Die Krux mit den Zinsen


Eigentlich sind steigende Zinsen gut für Banken. Gerade nach der langen Nullzinsphase freuten sich Banker wie Investoren, über die zusätzlichen Einnahmen – vor allem, weil die großen Wall-Street-Häuser konsequent die Zinsen für Kreditnehmer angezogen haben. Die für Sparer sind dagegen nur minimal gestiegen. Die Nettozinsspanne, die sich aus dieser Differenz ergibt, ist daher in den vergangenen Quartalen stetig angestiegen.

Doch Bankchefs fürchten, dass dies nicht mehr lange so weiter gehen kann.
Denn der Wettbewerb steigt. Institutionelle Kontoinhaber und reiche Einzelpersonen mit großen Ersparnissen verlangen längst höhere Zinsen auf ihre Einlagen. Und es ist höchste Zeit, dass die Banken auch Otto-Normalsparer höhere Zinsen zahlen, statt das Geld dafür zu nutzen, um die Bilanz aufzuhübschen.

Citigroup-Chef Michael Corbat fürchtet bereits, dass die Kunden bald nach höheren Zinsen „schreien“ werden. Soweit sollten es die Banken nicht kommen lassen. Ihr altes Argument, dass Kunden ein großes Filialnetz mindestens genauso schätzen würden wie höhere Zinsen, wird immer schwächer.


Denn in Zeiten, in denen die Kunden immer technologie-affiner und die Technologie immer nutzerfreundlicher wird, ist die Klientel längst nicht mehr so loyal wie zuvor. Davon profitieren Bank-Start-ups genauso wie Goldman Sachs, die mit ihrer Online-Banking-Plattform Marcus frustrierte Kunden anlockt. Marcus hat keine Filialen, bietet den Sparern dafür Zinsen von 1,8 Prozent. Bei Corbats Citigroup gibt es gerade einmal 0,1 Prozent – obwohl die US-Notenbank Federal Reserve den Leitzins erst in Juni auf die Spanne von 1,75 bis 2 Prozent angehoben hat.

Gestiegene Zinsen nicht nur an Kreditnehmer, sondern auch an die Sparer weiterzugeben, gehört zum guten Ton und ist ein Zeichen des Respekts gegenüber seinen Kunden. Gerade in Zeiten, in denen Banken Milliardengewinne machen und über Dividenden und Aktienrückkäufe Rekordsummen an ihre Aktionäre ausschütten.