Kritik an Chemieindustrie: Ausmaß der Plastikkügelchen im Rhein ist größer als gedacht

Die Entfernung der angeschwemmten Plastik-Pellets gestaltet sich schwierig.

Nach der Verunreinigung des Rheinufers im Kölner Süden mit Plastikgranulat dauern die Ermittlungen der Wasserschutzpolizei an. Es wird geprüft, ob eine Umweltstraftat vorliegt.

Derweil hat eine Spezialfirma begonnen, die Uferbereiche zu reinigen. Sie wurde von dem in Wesseling ansässigen Chemieunternehmen Lyondell Basell (LB) beauftragt.

Überbelastung der Rückhaltefilter

Wie die Plastikkügelchen ins Wasser gelangt sind, ist noch nicht ganz geklärt. Das Unternehmen selbst geht von einer möglichen Überbelastung der Rückhaltefilter auf dem Werksgelände infolge starker Regenfälle aus.

Derweil kommt vor allem von Seiten des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Kritik an „nicht ausreichenden Rückhaltemaßnahmen“ in der Chemieindustrie. Es sei anzunehmen, dass größere Regenereignisse immer häufiger vorkämen, betont Paul Kröfges, Sprecher des BUND Arbeitskreises Wasser.

Nur die Spitze des Eisbergs

Es dürfe nicht sein, dass in solchen Fällen bei einem der größten Kunststofferzeuger wie LB das Granulat in größeren Mengen in den Rhein gelange. Zudem seien die angeschwemmten Partikel wohl nur ein kleiner Teil einer erheblichen Gesamtmenge, die Richtung Nordsee unterwegs sei – also nur die Spitze des Eisbergs.

„Dies ist ein unhaltbarer Zustand auch bei allen anderen Chemiefirmen am Rhein“, betont Paul Kröfges. Der BUND werde das Problem in die politischen Gremien und in die IKSR (Internationale Kommission zum Schutz des Rheins) einbringen. Er bemängelt eine erhebliche Gesamtverschmutzung des Rheins mit Kunststoffabfällen jeglicher Art.

Für Fährmann nichts Neues

Für Heiko Dietrichs sind die die Plastikrückstände im Rhein nichts Neues. „Seit mehr als 30 Jahren habe ich regelmäßig Plastikpartikel in den Kühlwasserfiltern“, sagt der Fährmann, dessen Schiffe am Weißer Rheinufer ankern. Auf der Fähre „Krokodil“ würden täglich etwa zehn Kubikmeter Wasser durch den Filter gespült, dabei komme ungefähr ein Gramm Plastikkügelchen unterschiedlicher Größe und Farbe zusammen.

Der alleinige Verursacher der dauerhaften Verunreinigung könne keinesfalls Lyondell Basell sein, glaubt Heiko Dietrichs. Die Rheinschiene sei lang und die Wesselinger Firma stelle in erster Linie weiße Pellets her.

Reinigung ist Sisyphusarbeit

Die aktuellen Ablagerungen in der vergangenen Woche führt er auf einen möglichen Verladefehler bei LB zurück. Möglicherweise sei ein Sack mit Pellets angeritzt worden. „Das ist dann wie bei einer Tüte Zucker, die platzt“, sagt er. Die schweren Sauggeräte, mit denen die Spezialfirma die Kügelchen zunächst entfernen wollte, seien ungeeignet und viel zu stark.

Sie würden auch die Minikrebse aus dem Sand entfernen. Er habe eines seiner Schiffe und einen Nass-Staubsauger angeboten, erzählt er. Ob der Einsatz in Frage kommt, soll in der kommenden Woche geklärt werden. „Die Reinigung ist eine Sisyphusarbeit“, sagt er. Er könne sich nicht vorstellen, dass sie funktioniert....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta