Krummer Schuss kostet Schalke den Sieg

Karim Bellarabi (l.) und Matija Nastasic (r.) kämpfen um Ball und Sieg - am Ende gewinnt keiner

Auch unter dem neuen Trainer Domenico Tedesco kommt Schalke 04 nicht auf Europapokalkurs. Nach zwei Niederlagen mussten sich die Königsblauen im Schlüsselspiel gegen den Angstgegner Bayer Leverkusen mit einem 1:1 (1:0) zufrieden geben (Das Spiel zum Nachlesen im TICKER).

Die Gelsenkirchener verpassten mit einer weitgehend enttäuschenden Leistung den Sprung auf Platz fünf, die Werkself holte zwar den ersten Auswärtspunkt der Saison, hinkt den eigenen Ansprüchen als Tabellenachter aber weiter hinterher (Tabelle der Bundesliga).

Beide Trainer zufrieden

Schalke-Trainer Tedesco gab sich trotz der verspielten Führung zufrieden. "Wir sind auf einem guten Weg. Wir haben ein gutes Spiel gemacht gegen einen guten Gegner, sagte Tedesco. "Die Chancen zum Sieg waren da, aber wir nehmen den Punkt mit. Wer weiß, wofür wir ihn noch brauchen."

Sein Leverkusener Kollege Heiko Herrlich sah hingegen seine Mannschaft im Vorteil. "Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, auch mit der Leistung kann ich insgesamt leben. In der zweiten Halbzeit hatten wir ein Chancenplus, wir hätten auch gewinnen können", sagte Herrlich. 

Auch der Leverkusen-Trainer lobte die Moral seiner Truppe: "Die Mannschaft hat nach dem Rückstand tolle Moral gezeigt."

Leverkusen besser

Dabei waren die Leverkusener, die zuletzt dreimal in Folge auf Schalke gewonnen hatten, über weite Strecken mit schnellem Kombinationsfußball die auffälligere Mannschaft (Spielplan und Ergebnisse der Bundesliga).

Doch Leon Goretzka brachte die Gastgeber mit einem direkt verwandelten Freistoß in Führung (34.), der eingewechselte Leon Bailey glich vor 61.515 Zuschauern aus (61.). Sein Schuss wurde von Matija Nastasic abgefälscht und segelte unhaltbar über Torwart Ralf Fährmann hinweg ins Netz.

"Wir hatten viele Gelegenheiten, die wir ein bisschen konzentrierter zu Ende spielen müssen. Dann machen wir das 2:0", sagte Schalke-Torschütze Goretzka bei Eurosport, "und so ist das ein sehr unglückliches Gegentor mit dem abgefälschten Schuss."

Leverkusens Lars Bender lobte sein Team, dass es nach dem Gegentreffer zurückkam. "Wir haben in den letzten Wochen oft zurückgelegen. Es war wertvoll, mal nach einem Rückstand zurückzukommen", sagte Leverkusens Lars Bender, der nach einer Verletzung, die noch auf dem Platz genäht wurde, zurück ins Spiel kam.


Ein emotionales Comeback feierte Schalkes Rekordeinkauf Breel Embolo. 349 Tage nach seiner schweren Knöchelverletzung mit Wadenbeinbruch stand der Schweizer wieder in der Startelf. "Es war die schwerste Zeit meines Lebens", sagte der 20-Jährige, der im Sommer 2016 für 22,5 Millionen Euro plus Boni verpflichtet worden war.

Nach drei Kurzeinsätzen mit insgesamt 55 Minuten war der Schweizer Nationalspieler "in einem sehr, sehr guten körperlichen Zustand", sodass Trainer Domenico Tedesco das lange Warten beendete.

Herrlich wechselt auf vier Positionen

Zum dritten Mal in Folge lief das US-Talent Weston McKennie zum Anpfiff auf. Der 19-Jährige erhielt den Vorzug vor 19-Millionen-Mann Nabil Bentaleb, der nach einer Muskelverhärtung wieder zur Verfügung stand. Bayer-Coach Herrlich hatte gegenüber dem 3:0 gegen den Hamburger SV gleich auf vier Positionen gewechselt.

In der defensiven Zentrale setzte er auf die Bender-Zwillinge: Sven in der Innenverteidigung, Lars auf der Doppel-Sechs.


Schalke begann passiv und überließ Leverkusen zunächst die Initiative. Die Werkself kombinierte flüssig, die wenigen Angriffsversuche der Königsblauen erstickten die Gäste schon in der Entstehung.

Die erste nennenswerte Torchance hatten dennoch die Gastgeber: Bastian Oczipka verfehlte mit einem Schuss von der Strafraumgrenze das Ziel nur knapp (24.).

Schalke nutzt wieder Standard

Es war der Startschuss für etwas mehr Offensivbemühungen der Schalker, doch bis zum Mittelstürmer Embolo kam der Ball so gut wie nie. Die Führung resultierte wieder einmal aus einer Standardsituation: Goretzka zirkelte einen Freistoß aus 22 Metern um die Mauer in den Winkel - das erste Schalker Tor nach 220 Minuten.

Dabei profitierte der Nationalspieler auch davon, dass Karim Bellarabi kurz vor der Ausführung die Mauer verließ.

Auf der anderen Seite scheiterte Kevin Volland mit einem Freistoß an Torwart Fährmann (40.), ebenso wie kurz vor der Pause Julian Brandt mit einem Schuss aus 14 Metern (45.).

Leverkusen, die deutlich aktivere Mannschaft, lag zur Halbzeit zurück und musste sich etwas darüber wunder. Für Embolo, an dem das Spiel weitgehend vorbei lief, war nach 53 Minuten Schluss.

Drei Minuten später verpasste der starke Goretzka die Vorentscheidung, als er aus fünf Metern völlig frei über das Tor schoss. "Ich verliere ein bisschen die Orientierung, weil ich mich vorher drehe", begründete Goretzka seinen Fehlschuss. "Vielleicht bin ich da ein bisschen zu hektisch. Meine Oma hätte den wohl gemacht."

Kurz darauf bestrafte Bailey Schalke dann mit seinem abgefälschten Schuss. In der Schlussphase wogte das Spiel hin und her, beide Teams erspielten sich Chancen.

Diese blieben aber ungenutzt wie das Potenzial der beiden Teams zu Saisonbeginn.