Kritik an Präsident Zeman nach Äußerungen zu Nowitschok-Tests in Tschechien

Tschechiens Präsident Milos Zeman

Führende tschechische Politiker haben Präsident Milos Zeman für Äußerungen kritisiert, wonach das mutmaßlich bei dem Anschlag auf den russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal in Großbritannien eingesetzte Nervengift Nowitschok in Tschechien getestet wurde. "Im Kreml dürften sie wirklich stolz auf unseren Präsidenten sein", sagte Vizepräsident Martin Kupka von der konservativen Demokratischen Bürgerpartei (ODS) am Freitag. Mit seinen Aussagen hatte Zeman Angaben aus Moskau bestätigt.

Zeman verhalte sich "wie ein Agent des Kreml", sagte Petr Gazdik, Chef der Mitte-rechts-Bewegung "Bürgermeister und Unabhängige" (Stan). Der prorussische Staatschef hatte am Donnerstagabend in einem Fernsehinterview erklärt, Tschechien habe eine Substanz aus der Gruppe der Nowitschok-Gifte "hergestellt und getestet". Es habe sich allerdings um eine kleine Menge gehandelt, die später vernichtet worden sei.

Der 73-Jährige zitierte einen Bericht des Militärgeheimdienstes, räumte aber gleichzeitig ein, dass der Inlandsgeheimdienst die Behauptungen zurückweise.

Das Außenministerium in Prag bestätigte zwar am Freitag, dass tschechische Labore Nowitschok-ähnliche Substanzen getestet hätten. Es betonte jedoch, dass das hierbei angewandte Verfahren internationalen Abkommen zufolge nicht als Herstellung gelte und die Substanz sofort vernichtet worden sei. Zudem handele es sich bei der Anfang März bei dem Anschlag auf Skripal im englischen Sailsbury verwendeten Substanz um eine andere Sorte des Nervengifts.

Der Kreml begrüßte indes Zemans Äußerungen. Tschechien habe mit der Veröffentlichung dieser Informationen "ehrlich und mutig" gehandelt, sagte eine Sprecherin des russischen Außenministeriums.

Bei dem Giftanschlag waren der Ex-Spion Skripal und seine Tochter schwer verletzt worden. Julia Skripal konnte die Klinik inzwischen verlassen, auch Sergej Skripal ist auf dem Wege der Besserung. Der Westen macht unter anderem wegen der Art des verwendeten Gifts Russland für den Anschlag verantwortlich. Moskau bestreitet das entschieden.