Kritik zu 'Fack ju Göhte 3': Endlich der 'final fack'

Elyas M’Barek in “Fack ju Göhte 3” (Bild: Constantin Film)

“Fack ju Göhte 3” soll definitiv der letzte “fack” sein. Wir wollen es hoffen. Denn mit dem dritten Teil sollte die Reihe nun wirklich ad acta gelegt werden. Auch diese Komödie kommt nicht über die Note “ungenügend” hinaus.

Eine Filmkritik von Willy Flemmer

Mehr als 7,3 Millionen Zuschauer lockte “Fack ju Göhte” 2013/14 in die deutschen Kinos. Während die einen sich im Kino amüsierten, bereute der andere Teil schon bald den Ticketkauf. Zwei Jahre später folgte, was nach dem Sensationserfolg folgen musste: die Fortsetzung. Die geriet noch derber und noch hanebüchener, dem Erfolg an den Kinokassen tat dies keinen Abbruch. “Fack ju Göhte 2” stellte mit 7,7 Millionen verkauften Tickets den Vorgänger in puncto Erfolg sogar in den Schatten. Viele verstanden das Kino nicht mehr. Nun, wieder zwei Jahre später, kommt der dritte Teil, und gemäß der Logik der ersten beiden Filme wird dieser wohl ein noch größeres Massenphänomen werden. Denn qualitativ geht es mit “Fack ju Göhte 3” noch weiter abwärts.

Alles wie gehabt
Bei der Handlung der Komödie braucht man sich nicht lange aufhalten. Sie variiert das Schema der Vorgängerfilme. Die Goethe-Gesamtschule, deren Lehrkörper und die Schüler von Zeki Müller (Elyas M’Barek) stehen erneut im Mittelpunkt. Und ihnen allen geht es wieder an den Kragen. Die Schule droht ihres katastrophalen Zustandes wegen geschlossen zu werden, die Lehrer könnten ihre Arbeit verlieren oder versetzt werden und die Elftklässler um Chantal (Jella Haase), Danger (Max von der Groeben) und Zeynep (Gizem Emre) stehen kurz davor, durchs Abi zu rasseln und als Altenpflegerinnen oder Klärwerksmitarbeiter zu enden. Die Welt der Gesamtschule ist wieder gehörig aus den Fugen und es gilt, Ordnung zu schaffen.

Musterschülerin: Jella Haase als Chantal Ackermann in “Fack ju Göhte 3”

Nichts leichter als das und so setzt Regisseur und Drehbuchautor Bora Dagtekin seine Figuren darauf an, ihre Ziele zu erreichen. Um die Goetheschule zu retten, braucht es Leistungsnachweise ausgerechnet von Chantal, Danger und Co. Die können über sich selbst hinauswachsen und beweisen, dass in ihnen mehr steckt, als alle, selbst ihre engsten Familienangehörigen, glauben. Dass sie es, wenn sie sich nur anstrengen, zu Journalisten bringen können, Sängern oder Künstlern. Und auch Zeki, dem ewigen Aushilfslehrer, steht eine Prüfung bevor. Wenn der Ex-Knacki nicht endlich die Lehrprobe absolviert, kommt er wieder in den Knast, droht Schuldirektorin Gudrun Gerster (Katja Riemann).

Kalauer am laufenden Band
Es gehört zu den vielen Ungereimtheiten auch dieses Teils, dass ausgerechnet Dagtekin es nicht schafft, Ordnung in seinen Film zu kriegen. Nicht genug damit, dass er ihn mit zu vielen Handlungssträngen, Nebenfiguren und Themen überfrachtet. Er sprengt die Handlungslinien immer wieder und viel zu oft auch mit zum Markenzeichen der Reihe gewordenen grell-derben Szenen. Warum aber über folgende Gags voraussichtlich wieder sieben Millionen Zuschauer lachen werden, das wird ein Rätsel bleiben: Zeki raucht aus Versehen eine Crack-Zigarette, um von seinen Schülern in der nächsten Szene ein Zäpfchen zunächst in den After, dann in den Mund gestopft zu bekommen. Danger hält in einer Kunstausstellung eine Installation für eine echte Toilette und verrichtet darin gleich sein Geschäft – das große wohlgemerkt. Chantal hat mit ihrem verhaltensgestörten Freund (Lucas Reiber) kruden Cybersex, was bald in einen flotten Dreier mit der Oma (Irm Hermann) des jungen Mannes ausartet.

Äußerlich Danger, im Innern ein sensibler Künstler: Max von der Groeben (Bild: Constantin Film)

Man kann “Fack ju Göhte 3” auch adeln, indem man den ganzen Nonsens als Einheit von Form und Haltung auslegt. Das alles könnte doch schließlich ein Angriff sein auf das deutsche Bildungssystem und ihre Vertreter, die es nicht schaffen, die Lücke zwischen Establishment und den sozial Abgehängten zu schließen. Wird außerdem mit der fehlenden dramaturgischen Geschlossenheit nicht die große Erzählform des Mainstreaim-Kinos untergraben? Und ist selbst der derbste und abstruseste Einfall nicht doch im besten Sinne subversiver Anarcho-Spaß? Nein, die Kirche sollte man schon im Dorf lassen, sonst landet sie irgendwann noch mit den Marx Brothers in der Oper. Wahrscheinlicher ist dieser Verdacht: dass Dagtekin seine Filme offenbar für ein Publikum zu machen glaubt, das für einen Ernst Lubitsch einen ähnlichen Kommentar übrig hat wie seine Desaster-Pauker für den Namensgeber ihrer Schule: “Leck mich, Lutscha”.

Und so bleibt das Beste an “Fack ju Göhte 3” das Versprechen, das Constantin Film uns schon sehr früh gegeben hat: Dass der dritte Teil definitiv der letzte, also der “final fack” sei. Man kann nur hoffen, dass ja niemand auf die Idee kommt, Chantal, Danger oder sonst wem aus der Filmreihe in einem Spin-off eine Zigarette nach dem “fack” zu gönnen.

Kinostart: 26. Oktober 2017

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