Kritik aus Afrika an Corona-Reisebeschränkungen: Negativtest reicht

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JOHANNESBURG (dpa-AFX) - Strenge Corona-Reisebeschränkungen wie sie etwa Deutschland gegen Besucher aus Südafrika verhängt hat, stoßen in Afrika zunehmend auf Ablehnung. "Ein gültiger Negativtest sollte ausreichen", sagte John Nkengasong von der Gesundheitsorganisation der Afrikanischen Union (AU), der Africa CDC, am Donnerstag. "Es gibt absolut keinen Grund, warum eine Person mit einem Reisebann belegt werden soll, nur weil sie aus einem bestimmten Land kommt", betonte er bei einer Videokonferenz. Wegen einer zuerst in Südafrika entdeckten ansteckenderen Coronavirus-Variante hatte die Bundesregierung den Kap-Staat und Nachbarländer im Februar als Risikogebiet mit besonders gefährlichen Virusmutationen eingestuft.

Bei der Zahl der nachgewiesenen neuen Corona-Fälle verzeichnet der Kontinent laut CDC vor allem in Süd-, West- und Zentralafrika rückläufige Zahlen, während sie im Osten und vor allem Norden steigen.

Insgesamt wurden bisher auf dem Kontinent rund 4,4 Millionen Infektionen dokumentiert, wie CDC-Zahlen am Donnerstag zeigten. Nach den Angaben sind knapp 119 000 Menschen bisher an den Folgen gestorben. Die Dunkelziffer dürfte nach Expertenansicht auf dem Kontinent mit seinen 1,3 Milliarden Menschen leicht höher liegen. In Südafrika als am stärksten betroffenen Land wurden gut 1,5 Millionen Infektionen registriert, knapp 54 000 Menschen starben in Verbindung mit dem Coronavirus.

Allerdings sank die Zahl der Neuinfektionen von knapp 22 000 pro Tag auf deutlich unter 1000 Fälle. Die Heilungsquote liegt bei mehr als 95 Prozent, die Regierung hob daher die meisten Restriktionen auf.

Das Coronavirus verbreitete sich relativ langsam auf dem Kontinent. Die Gesamtzahl ist noch immer gering im Vergleich zu anderen Weltregionen: Afrika macht gerade mal 3,1 Prozent aller weltweit gemeldeten Infektionsfälle und 4 Prozent aller Corona-Todesfälle aus und hat bisher mehr als 42 Millionen Tests durchgeführt. Die CDC versucht, die Mittel der afrikanischen Staaten zu bündeln und Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie zu koordinieren.