, in dem alle per virtueller Währung getätigten Transaktionen gespeichert werden. Wenn man Bitcoin kauft, Bitcoin verkauft oder Bitcoin für den Kauf eines Produkts oder einer Dienstleistung verwendet, wird dieser Vorgang in verschlüsselter Form in diesem digitalen Buch aufgezeichnet. Dasselbe gilt für andere Krypto-Währungen.

Man kann die Blockchain-Technologie als Infrastruktur verstehen, die virtuellen Währungen zugrunde liegt. Es ist das Fundament des Hauses, während die angebundene virtuelle Coin alle Produkte repräsentiert, die auf dieser Grundlage aufgebaut sind.

Warum ist Blockchain eine bessere Wahl als gegenwärtige Systeme?

Blockchain bietet eine Reihe von Vorteilen, ist aber darauf ausgelegt, drei große Probleme mit dem aktuellen Geldtransfersystem zu beheben.

Erstens ist die Blockchain-Technologie dezentralisiert. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet dies, dass es kein Rechenzentrum gibt, in dem alle Transaktionsdaten gespeichert sind. Stattdessen werden die Daten aus diesem digitalen Buch auf Festplatten und Servern rund um den Globus gespeichert. Der Grund dafür ist zweifach: 1. Es stellt sicher, dass keine Person oder Firma eine zentrale Autorität über eine virtuelle Währung hat, und 2. es dient als Schutz vor Cyberangriffen, so dass Kriminelle nicht in der Lage sind, die Kontrolle über eine Krypto-Währung zu erlangen und deren Inhaber auszunutzen.

Zweitens, wie bereits erwähnt, gibt es keinen Mittelsmann mit Blockchain-Technologie. Da für die Überwachung dieser Transaktionen keine Drittbank benötigt wird, dürften die Transaktionsgebühren deutlich sinken.

Letztlich können Transaktionen in Blockchain-Netzwerken schneller abgewickelt werden. Banken haben ziemlich starre Arbeitszeiten, sind mindestens ein oder zwei Tage in der Woche geschlossen. Und, wie bereits erwähnt, Transaktionen ins Ausland können mehrere Tage in Anspruch nehmen. Mit Blockchain ist diese Überprüfung der Transaktionen permanent im Gange.

Wie werden Transaktionen auf einer Blockchain verifiziert?

Sie werden sich vielleicht fragen, wie diese Blockchain-Transaktionen verifiziert werden. Schließlich geht es auch um die Logistik, z.B. darum, dass die gleiche virtuelle Münze nicht doppelt ausgegeben wird. Oft fällt diese Überprüfung einer Gruppe von Leuten zu, die als „Miner“ (engl.: „Bergleute“, also Leute, die für den „Abbau“ der Coin verantwortlich sind) bekannt sind.

Cryptocurrency Miners sind nichts anderes als Leute mit leistungsstarken Computern, die mit anderen Leuten mit leistungsstarken Computern um die Lösung komplexer mathematischer Gleichungen konkurrieren. Diese Gleichungen sind ein Produkt der Verschlüsselung, die entwickelt wurde, um die Transaktionsdaten im digitalen Buch zu schützen.

Der erste Miner, der diese Gleichungen löst und dabei die Transaktionen auf dem Hauptbuch überprüft, erhält eine Belohnung, die als „Blockbelohnung“ bekannt ist. Diese Belohnung wird in virtuellen Münzen ausgezahlt und ist ein Beispiel dafür, wie Bitcoin-Transaktionen verifiziert werden. Dieser Vorgang wird als „proof of work“ bezeichnet.

Der einzige andere wichtige Verifizierungsprozess ist der sogenannte „proof of stake“. Statt dass Menschen irren Aufwand betreiben, um komplexe Gleichungen zu lösen, um Transaktionen zu verifizieren, wählt das Proof of Stake-Modell, wer den nächsten Block von Transaktionen auf der Grundlage ihres Eigentums in einer virtuellen Währung verifizieren darf. Im Wesentlichen gilt: Je mehr man besitzt, desto größer ist die Chance, dass man die Transaktionen verifizieren kann. Damit gibt es keinen Wettbewerb unter den Mitbewerbern und keinen übermäßigen Energieverbrauch bei der Lösung komplexer Gleichungen, was es wesentlich kostengünstiger machen kann.

Der Nachweis des Proof-of-Stake-Modells belohnt auch die Leute, die Transaktionen unterschiedlich verifizieren. Anstatt in virtuellen Münzen bezahlt zu werden, verdient der Stakeholder die Transaktionsgebühren, die mit diesem Transaktionsblock verbunden sind.

Sind Blockchain-Netzwerke öffentlich oder privat?

Das Interessante ist, dass Blockchain die Möglichkeit hat, öffentlich oder privat zu sein. Eine private Blockchain würde die meisten Unternehmen ansprechen, während öffentliche Blockchains vor allem Verbraucher ansprechen würde, die ihre virtuelle Währung zum Kauf von Waren oder Dienstleistungen oder für Investoren mit Krypto-Währung verwenden möchten.

Eine private Blockchain würde es einem Unternehmen erlauben, Einschränkungen zu machen, wer Zugriff auf Daten hat und wer Transaktionen im Netzwerk durchführen kann. Derweil erlauben öffentliche Blockchains es jedem, sich anzuschließen und daran teilzunehmen. Bitcoin ist ein Beispiel für eine öffentliche Blockchain.

Stimmt es, dass Krypto-Währungstransaktionen anonym sind?

Die Antwort darauf lautet: „Kommt ganz drauf an!“ Die meisten Krypto-Währungen sind nicht so anonym, wie man denkt. Sicher, man muss die Sozialversicherungsnummer oder das Bankkonto nicht angeben, um mit dem Handel oder der Investition in Krypto-Währungen zu beginnen, aber jede Transaktion, die man tätigt, wird immer noch im zugrunde liegenden digitalen Ordnungsbuch erfasst.

Kürzlich gewann die Internal Revenue Service (IRS, Steuerbehörde der USA) ein Gerichtsverfahren gegen den Krypto-Handelsplattform Coinbase, das die Plattform aufforderte, Informationen über 14.355 Benutzer herauszugeben, die zwischen 2013 und 2015 Bitcoin im Wert von mindestens 20.000 Dollar handelten. Während die IRS hauptsächlich herausbekommen wollte, wer möglicherweise Steuern hinterzogen haben könnte, bedeutet das aber auch, dass die Transaktionen doch nicht ganz so anonym sind.

Es gibt jedoch eine Art von Krypto-Währungen, sogenannte „Privacy Coins“, die einzig und allein dazu dienen, die Anonymität und Privatsphäre einer Transaktion zu stärken. Dazu werden spezielle Protokolle verwendet, um die Identität des Absenders einer Zahlung zu verbergen. Monero und Dash sind Beispiele für Münzen, die zu dieser speziellen Gruppe gehören.

Was hat das alles mit virtuellen Münzen zu tun?

Wie bereits erwähnt kaufen sich Investoren bei digitalen Währungen ein. In fast allen Fällen gibt der Kauf einer Krypto-Währung dem Investor kein Eigentum an der zugrunde liegenden Blockchain-Technologie. Dies ist einer der größten Unterschiede zwischen Krypto-Währungen und herkömmlichen Anlagen wie Aktien. Wenn mt Aktien eines börsennotierten Unternehmens kaufen, besitzt man einen Bruchteil des Unternehmens. Das ist bei fast allen Krypto-Währungen nicht der Fall.

Was genau leisten dann die virtuellen Münzen? In vielen Fällen werden die Münzen benötigt, um die Transaktionsgebühren für eine Blockchain zu bezahlen. Ethereum, in Sachen Marktkapitalisierung eine der größten Krypto-Währungen hinter Bitcoin, verlangt von den Nutzern seiner Blockchain die Zahlung von Transaktionsgebühren, und zwar in der eigenen Währung, die als Ether bekannt ist. Aber es gibt noch weitere Anwendungsmöglichkeiten.

Zum Beispiel kann die Ripple-Coin, die als XRP bekannt ist, als Vermittler dienen, der es ermöglicht, dass Transaktionen schneller abgewickelt werden können. Ripple ist ein Blockchain-Unternehmen, das sich auf die Zusammenarbeit mit großen Banken und Finanzinstituten konzentriert. Beispiel: Ein Kunde in Japan will eine Zahlung an ein Unternehmen in Großbritannien vornehmen. Wenn diese Zahlung durch die Blockchain von Ripple geleitet werden würde, könnte man die Zahlung in japanischen Yen nehmen, diese Zahlung in XRP-Münzen umwandeln und diese dann wiederum in britische Pfund umwandeln. All dies könnte wesentlich schneller als bei normalen Banken (und zu hoffentlich niedrigeren Kosten) geschehen.

Wie sind Krypto-Währungen zu bewerten?

Um ehrlich zu sein, niemand kennt die Antwort darauf, denn sie hängt von einer Reihe von Faktoren ab. Dazu gehören:

  1. Wie schnell die Blockchain-Technologie von größeren Unternehmen angenommen wird;
  2. Wie schnell Händler bereit sind, virtuelle Währungen als Zahlungsmittel zu akzeptieren;
  3. Ob Regierungen auf der ganzen Welt Krypto-Währungen als gesetzliches Zahlungsmittel akzeptieren oder ob sie diese gänzlich verbieten wollen.

Es ist auch nicht immer klar, wie genau eine virtuelle Coin und ihre zugrundeliegende Blockchain zusammenhängen. Das obige Beispiel mit Ripples Blockchain und XRP zeigt, wie die beiden gut Hand in Hand funktionieren. Nicht alle Krypto-Währungen haben eine Coin, die eine eindeutige Verwendung hat oder den Wert der zugrunde liegenden Blockchain erhöht. Deshalb gestaltet sich die Bewertung von Krypto-Währungen oft als schwierig.

Warum sind die Krypto-Währungen so stark im Wert gestiegen?

Auch hier gibt es keine komplett eindeutige Antwort, aber der Schlüssel zum Erfolg der Währungen sind zwei Faktoren. Erstens, Kleinanleger (d.h. nicht-professionelle Anleger) haben den größten Teil des virtuellen Devisenhandels getätigt. Institutionelle Investoren haben sie gemieden, weil entweder ihr Unternehmen es ihnen nicht erlaubt, in Krypto-Währungen zu investieren, oder weil sie einfach viel zu volatil sind, um eine Investition zu rechtfertigen. Privatanleger sind in der Regel stärker auf ihre Emotionen gegenüber institutionellen Anlegern angewiesen, was zu heftigen Bewegungen nach unten und nach oben führt.

Der zweite Faktor ist, dass es sich nicht gerade um einen „fairen“ Markt handelt. Unter den traditionellen Aktien, wie z.B. dem Aktienmarkt, hat ein Anleger die Möglichkeit, zu kaufen, zu verkaufen und sogar gegen eine Aktie zu wetten. Geld kann verdient werden, wenn sich eine Aktie nach oben oder unten bewegt. Bei fast allen Krypto-Währungen, außer Bitcoin, ist der Kauf oder Verkauf die einzige Option. Es gibt keine Möglichkeit, Geld zu verdienen, wenn eine Krypto-Währung sinkt, was natürlich dazu führt, dass der Kauf attraktiver ist. Das wird wahrscheinlich nicht ewig so bleiben, aber es spielt eine wichtige Rolle, wenn man verstehen will, warum die Preise derart in die Höhe geschossen sind.

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The Motley Fool hält keine der angegebenen Aktien.

Dieser Artikel von Sean Williams erschien am 2.1.18 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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