Reus geht steil - und erntet Kritik

Christoph Küppers

Einen ganz einfachen Tag erlebte Marco Reus an alter Wirkungsstätte nun wirklich nicht.

Zwar avancierte Borussia Dortmunds Kapitän mit seinem Kunstschuss beim 1:0-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach zum Matchwinner - sein Jubel nach dem Treffer in Richtung Gladbacher Kurve brachte dem 28-Jährigen allerdings wüste Pfiffe und Beschimpfungen ein.

"Ich freue mich wirklich immer wieder, wenn ich hierhin komme", beschwichtigte Reus nach dem Spiel in der Mixed Zone. "Die einen pfeifen, die anderen nicht. Damit geht jeder anders um", so der BVB-Kapitän cool.

Abgesehen von diesen Randaspekten beflügelte Reus seine offensiv zuletzt eher lahmen Dortmunder. Vor allem in Hälfte eins war er an allen gefährlichen Dortmunder Aktionen beteiligt. Folgerichtig: sein schöner Treffer zum 1:0.

Reus, das verriet er nach dem Spiel, wurde neben der Rückkehr an alte Wirkungsstätte auch durch eine andere Tatsache motiviert: Erstmals seit dem 7. September 2014 (DFB-Länderspiel gegen Schottland) durfte er gemeinsam mit seinen beiden Kollegen André Schürrle und Mario Götze, mit denen er sich bekanntlich auch außerhalb des Platzes bestens versteht, von Anfang an auflaufen.


Stöger: "Dass sie spielen wollen"

"Man sieht, dass die Jungs sich kennen, dass sie spielen wollen. Das könnte schon auf Sicht eine Kombination sein, die ich mir öfter vorstellen kann", gab BVB-Trainer Peter Stöger auf der Pressekonferenz nach dem Spiel zu.

Der Österreicher setzte aber in gleichem Atemzug nach: "In der zweiten Hälfte habe ich allerdings nichts mehr gesehen."

Stimmt tatsächlich. Wie seine weiteren Kollegen tauchte auch Reus in den zweiten 45 Minuten fast gänzlich ab.

Dortmund präsentierte sich in dieser Phase pomadig, zu langsam im Umschaltspiel, mit vielen offenen Mittelfeldräumen, ohne wirklichen Zug nach vorne. Einzig das Gladbacher Unvermögen vor dem Tor bewahrte den BVB vor Punktverlusten.

Bezeichnend allerdings, dass die einzige echte BVB-Chance in Durchgang zwei natürlich Marco Reus vergab. Der 28-Jährige scheiterte mit einem feinen Dropkick an Gladbach-Keeper Jan Sommer.

Vom Dauerverletzten zum Hoffnungsträger

Der Auftritt vom Sonntag bewies: Innerhalb einer Woche ist der Kapitän vom Dauerverletzten zum absoluten Hoffnungsträger einer weiter nicht wirklich stabilen Dortmunder Mannschaft avanciert. Eine wichtige Erkenntnis - vor allem mit Blick auf das richtungsweisende Europa-League-Rückspiel am Donnerstag gegen Atalanta Bergamo.

Am 22. Februar zeigt SPORT1 das Gastspiel des BVB in Bergamo ab 21 Uhr LIVE im TV. Der Countdown zur UEFA Europa League Zeiten beginnt bereits ab 19 Uhr. In den Highlights ab 23.00 Uhr werden ausführliche Zusammenfassungen der restlichen Partien mit dem anderen deutschen Vertreter RB Leipzig und den internationalen Top-Teams wie Arsenal, Marseille, Milan, Atletico, Lyon oder Lazio sowie Reaktionen zu den Spielen gezeigt.

Zwar bremst Trainer Stöger weiter die Erwartungen an Reus, indem er etwa Sätze sagt wie: "Marco hat acht Monate nicht gespielt. Wir brauchen weiter Zeit mit ihm."

Dennoch zeigt die Tatsache, dass Stöger seinen größten Star nach achtmonatiger Verletzungspause in jedem Spiel der vergangenen Woche (Hamburger SV, Bergamo, Gladbach) von Anfang an aufs Feld schickte, wie wichtig Reus für die Dortmunder ist.

Und vor allem für Peter Stöger! Der Trainer kämpft weiter um sein sportliches Überleben in Dortmund, also einen Anschlussvertrag über den Sommer hinaus.

Spielerisch überzeugt seine Mannschaft allerdings weiter nur bedingt. Eine ausgewogene Balance hat Stöger allerdings noch nicht geschaffen. Lediglich das gut funktionierende Umschaltspiel ist ein kleiner Lichtblick. Und bekanntlich ist genau dies eine der großen Stärken von - natürlich - Marco Reus.